Sachsen: schützen statt schießen

Sachsen: schützen statt schießen

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10.06.2018 Mit 18 Rudeln und einem territorialen Paar beherbergt der Freistaat Sachsen nach Brandenburg die meisten Wölfe im Bundesgebiet. Manche behaupten, die Wolfsdichte im Südosten des Freistaats sei sogar die höchste der Welt. Das stimmt zwar nicht, aber mit fast vier Tieren pro 100 km2 ist sie in der Tat hoch. Was aber kosten die Wölfe den Freistaat? Auf eine parlamentarische Anfrage hat Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) folgende Zahlen genannt: Insgesamt hat Sachsen im vergangenen Jahr 765.000 Euro ausgegeben. Das sind weniger als fünf Prozent der Gesamtausgaben für Naturschutz. Die Summe teilt sich in drei Drittel – nämlich 258.000 Euro

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Das war erst der Anfang!

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16.05.2018 Was in Bad Wildbad passiert ist, wird sich wiederholen: Ein Wolf trifft auf eine ungeschützte Schafherde und richtet ein Massaker an. Mit einem „Blutrausch“ hat das nichts zu tun. Wölfe wären dumm, würden sie solche Gelegenheiten nicht nutzen. Und solche ergeben sich reichlich, wo Wölfe neu ankommen. Da sind die Weidetierhalter noch keine Wölfe gewöhnt und warten erstmal ab. „Es wird schon so schlimm nicht werden!“ glauben viele. Da aber machen sie die Rechnung ohne die Wölfe. Deshalb werden sich solche Fälle wiederholen. Nicht nur in Baden-Württemberg. Eine „erste Adresse“ ist Bayern, wo sich das Wolfsmanagement festgefahren hat. Dort

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Die Jäger machen mobil

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01.05.2018 Am 22.03.2018 ist der Deutsche Jagdverband (DJV), Dachverband aller Landesjagdverbände außer Bayern, mit einem Positionspapier zum Wolf an die Öffentlichkeit getreten. Trotz des verbindlichen Tonfalls ist es getragen von Kritik und Misstrauen am bisherigen und gegenwärtigen Umgang mit dem Thema Wolf. Zu der erstaunlichen, ja sensationellen Rückkehr einer fast verloren geglaubten Tierart fällt dem anerkannten Naturschutzverband DJV dagegen nichts Positives ein. Man ist beim DJV nicht glücklich mit dem Lauf der Dinge. Man will ran an die Deutungshoheit, will Wölfe schießen. Dazu quält sich das Papier sechs lange Seiten dahin, erhebt sage und schreibe 26 (!) „Forderungen“ zu allem

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Wolfsfreie Zonen durch die Hintertür

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17.04.2018 Der Bayerische Landtag hat heute einen „Aktionsplan Wolf“ beschlossen. Hier die Meldung: Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität. Trotz internationalem Schutzstatus können nach geltender Rechtslage verhaltensauffällige Wölfe entnommen werden. Die Bayerische Staatsregierung bekennt sich zu einer flächendeckenden und dauerhaften Weidetierhaltung in Bayern. Um die Gefahr für die Bevölkerung, aber auch für Tiere auf ein Minimum zu reduzieren, soll durch den Bayerischen Aktionsplan Wolf die Größe der Wolfspopulation auf das artenschutzrechtlich Erforderliche begrenzt werden. Die Weidetierhaltung muss auch bei Wolfsanwesenheit ohne unzumutbare Mehraufwendungen flächendeckend und dauerhaft erhalten bleiben. Die Bayerische Staatsregierung setzt gezielt auf Präventionsmaßnahmen. Experten der Umwelt- und

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Seitenweise leeres Stroh

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04.04.2018 Prof. Dr. Pfannenstiel kann’s nicht lassen. Nach seiner umfangreichen „gutachtlichen Stellungnahme zum Wolf“ im vergangenen Jahr bedenkt er nun die Fraktionsvorsitzenden in Brandenburg, die Vorsitzenden der Landesjagdverbände und des DJV, das Forum Natur Brandenburg und des deutschen und Brandenburgischen Bauernverbandes mit einem weiteren ausschweifenden Elaborat (nachzulesen auf der Jäger-Website JAWINA) zur Wolfsproblematik. Pfannenstiel kämpft mit Hingabe gegen Windmühlen. Anscheinend will sich der emeritierte Professor für Meerestiere (JAWINA erhebt ihn zum „Wildbiologen“) zum Sprachrohr der Wolfsgegner hochstilisieren. Nun – davor muss einem nicht bange sein. Gleich zu Beginn redet er von „Ökophantasten“, später von „ideologisch motiviertem Naturschutz“ – der Professor

