Die Goldenstedter Wölfin wird angefüttert

Die Goldenstedter Wölfin wird angefüttert

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15.12.2017 Aus Kanada (!) habe ich eine aufregende Nachricht bekommen. Die Goldenstedter Wölfin wird offenbar angefüttert. Ein Videoclip, der das belegt, macht auf Facebook die Runde. Der Autor, ein Holländer, hat keine Skrupel mitzuteilen, dass er u. a. Makrelen auslegt, um die Wölfin auf seinen Film zu bannen. Die näheren Umstände kenne ich nicht, holländisch kann ich auch nicht. Ich bin der Sache trotzdem nachgegangen, und dies ist dabei herausgekommen: Dem Wolfsbüro in Hannover ist die Sache bekannt. Es hat den Fall an die Untere Naturschutzbehörde Diepholz verwiesen. Diese Behörde ist zuständig (nicht das Wolfsbüro!), sieht aber keine rechtliche Handhabe,

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Märchenstunde am Tegernsee

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07.12.2017 Am 27.11. hatte der Landesjagdverband (LJV) Bayern zu einem Vortrag an den Tegernsee eingeladen. Redner war Rolf Kotzur, angekündigt als „Experte“ im LJV Sachsen. Seine Kernaussagen: Die offiziellen Wolfszahlen seien gefälscht. Die Wolfspopulation sei sechsmal so groß wie vom Monitoring angegeben. Man habe „Probleme mit einer ständig wachsenden Zahl von Wolf-Hund-Hybriden“. Riesige Rot- und Damwildrudel, die sich wegen der Wölfe zusammenstellen, würden die Felder verwüsten. Von Rolf Kotzur hätte man gerne Auskunft darüber bekommen, wie er auf diese Zahlen kommt. Sechsmal so viele Wölfe – das wären dann, nähme man Kotzur beim Wort, in Sachsen allein 64 Rudel –

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Der Wolf ist in Deutschland nie ausgestorben!

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08.12.2017 Auch der Landtag von Baden-Württemberg erlebte eine Märchenstunde. Anlässlich einer Anhörung zum Wolf verkündete der Geschäftsführer des Forums Natur Gregor Beyer, der Wolf sei „in Deutschland nie ausgestorben.“ Man habe ihn lediglich „an der Reproduktion gehindert.“ Alles andere sei „ein Märchen.“ Nach dieser Lesart ist der Wolf beispielsweise auch in Niedersachsen nie ausgestorben. Denn immerhin sind in diesem Bundesland allein nach dem II. Weltkrieg fünf Exemplare erschienen – 1948 Fallingbostel, 1952 Unterlüß, 1952 Uelzen, 1955 Fallingbostel, 1956 Gifhorn. Die hat man ebenfalls an der Reproduktion gehindert, indem man sie totschoss (übrigens ganz legal). Ebenso wie die über dreißig Wölfe,

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Aktuelle Nachrichten

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06.12.2017 Das Landratsamt Bautzen (Sachsen) hat die Anordnung zum Abschuss eines Wolfes aus dem Rosenthalrudel umgehend wieder zurückgezogen. Das Vorhaben war mit heißer Nadel gestrickt und rief die Grüne Liga auf den Plan, die einen Aufschub erwirkte. Im Bayerischen Wald sind von den sechs aus einem Gehege des Nationalparks ausgebrochenen Wölfen nach wie vor zwei auf freiem Fuß. Der junge Rüde ist mittlerweile bis in die Gegend von Linz (Österreich) abgewandert und hat dort vor den Augen von Leuten einen Hahn gerissen und verspeist. Dabei ließ er sich fotografieren. Das Bild zeigt einen außerordentlich strammen, gut genährten Wolf in bester

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Zweifelhafte Schützenhilfe aus Schweden

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23.11.2017 In Brandenburg brütet das Fachreferat schon seit Monaten über einer „Wolfsverordnung.“ Der erste Versuch ist gründlich schief gegangen. Weil man erst diese Wolfs-VO unter Dach und Fach haben will, wird nun nichts mehr aus der für 2017 vorgesehenen Überarbeitung des Wolfsmanagementplans. So wie die Wolfs-VO angedacht ist – Eingriffe vor dem Erreichen eines günstigen Erhaltungszustands großzügig zu erlauben – kann man damit rechnen, dass sofort dagegen geklagt wird. Damit rückt dann auch eine Überarbeitung des Managementplans in weite Ferne. Im September hat man sich nun Rat aus Schweden geholt. Ausgerechnet Schweden. Das Land hat nicht nur völlig andere Probleme

