Ein Wolf im Allgäu?

Ein Wolf im Allgäu?

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06.08.2018 Große Aufregung im Allgäu: Innerhalb zweier Tage sollen bei Wertach zwei Kälber gerissen worden sein. Landrat Anton Klotz ist sich „zu 100 Prozent sicher:“ Das könne nur ein Wolf gewesen sein, es gebe „keine andere Erklärung,“ und der müsse umgehend abgeschossen werden. Die Allgäuer Zeitung berichtet in großer Aufmachung. Irgendwelche Zweifel an der Geschichte fallen dem Blatt nicht ein. Dabei gibt es davon jede Menge. Die Fakten: Am 27.07. ein totes Kalb bei Burgberg, am 02.08. ein weiteres bei Wertach. Beide Kälber trugen eine Glocke um den Hals, waren also keine „kleinen Kälbchen.“ Sie wurden im Tal gehalten, nicht

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Wolfstag in Rietschen

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09.08.2018 Am 26.08. findet zum achten Mal der „Wolfstag“ des Kontaktbüros Rietschen statt – aber nicht in Rietschen, sondern in Dohna OT Röhrsdorf. Die rührige Mannschaft des Kontaktbüros hat wieder ein spannendes Programm zusammengestellt, das einen Besuch in den Osten von Sachsen durchaus lohnt. Gesa Kluth vom Wildbiologischen Institut LUPUS wird über die gegenwärtige Wolfssituation berichten, mehrere Theater- und Musikevents sind vorgesehen, der Wiener Wolfsforscher Kurt Kotrschal hält einen Vortrag über „Unser altes Bündnis mit Wölfen“, und Utz Anhalt darüber, wie „der böse Wolf in die Phantasie der Menschen“ kam. Das vollständige Programm finden Sie auf der Website https://www.wolf-sachsen.de/de/.

Ein zweites Rudel in Bayern

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09.08.2018 Jetzt ist es amtlich: In Bayern gibt es ein zweites Wolfsrudel. Im Veldensteiner Forst, einem großen Waldgebiet bei Pegnitz, sind zwei Welpen von einer Fotofalle erfasst worden. Es sollen aber mindestens drei sein. Anscheinend entsteht gerade in der Oberpfalz eine Keimzelle für ein bayerisches Wolfsvorkommen; denn nur etwa einen wölfischen Tagesausflug nördlich davon ist in dem militärischen Übungsplatz Grafenwöhr bereits seit 2016 ein weiteres Wolfspaar nachgewiesen. Der im Vorjahr erwartete Nachwuchs ist jedoch ausgeblieben, und auch in diesem Sommer haben sich noch keine Welpen gezeigt. Mit Grafenwöhr und Veldensteiner Forst haben sich die Wölfe ein Schlaraffenland ausgesucht. Es beherbergt

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Wie viele Wölfe?

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13.07.2018 Herleitung einer Faustzahl zur Schätzung der Individuenzahl (Die Herleitung vom 08.07.2018 wurde korrigiert). Das Wolfsmonitoring für Deutschland stellt alljährlich zum Ende April (Ende des Monitoringjahres) die Anzahl der bestätigten Rudel, territorialen Paare und ortsfesten Einzelwölfe fest. Die Veröffentlichung erfolgt fünf Monate später, wenn die Daten analysiert und über die Ländergrenzen hinweg abgeglichen sind. Eine Gesamtzahl der Wölfe (Individuen) zu erheben ist nicht möglich und auch nicht das Ziel des Monitorings. In der öffentlichen Diskussion wird jedoch häufig die Frage nach der Anzahl der Wölfe gestellt. Die fehlende Antwort wird nicht nur als Mangel empfunden, sondern bildet auch den Nährboden

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Die Politik hinter dem Zahlenkram

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08.07.2018 Als Richtwert für eine Population in günstigem Erhaltungszustand nach der FFH-Richtlinie gelten 1.000 erwachsene (!) Wölfe. Das entspricht rund 3.000 Wölfen aller Altersklassen. Wenn die Population in ständigem Austausch mit einer Nachbarpopulation ist, genügen 250 erwachsene Tiere. „Unsere“ zentraleuropäische Flachlandpopulation wird von der Naturschutzkommission der EU als eigenständige Population aufgefasst. Deshalb gilt der Richtwert 1.000 erwachsene Wölfe. Der Raum für eine Population soll eine biogeografische Region sein – also nicht Deutschland, erst recht nicht ein Bundesland. Deshalb ist die Aussage, dass in einem bestimmten Land „der günstige Populationszustand erreicht“ sei, irrelevant. Wenn der günstige Erhaltungszustand erreicht ist, kann der