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Vor der Wahl, nach der Wahl …

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28.03.2018 In diesen Tagen konnte man sich so seine Gedanken machen über den Sinn und Zweck von Wahlen. Wozu braucht man die in Russland oder China, wenn vorher ausgemacht ist, wer gewinnt? Wozu in den USA, wenn Trump dabei rauskommt? Warum haben sich die Briten aus der EU rausgewählt, wenn sie jetzt am liebsten wieder rein wollen? Von der großen Politik zur kleinen, zur Wolfspolitik. Je nachdem ist es gerade vor der Wahl oder nach der Wahl oder mittendrin, nämlich während der Groko-Verhandlungen. Es ist kaum zu fassen, worüber sich unsere Volksvertreter da den Kopf zerbrochen haben: Über den sagenumwobenen

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Die Rückkehr der Wölfe – Grabenkämpfe statt Lösungssuche. Von Felix Knauer

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15.03.2018 Die Wölfe breiten sich in Deutschland und anderswo in Europa immer weiter aus, tauchen in Gebieten auf, in denen seit Jahrhunderten keine Rudel mehr vorkamen. Obwohl die vom Wolf verursachten Probleme eigentlich überall die gleichen sind (Wolf trifft auf Schaf, trifft auf Hirsch, trifft auf Reh), reagiert die Politik sehr unterschiedlich darauf. In Baden-Württemberg kann sich ein schwarzer Minister unter einem grünen Ministerpräsidenten überhaupt nicht vorstellen, dass Wölfe in Rudeln flächig die geeigneten Gebiete in seinem „Ländle“ besiedeln. In Bayern wettert seit Jahren schon die Politik (alles schwarz in schwarz) gegen den Wolf. Auch ein bayrischer Minister in Berlin,

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Der Wolf in der Hauptstadt. Von Eckhard Fuhr

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16.02.2018 Leibhaftig wurde noch kein Wolf im Berliner Regierungsviertel gesehen. Trotzdem ist Canis lupus mit Beginn des Jahres endgültig im Zentrum der deutschen Politik angekommen. Während Union und SPD über ein Wolfskapitel in ihrem Koalitionsvertrag verhandelten, debattierte der Bundestag am 2. Februar über Anträge der FDP und der AfD, in denen die Übernahme des Wolfs ins Jagdrecht und seine jagdliche „Regulierung“ gefordert wurden. Grüne und Linke hatten Gegenanträge eingebracht, in denen sie dieses Ansinnen zurückwiesen und eine Verbesserung des Herdenschutzes und der wirtschaftlichen Lage der Schäfer fordern. Die Anträge wurden an den Umweltausschuss und nicht an den Landwirtschaftsausschuss überwiesen, was

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Ein Wort in eigener Sache

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09.02.2018 Hallo Freunde von Wolfsite – da bin ich wieder. Ich habe ein persönliches Tief hinter mir, und deshalb hat Wolfsite ihre Stimme fast verloren. Das ist vorbei, ich bin wieder auf dem Damm und mische mich ein. An Stoff herrscht ja kein Mangel. Eine „Bautzener Erklärung“ aus der Gruft macht die Runde. Ein paar Leute wollen den Wölfen die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest anlasten. In Sachsen gibt es „immer mehr Hybriden,“ Brandenburger Bauernverbände rufen mehr oder weniger offen zur Selbsthilfe auf. Völlig abgehoben – ranghohe Politiker. „Wolfsfreie Zonen“ wollen sie schaffen wie Trump gegen Mexiko, FDP-Chef Christian Lindner, frisch gebackener Jagdscheininhaber, will

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Wölfe! Was kommt da auf Euch zu?