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Vortragstour Axel Gomille – die richtigen Termine

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07.11.2017 Hier nun die richtigen Termine der Vortragstour von Axel Gomille: November 2017, Hamburg, 20:30 Uhr, Globetrotter Filiale Wiesendamm November 2017, Braunschweig, 19:00 Uhr, Konferenzcenter im BZV Medienhaus November 2017, München, 16:00 Uhr, Tagungszentrum Kolpinghaus November 2017, Frankfurt/Main, 20:30 Uhr, Globetrotter Filiale Grusonstrasse November 2017, Berlin, 20:00 Uhr, Freie Universität, Henry-Ford-Bau, Hörsaal A November 2017, Stuttgart, 19:00 Uhr, Liederhalle Schillersaal

Betäuben ist doch ganz einfach – oder?

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22.10.2017 In meiner Zeit als Wildbiologe habe ich an zahlreichen Betäubungsaktionen teilgenommen, darunter an Rothirschen und an Wölfen. Deshalb traue ich mir ein Urteil zu über die Aktionen, die die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald unternimmt, um die ausgebrochenen Gehegewölfe wieder zu bekommen. Zu diesen Aktionen äußern sich gerade Kreti und Pleti, die anscheinend genau wissen, dass das ein Kinderspiel ist. Vielleicht haben sie in ihrer Jugend zu viel Daktari geschaut. Die Realität sieht anders aus. Der Unterschied zwischen Narkosegewehr und einem Gewehr mit scharfer Jagdmunition ist ungefähr der: Mit einem Jagdgewehr können Sie ein Tier von Wolfsgröße (also zum Beispiel ein

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Wolfshatz für die Forschung

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22.10.2017 Fremde Federn sind nicht mein Ding. Deshalb muss ich hier klarstellen: Ich habe niemals im Leben aus dem Hubschrauber heraus einen Wolf mit einem Narkoseschuss betäubt. In einem Textkommentar des Bayerischen Rundfunks zu einem Interview wird mir diese Behauptung in den Mund gelegt. Sie ist nicht wahr, und sie ist so nicht gefallen. Aber lassen Sie sich den Hintergrund erzählen: Im März 1993 war ich einer Einladung von Bob Hayes gefolgt, im Yukon an seinem Wolfsprojekt Finlayson teilzunehmen. Schon am ersten Tag ging es ans Eingemachte. Einer der Buschfliegerpiloten im Team hatte ein Wolfspaar lokalisiert, der Halsbandsender des Rüden

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Wolfswelpen im Milkeler Rudel werden vergrämt

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11.10.2017 Die wiederholt durch ungewöhnliche Nahbegegnungen mit Menschen auffällig gewordenen Wolfswelpen des Milkeler Rudels im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft sollen vergrämt werden. Eine entsprechende Ausnahmegenehmigung wurde am 05.10.2017 von der Landesdirektion Sachsen gegenüber der Biosphärenreservatsverwaltung erteilt. Die Maßnahme erfolgt durch Mitarbeiter der Biosphärenreservatsverwaltung und des LUPUS Institutes. Mindestens drei der derzeit etwa fünf Monate alten Welpen des Milkeler Rudels haben sich Menschen neugierig auf wenige Meter genähert oder Gegenstände in deren unmittelbarer Nähe untersuchten. In keinem Fall haben sie sich aggressiv verhalten. Die Gründe für ihr vertrautes, unscheues Verhalten sind nicht bekannt. Sie sollen nun mit Gummimunition beschossen werden

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Griechenland: Wölfe oder Hunde?

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07.10.2017 Zu der Tragödie in Griechenland (wie von Wolfsite berichtet, war eine Frau von Hunden oder Wölfen getötet worden) hat Yorgos Iliopoulos die folgenden weiteren Informationen mitgeteilt: Es gibt noch keinen offiziellen forensischen Untersuchungsbericht und auch noch keine genetische Analyse. Die Angaben des Coroners (Untersuchungsrichter oder Leichenbeschauer) sind fachlich nicht haltbar (u. a. behauptete er, Hunde fräßen kein menschliches Fleisch, würden einen menschlichen Körper nicht zerlegen, könnten keine größeren Knochen brechen …). Yorgos hat mit seinen Mitarbeitern Fotofallen in einem Radius von 500 bis 5.000 m um den Ort des Geschehens aufgestellt und wird sie nach zehn Tagen kontrollieren. Außerdem