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Wolfsmanagement in den Ländern

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08.07.2018 Rheinland-Pfalz scheint gut vorbereitet auf die Ankunft der Wölfe. Im Landkreis Neuwied sind zwei Tiere bestätigt, ein Rüde und eine Fähe – ob die beiden sich schon gefunden haben, ist nicht bekannt. Landrat Achim Hallerbach hatte am 19.06. zu einem Vortragsabend im Bürgerhaus St. Katharinen eingeladen, 300 Leute füllten den Saal. Barbara Friemel vom Ministerium stellte den Wolfsmanagementplan des Landes vor, und Ulrich Wotschikowsky referierte über „Wölfe! Was kommt da auf uns zu?“ Marcelo Peerenboom moderierte souverän und sorgte dafür, dass die anschließende Diskussion stets sachlich blieb. Bei dem disziplinierten Publikum hatte er damit keine Mühe. Das Land hatte kürzlich

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Zitat

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„Wo der Wolf keine natürlichen Feinde und auch keine Scheu mehr vor Menschen hat, müssen wir natürlich reagieren“, sagte die neue Agrarministerin Julia Klöckner der „Passauer Neuen Presse.“ Nötig sei ein „effektives Wolfsmanagement“. Mit dem Wolf gebe es enorme Probleme in dicht besiedelten und tierhaltenden Regionen. „Wenn massenweise Schafe gerissen werden, ist das ein wirtschaftlicher Schaden für den Tierhalter und bedeutet auch Unruhe und Stress für die ganze Herde“. Und „wo der gewünschte Erhaltungszustand des Wolfs erreicht ist, kann entsprechend reagiert werden“. Ja freilich, Frau Klöckner. Wo auf der Welt hat denn der Wolf „natürliche Feinde?“ Was verstehen Sie unter

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Polen: Es war ein Wolf

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04.07.2018 Der Wolf, der in Bieszczady, SO Polen, drei Menschen gebissen hatte und anschließend erschossen worden war, wurde vom Institut für Genetik an der Universität Warschau genetisch untersucht. Danach handelte es sich eindeutig um einen Wolf, nicht um einen Hund und auch nicht um einen Wolf-Hund-Mischling. Das Tier gehörte zu der Population, die in der Karpaten-Region heimisch ist. Die Auswertung von Fotos und Videoaufnahmen bestätigten, dass sich der Wolf sehr ungewöhnlich verhalten hatte. Die stark abgenutzten Zehennägel legen nahe, dass er in einem Gehege mit hartem Untergrund (z. B. Betonboden) gehalten worden war. Seine Nahrungssuche in den menschlichen Siedlungen deutet

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Polen: Kinder von Wolf gebissen

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28.06.2018 In der Region Bieszczady im Südosten Polens hat ein Wolf zwei Kinder im Alter von acht und zehn Jahren gebissen. Zwei Wochen vorher hatte offenbar dasselbe Tier eine Frau auf einem Campingplatz ebenfalls gebissen. Jäger, die beauftragt worden waren, den Wolf zu schießen, konnten ihn nicht ausfindig machen. Nach dem Vorfall mit den Kindern wurde er noch am selben Abend erschossen. Die Verletzungen der drei Personen waren derart, dass alle das Krankenhaus, das sie aufgesucht hatten, nach wenigen Stunden verlassen konnten. Der Wolf war bereits vorher aufgefallen. Er zeigte keine Scheu und besuchte nahe der Ortschaft Wetlina mehrmals Gärten, Hinterhöfe

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Erwischt?

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28.06.2018 In den sozialen Medien macht ein Bild die Runde. Angeblich zeigt es, wie ein Wolf ausgesetzt wird. Besonders in Österreich wird der Fall heiß diskutiert: Na bitte – da habt Ihr’s! Nichts haben wir, sondern nur ein Fake der Wolfsgegner. An dem Bild fällt auf: Keiner der Akteure fotografiert mit Smartphone, sondern alle benutzen Kameras. Also ist die Geschichte wohl an die zehn Jahre alt. Die Kleidung erlaubt es, das Geschehen nach Italien zu verorten – im Hintergrund ist ein Forstmann in Uniform erkennbar. Und so ließ sich die Sache rasch klären. Es handelt sich tatsächlich um einen Wolf, der verletzt

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Förderkulisse in Baden-Württemberg