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10.01.2018 Unsere Wölfe haben ein heftiges Jahr hinter sich. Man konnte meinen, es wimmle geradezu von „Problemwölfen.“ Richtig daran war nur, dass manche ein Problem mit Wölfen haben. Nicht der einzige Anlass übrigens, mal darüber nachzudenken, ob wir nicht eine ganze Menge von „Problempolitikern“ im Lande haben. Denen ich, um bitte nicht missverstanden zu werden, wahrhaftig nichts Böses wünsche, nur ein bisschen mehr Einsicht und Sachverstand. Wenn sie schon meinen, sie müssten sich zu Wort melden, wäre es ja schön, wenn sie vorher mal zuhören könnten. Das gehört freilich nicht zu den herausragenden Eigenschaften auf der politischen Bühne. Was wird

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Der Schnee von gestern. Ein Rückblick auf 2017

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23.12.2017 Das Jahr 2017 geht dem Ende zu. Was hat sich in der Wolfsszene getan? Ein kurzer Rückblick: Im Januar wird in Sachsen der Wolf „Pumpak“ auf Betreiben des Landrats Michael Harig (CDU), Bautzen, zum Abschuss frei gegeben, weil er wiederholt Komposthaufen in Hausgärten aufgesucht und sogar einen Kuchen geklaut hat. Die Abschussfreigabe muss wegen rechtlicher Einwände sofort wieder zurückgenommen werden. Pumpak verschwindet aus dem Tagesgeschehen. Vor Jahresende 2016 war in Brandenburg der erste Versuch, den Wolfsmanagementplan von 2012 zu überarbeiten, in einer Plenumssitzung mit über 80 Teilnehmern zerredet worden. Im Februar 2017 werden über 40 Stellungnahmen von Behörden und

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Alle Jahre wieder: Wie viele Wölfe?

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15.12.2017 Im November ist der offizielle Status der deutschen Wölfe vom BfN veröffentlicht worden. Demnach waren im Bundesgebiet zu Ende des Monitoringjahres 2016/17 – also vor acht Monaten – 60 Rudel, 13 territoriale Paare und drei ortsfeste Einzelwölfe bestätigt. Das BfN geht auf dieser Grundlage von insgesamt 150 – 160 erwachsenen Wölfen im Bundesgebiet aus. Wie gesagt – das ist der Stand vor acht Monaten. Auf der Website der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes – Wolf (DBB Wolf) ist das sehr gut dargestellt. Außerdem gibt es auch eine Darstellung der aktuell bekannten Rudel, Paare und Einzelwölfe, die sich natürlich laufend

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Sehr geehrter Herr Minister Backhaus,

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20.11.2017 im Vorfeld der Konferenz der Umweltminister der Länder am 16./17.11. in Potsdam haben Sie in verschiedenen Interviews Stellung zum Thema Wölfe bezogen. Sie reden klaren Text, einige Ihrer Amtskollegen übernehmen Ihre Position, Verbandsvertreter benutzen Ihre Argumente. So bündeln sich, so bündeln Sie eine Position zur Entwicklung der Wölfe in Deutschland. An dieser Position gibt es einiges zu hinterfragen. Die Rückkehr des Wolfes, sagen Sie, sei „ein Erfolg für den Artenschutz und auch für die Landwirtschaft.“ Für die Landwirtschaft? Herr Minister – wollen Sie mir das bitte erklären? So schön das wäre – ich fürchte, mit dieser Ansicht stehen Sie

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Ein toter Wolf fürs Ego

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03.11.2017 In einer eineinhalb Seiten langen Mitteilung informiert das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) darüber, dass der Abschuss eines Wolfes aus dem Rosenthalrudel genehmigt werde. Die Abschusserlaubnis ist auf das Gebiet des Rudels begrenzt und befristet bis 30. November. Geschossen werden darf nur „auf einen Wolf, der die Nutztiere einer Weide außerhalb des Waldes so in Unruhe versetzt, dass die Schutzmaßnahmen von innen niedergetreten werden beziehungsweise er selbst die vorhandenen Maßnahmen überwindet.“ Das Rosenthalrudel in Ostsachsen ist wiederholt durch Übergriffe auf Schafe aufgefallen. Etwa 200 getötete Tiere werden ihm innerhalb der letzten vier Jahre zur Last gelegt – 50

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Von Totschießern und Totschützern

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25.10.2017 Ein Blick in die „Sozialen Medien“ lässt Böses ahnen: Es geht den Wölfen an den Kragen. Gewinnen die Totschießer an Boden? Im Bayerischen Wald sind aus einem großen Schaugehege des Nationalparks am 06.10. sechs Wölfe ausgebrochen. Einer wurde gleich überfahren, zwei weitere wurden vom Personal des Nationalparks erschossen, weil sie weder in die Fallen gingen noch sich mit einem Narkosegewehr erwischen ließen. Am 20.10. wurde ein weiterer Ausreißer in einer Lebendfalle gefangen. Die letzten beiden sind immer noch in der Nähe des Geheges und mehrmals auf Fotofallen abgelichtet worden. Am 23.10. haben Wolfsschützer dem Ministerium eine Petition übergeben, die

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