Aus Mangel an Beweisen

Aus Mangel an Beweisen

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09.12.2018 Der DNA-Test des Instituts Senckenberg an sieben Proben hat keinen Nachweis dafür ergeben, dass bei dem ominösen „Wolfsangriff“ in Steinfeld ein Wolf beteiligt war. Es wurden Katzen- und Hundehaare am Pullover des betroffenen Arbeiters nachgewiesen. Nichts an dem Hammer, mit dem er dem Tier auf die Pfote gehauen hatte. Vor der Presse betonte Umweltminister Olaf Lies (SPD) zum wiederholten Mal, er habe sich „ein anderes Ergebnis des Tests gewünscht.“ Denn „wären Wolfsspuren festgestellt worden, wäre eine Tötung unumgänglich gewesen.“ Hier der Link zum Pressegespräch:  https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Wolfs-Attacke-Spuren-liefern-keinen-Nachweis,pk180.html Der Umweltminister erläuterte, wie er sich diese Tötung vorgestellt hätte. Dann wäre geschossen und/oder

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Vom Wolf gebissen?

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29.11.2018 Darauf haben manche schon lange gewartet: Ein Mensch ist von einem Wolf angegriffen und gebissen worden. Wirklich? War es ein Wolf? Und war es ein Angriff? Es gibt keine Zeugen für den Vorfall, und die Analyse ist noch nicht abgeschlossen. Mit diesen Vorbehalten hier eine Einschätzung, zugegeben weit ab vom Geschehen. Was ist passiert? In Steinfeld, Samtgemeinde Bülstedt in Niedersachsen, ist ein Gemeindearbeiter damit beschäftigt, den Friedhofszaun zu reparieren. Am Boden hockend wird er von einem Wolf (glaubt er), der sich ihm unbemerkt von hinten genähert hat, in den Unterarm gebissen. Der Mann wehrt sich, indem er dem Tier

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Ein bisschen ausgestorben

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25.11.2018 Prof. Hans-Dieter Pfannenstiel hat sich wieder mal zum Wolf geäußert, diesmal im Celler Kurier. Der Wolf, meint er, sei „bei uns nie richtig ausgestorben.“ Diesen Unfug hat Gregor Beyer vom Forum Natur in die Welt gesetzt, Pfannenstiel betet ihn nach. Ich wüsste von den beiden Herren gerne, wie man eigentlich „richtig“ ausstirbt? Das ist wie „ein bisschen schwanger“. Das Kriterium für „Ausgestorben“ ist eindeutig: Eine Tierart, die sich nicht reproduziert (keine Jungtiere aufzieht), gilt in dem betreffenden Gebiet als ausgestorben. So war es in Deutschland mit dem Wolf über hundert Jahre lang. Dass gelegentlich Wölfe aus dem Osten eingewandert

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Dampfgeplauder oder Paradigmenwechsel?

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07.11.2018 Die Umweltminister-konferenz (UMK) der Länder tagt gerade in Bremen. Auf der Tagungsordnung steht auch der Wolf. In einer Presseerklärung hat der Deutsche Jagdverband (DJV) schon mal gefordert, „endlich konkrete Lösungen für den Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen zu präsentieren.“ Das Bundesnaturschutzgesetz solle novelliert werden, denn eine angepasste, nachhaltige Entnahme von Einzeltieren oder Rudeln, meint der DJV, widerspreche nicht dem Schutzzweck. Doch. Widerspricht ihm auf der ganzen Linie. Zunächst ist eine „nachhaltige Entnahme“ schon vom Begriff her sinnwidrig. Das würde ja bedeuten, dass man ständig verhaltensauffällige Wölfe planmäßig produziert, um sie dann entnehmen zu können. An was diese Entnahme „angepasst“ sein

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Lehren aus dem Fall Dauban

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13.10.2018 Seit 18 Jahren sind die Wölfe in Deutschland zurück. Aber die Reaktionen auf blutige Wolfsereignisse sind immer noch die gleichen: Als erstes werden Abschüsse gefordert – von Einzelwölfen, von gesamten Rudeln, von Wölfen überhaupt. Dass solche Forderungen von unmittelbar betroffenen, aufgeregten Tierhaltern kommen, kann man verstehen. Dass sich Behörden aufführen, als hätten sie sich nicht an Verwaltungsregeln zu halten, ist allerdings schwer erträglich. Und dass Politiker im Ministerrang mit ihren Äußerungen den Eindruck vermitteln, sie hätten das Gesetz nicht gelesen oder stünden gar über diesem, ist nicht schwer, sondern überhaupt nicht auszuhalten. Der Fall Dauban ist noch lange nicht

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Wohin führt der Bayerische Weg?