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25.05.2018 Acht Wochen nach dem Massaker mit 44 toten Schafen bei Bad Wildbad hat nun das Umwelt­mi­nis­te­ri­um eine seit langem erwartete „För­der­ku­lis­se Wolf­prä­ven­ti­on“ im Nord­schwarz­wald aus­ge­wie­sen. Die­se För­der­ku­lis­se wird grob begrenzt von den Städten Pforzheim – Tübingen – Alpirsbach – Offenburg – Rastatt (siehe Abbildung). Mit einer Fläche von etwa 3.700 km2 ist das Gebiet etwa 15mal so groß wie das Territorium eines Rudels. Inner­halb der För­der­ku­lis­se über­nimmt das Land 90 Pro­zent der Kos­ten bei der Anschaf­fung von Mate­ria­li­en für Her­den­schutz­maß­nah­men. Hier­zu zählt ins­be­son­de­re eine lücken­lo­se elektrische Umzäu­nung. Fer­ner för­dert das Land den Ein­satz von Her­den­schutz­hun­den ab einer Min­dest­grö­ße von

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Förderkulisse in Rheinland-Pfalz

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03.06.2018 Im Landkreis Neuwied, Rheinland-Pfalz, sind in den letzten Monaten zwei Rehe und ein Hirschkalb von zwei verschiedenen Wölfen gerissen worden. Die genetischen Analysen durch das Senckenberg Institut haben ergeben, dass es sich dabei um ein männliches und ein weibliches Tier handelt. Noch kann nicht gesagt werden, ob dies der Beginn einer Paar- und schließlich Rudelbildung ist. Vorsorglich wurden nun die Kreise Altenkirchen, Westerwald, Neuwied und die Stadt Koblenz als Präventionsgebiet ausgewiesen. Hier können, so Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne), „künftig bis zu 90 Prozent der Kosten für wolfssichere Zäune und Herdenschutzhunde vom Land gefördert werden.“  

Dänische Wölfe in Schleswig-Holstein

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01.06.2018 Zwei Jährlingswölfe aus Dänemark sind durch genetische Analysen des Senckenberg Institutes als Täter bei mehreren Schafrissen in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Beide stammen aus dem Rudel Ulfborg an der dänischen Westküste nördlich von Ringköbing. Es handelt sich um ein männliches und ein weibliches Tier. Der junge Rüde hatte am 6. Mai im Kreis Rendsburg-Eckernförde und am 11. Mai im Kreis Pinneberg Schafe gerissen. Die junge Wolfsfähe war für einen Schafriss bei Großenrade im Kreis Dithmarschen verantwortlich. Ein weiterer weiblicher Jährling, der am 12. Mai auf der A 23 bei Tornesch im Kreis Pinneberg überfahren wurde, stammt ebenfalls aus dem Ulfborger

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Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?

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08.06.2018 Unter großem Werbeaufwand läuft derzeit im Kino ein Film über die Jagd. Er geht der Frage nach, wem die Natur gehört. Der Publikumserfolg ist erstaunlich, nicht nur bei Jägern. Jagd fasziniert viele Menschen. Aus ästhetischer Sicht ist der Film wirklich gelungen. Er vermittelt Naturverbundenheit im besten Sinne, viele Szenen sind von einer inneren Ruhe, die man im heutigen Leben schmerzlich vermisst. Die meisten Protagonisten, fast ausnahmslos Jäger, kommen sympathisch und authentisch rüber. Also: Der Film nimmt ein. Was aber ist die Botschaft der Regisseurin Alice Agneskirchner? Den Wildtieren, gemeint sind die jagdbaren, geht es schlecht in Deutschland. Sie werden

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Politiker und Wölfe

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10.06.2018 Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Niedersachsen Martin Bäumer begrüßt den Vorstoß des Umweltministers Olaf Lies, SPD, in Niedersachsen das französische Modell zur Bestandsregulierung des Wolfes einzuführen. Er behauptet, dass der günstige Erhaltungszustand mit 250 geschlechtsreifen Tieren bereits erreicht sei und der Abschuss von Wölfen dort ermöglicht werden müsse, wo sie sonst nicht wirksam ferngehalten werden können. Martin Bäumer denkt weit voraus. Im März verkündete er: „In Deutschland leben zurzeit 1000 Wölfe, 2022 werden es über 4000 und 2030 über 40 000 Wölfe sein.“ Auch Frauke Petri (Die Blauen), Sachsen, ist auf den Wolf gekommen. Sie will sich für die

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