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Alltägliche Fragen, Mutmaßungen, Gerüchte …

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04.10.2017 Fragen wie die folgenden erreichen mich alle paar Tage. Hier eine Kostprobe. Meine Antworten in kursiver Schrift.   Wieso gab es außer in Ostpolen nach der Ausrottung und bis zur Wiederansiedlung der Wölfe in Polen und Deutschland nie eine größere Wolfspopulation? Weil Wölfe vogelfrei waren. Sie galten schlicht als schädliche Tiere und wurden mit allen Mitteln verfolgt. In Polen sind nirgends Wölfe „wiederangesiedelt“ worden. Sie waren nie ausgerottet und wurden wohl auch durch Zuwanderer aus Weißrussland und der Ukraine unterstützt. Warum erschienen die ersten Wölfe bzw. Wolfsrudel in Deutschland fast immer auf den Truppenübungsplätzen? So bildete sich z.B. um 2009

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Ansichten eines Professors zum Wolf

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24.08.2017 Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel hat für den Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e. V. und den Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe e. V. eine gutachtliche Stellungnahme zum Wolf in der Kulturlandschaft Deutschlands verfasst. Diese Arbeit wird viel Beachtung finden, wie so ziemlich alles, was über Wölfe mit dem Anstrich fachlicher Kompetenz verbreitet wird. Hans-Dieter Pfannenstiel hat weit ausgeholt und sich damit übernommen. Bei allem Respekt vor seiner Person darf man zunächst die fachliche Kompetenz des Verfassers für diese Stellungnahme hinterfragen. Auf Seite 11 stellt er sich selber vor. Das wissenschaftliche Arbeitsfeld des Professors für Zoologie war die „Embryonalentwicklung und Geschlechtsentwicklung

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Ein Wort in eigener Sache zu Dunja Hayali

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24.08.2017 Am 09.08.2017 habe ich mich kritisch zu der Fernsehsendung von Dunja Hayali im ZDF geäußert. Dabei habe ich den Begriff „Endlösung“ gebraucht für den Fall, dass man – wenn man nicht mehr weiter weiß – das Cuxhavener Rudel eliminieren sollte. Ich stehe nach wie vor dazu, dass man diese Alternative in Erwägung ziehen muss, wenn man keine andere Lösung für den Schutz der Rinder findet. Aber der Begriff „Endlösung“ ist untrennbar mit der Vernichtung von Millionen Menschen im Dritten Reich verbunden und in einem Text wie diesem fehl am Platze. Ich bedaure meinen Fehler. Als mich ein kritischer Leser

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Wolfsbestand in West-Polen wächst weiter

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19.07.2017 Die Zahl der Wolfsrudel im westlichen Polen und nahe der Grenze zu Deutschland ist weiter angestiegen. Das belegen die Ergebnisse des vom IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) und der Naturschutzstiftung EuroNatur finanzierten Wolfsmonitorings, das die polnische Naturschutzorganisation Association for Nature Wolf (AfN Wolf) durchführt und zu dem nun ein aktueller Bericht vorliegt. Die Wissenschaftler schätzen den Wolfsbestand zum Ende des Monitoring-Jahres 2016/17 westlich der Weichsel auf insgesamt 60 Rudel und Wolfspaare – so viele wie noch nie seit Beginn der Datenerhebungen. Wolfhotspots im westlichen Polen bilden die Wälder von Notec (bei Pila), bei Drawno und bei Walcz. Hier leben derzeit 15

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Baden-Württemberg: Schluchseewolf kam aus Niedersachsen

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24.07.2017 Wie kommt ein Wolf in den Schwarzwald? Ganz einfach: Er läuft in Schneverdingen (Niedersachsen) los, im Kopf das Ziel „nach Süden! Nach Süden!“ Quert Schnellstraßen und Autobahnen, oben drüber oder drunter weg, dazu noch jede Menge Landstraßen, Auto links, Auto rechts, läuft unbeirrt durch den dichtest besiedelten Teil dieses Deutschlands, das wiederum eins der dichtest besiedelten Länder der ganzen Welt ist – und kommt nach ungefähr 600 km über Land nach Überlingen am Bodensee. Macht einen Umweg über die Baar, einem Teil der Schwäbischen Alb, und wird schließlich tot im Schluchsee gefunden. Ertrunken ist er sicher nicht. Eine Wunde

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