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01.10.2018 Der Schlagabtausch, den die Süddeutsche Zeitung erwartet hatte (siehe AKTUELL), hat sich in Grenzen gehalten. Als ob in 14 Tagen keine Wahl stattfände und als ob die schweren rechtlichen Bedenken gegen den „Aktionsplan Wolf“ nicht weiter relevant wären, ist man bei der Besprechung am 20.09. den bayerischen Weg weiter gegangen: Augen zu und durch. Einundfünfzig (!) Leute hatten sich versammelt, um den Entwurf des Aktionsplans Wolf zu diskutieren. Natürlich viel zu viele, wenn man Ergebnisse erwartet. Aber „Ergebnisse“ hätten wohl nur gestört. Unmittelbar vor der Wahl meint man, endlich Aktivität vorweisen zu müssen. Was jahrelang von den Schreibtischen des

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Die Hybridenhysterie

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15.09.2018 Eine Bemerkung voraus: Wir werden in der Wolfsszene immer mehr mit Fakenews konfrontiert. Eine davon ist die Hysterie um Mischlinge von Wolf und Hund. Deshalb geht es in dieser Ausgabe von Wolfsite in vier Artikeln ausschließlich um dieses Thema. Als im Jahr 2000 die ersten Wölfe auf deutschem Boden sesshaft wurden, kursierte alsbald das Gerücht, es handle sich dabei um Tiere, die von der russischen Armee gehalten und bei deren Abzug nach der Wende frei gelassen worden seien. Und das seien teils Wölfe, teils Mischlinge aus Wolf und Hund gewesen. Beweise für diese Geschichten hat es nie gegeben. Trotzdem

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Schießen statt schützen: der Aktionsplan Wolf in Bayern

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17.08.2018 Der bayerische Umweltminister Marcel Huber hat den Entwurf für einen „Aktionsplan Wolf“ (AP Wolf) vorgestellt. Die Schutzverbände laufen Sturm dagegen. Der Plan ist voller Widersprüche zum nationalen und internationalen Naturschutzrecht. Statt auf den Schutz von Weidetieren setzt Bayern auf Abschüsse von Wölfen. Der AP Wolf ist ein Plan zur Verhinderung einer Wolfsansiedlung und Wolfspräsenz im Freistaat. Im Zentrum der Kritik stehen vor allem zwei Punkte: Die Wolfspopulation in Bayern soll auf das „artenschutzrechtliche Mindesterfordernis“ begrenzt werden. Auf Weidegebieten, die sich gegen Wölfe nicht schützen lassen, sollen Wölfe entnommen (sprich geschossen) werden dürfen, wenn sie Weidetiere „bedrohen.“ In verschiedenen sprachlichen

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Wolfspolitik in Bayern – zum Davonlaufen

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10.08.2018 Was tut man als Wolf, wenn man in Bayern geboren wird? Am besten sucht man das Weite. Von den drei Wölfen, die im vorigen Jahr im Bayerischen Wald zur Welt kamen, sind zwei in den letzten Monaten abgehauen. Einer hält sich jetzt in Thüringen auf. Vielleicht findet er zu der Wölfin in Ohrdruf, die sich im Vorjahr mit einem Hund eingelassen und Mischlinge zur Welt gebracht hatte. Ein zweiter lief gar bis nach Hamburg. Dort wurde er überfahren. Ich dachte, das müsste doch eine spannende Pressemeldung aus dem bayerischen Umweltressort wert sein, vom Landesamt oder vom Ministerium oder vom

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Eintausend Wölfe – ein Schuss ins Dunkel

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13.07.2018 Eintausend Wölfe sollen es in Deutschland sein. Das hat der Deutsche Jagdverband (DJV) verkündet. Das Forum Natur mit 18 angeschlossenen Lobbyverbänden schließt sich an, ein Staatssekretär vom Landwirtschaftsministerium stößt ins gleiche Horn. Jürgen Lückhoff von der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände meint gar, die Zahl tausend sei „ehrlicher und deutlicher“ als die offiziellen Zahlen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) bzw. der DBB Wolf. Die sind allerdings vom April 2017 und nicht von Ende 2018. Kann Herr Lückhoff nicht lesen? Kann der DJV nicht rechnen? Fest steht zunächst nur dies: Die Zahl eintausend ist weit überzogen und durch nichts begründet. Sie ist

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Der Bayerische Weg: Schießen statt Schützen

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20.06.2018 Die neue bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat die Einrichtung großflächiger so genannter „Herdenschutzzonen“ angekündigt. Das Ministerium stellt sich vor, dass in Gebieten, die sich nicht schützen lassen, Wölfe geschossen werden dürfen, wenn sie Weidetiere „bedrohen“ – nicht erst, wenn sie welche gerissen haben, sondern „vorauseilend“. Die erforderliche Ausnahmeregelung habe dann, so Kaniber, das Umweltschutzministerium zu erteilen. So einfach ist das. So sind aus den von der Almwirtschaft geforderten wolfsfreien Zonen „Schutzzonen“ geworden, freilich mit demselben Ziel: Nicht Weidetiere schützen, sondern Wölfe schießen. So stellt man Naturschutz auf den Kopf. Die „Herdenschutzzonen“ sollen von einer mit Fachleuten der Landwirtschafts- und

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Sachsen: schützen statt schießen

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10.06.2018 Mit 18 Rudeln und einem territorialen Paar beherbergt der Freistaat Sachsen nach Brandenburg die meisten Wölfe im Bundesgebiet. Manche behaupten, die Wolfsdichte im Südosten des Freistaats sei sogar die höchste der Welt. Das stimmt zwar nicht, aber mit fast vier Tieren pro 100 km2 ist sie in der Tat hoch. Was aber kosten die Wölfe den Freistaat? Auf eine parlamentarische Anfrage hat Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) folgende Zahlen genannt: Insgesamt hat Sachsen im vergangenen Jahr 765.000 Euro ausgegeben. Das sind weniger als fünf Prozent der Gesamtausgaben für Naturschutz. Die Summe teilt sich in drei Drittel – nämlich 258.000 Euro

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Das war erst der Anfang!

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16.05.2018 Was in Bad Wildbad passiert ist, wird sich wiederholen: Ein Wolf trifft auf eine ungeschützte Schafherde und richtet ein Massaker an. Mit einem „Blutrausch“ hat das nichts zu tun. Wölfe wären dumm, würden sie solche Gelegenheiten nicht nutzen. Und solche ergeben sich reichlich, wo Wölfe neu ankommen. Da sind die Weidetierhalter noch keine Wölfe gewöhnt und warten erstmal ab. „Es wird schon so schlimm nicht werden!“ glauben viele. Da aber machen sie die Rechnung ohne die Wölfe. Deshalb werden sich solche Fälle wiederholen. Nicht nur in Baden-Württemberg. Eine „erste Adresse“ ist Bayern, wo sich das Wolfsmanagement festgefahren hat. Dort

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Die Jäger machen mobil

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01.05.2018 Am 22.03.2018 ist der Deutsche Jagdverband (DJV), Dachverband aller Landesjagdverbände außer Bayern, mit einem Positionspapier zum Wolf an die Öffentlichkeit getreten. Trotz des verbindlichen Tonfalls ist es getragen von Kritik und Misstrauen am bisherigen und gegenwärtigen Umgang mit dem Thema Wolf. Zu der erstaunlichen, ja sensationellen Rückkehr einer fast verloren geglaubten Tierart fällt dem anerkannten Naturschutzverband DJV dagegen nichts Positives ein. Man ist beim DJV nicht glücklich mit dem Lauf der Dinge. Man will ran an die Deutungshoheit, will Wölfe schießen. Dazu quält sich das Papier sechs lange Seiten dahin, erhebt sage und schreibe 26 (!) „Forderungen“ zu allem

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Wolfsfreie Zonen durch die Hintertür

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17.04.2018 Der Bayerische Landtag hat heute einen „Aktionsplan Wolf“ beschlossen. Hier die Meldung: Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität. Trotz internationalem Schutzstatus können nach geltender Rechtslage verhaltensauffällige Wölfe entnommen werden. Die Bayerische Staatsregierung bekennt sich zu einer flächendeckenden und dauerhaften Weidetierhaltung in Bayern. Um die Gefahr für die Bevölkerung, aber auch für Tiere auf ein Minimum zu reduzieren, soll durch den Bayerischen Aktionsplan Wolf die Größe der Wolfspopulation auf das artenschutzrechtlich Erforderliche begrenzt werden. Die Weidetierhaltung muss auch bei Wolfsanwesenheit ohne unzumutbare Mehraufwendungen flächendeckend und dauerhaft erhalten bleiben. Die Bayerische Staatsregierung setzt gezielt auf Präventionsmaßnahmen. Experten der Umwelt- und

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