Ein Fake – und ein paar Ungereimtheiten

Ein Fake – und ein paar Ungereimtheiten

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15.02.2017 Auf der Internetseite JAWINA fand ich folgende Meldung: LJV Dirk Wellershoff Erstes Todesopfer in Polen (Wojowotscja Lubuska) durch Wolfsrudel!!!! Jäger (51 J.) ist in den frühen Morgenstunden von mehreren Wölfen attackiert worden!!! Der Mann erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen!!!!!!! Vierzehn Ausrufezeichen für drei Sätze – das spricht eher für Panikmache als für soliden Journalismus, und auch nicht für eine offizielle Verlautbarung eines Verbandes, dachte ich mir. Dirk Wellershoff ist der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg – ihn konnte ich mir als Urheber nicht vorstellen. War er auch nicht – aber er hat diese Meldung über die WhatsApp der

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Bayern: Die Politik dreht durch

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27.01.2017 Mit etwas Glück werden wir im Sommer ein oder gar zwei Würfe von Wolfswelpen in Bayern begrüßen können. Im Nationalpark Bayerischer Wald und auf dem militärischen Übungsplatz Grafenwöhr sind in den letzten Monaten wiederholt jeweils zwei Wölfe miteinander beobachtet bzw. mit Fotofallen dokumentiert worden. Aber kaum wollen sich die ersten Wölfe im Freistaat niederlassen, laufen Politiker der Freien Wähler und der CSU bereits Sturm dagegen. Der Wolf lasse sich „nicht mehr in unsere Kulturlandschaft integrieren“, meint Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger, deshalb müssen Wölfe „abgeschossen werden können, wenn sie Weidetiere töten.“ Die CSU beeilte sich, auf den Zug aufzuspringen, und

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Brandenburg und Sachsen: Problemwölfe verschwunden

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17.02.2017 Der Wolf von Rathenow, eilig zum „Problemwolf“ erklärt und zum Abschuss freigegeben, weil er sich in dem Städtchen nahe Berlin in einer Autowaschanlage gezeigt und sich angeblich einem Mädchen genähert hatte, ist spurlos verschwunden. Vermutet wird, dass er von einem westlich der Stadt gelegenen Truppenübungsplatz wegen eines besonders heftigen Manövers Reißaus genommen hatte und Richtung Osten davongelaufen war, mitten hinein nach Rathenow. Das Mädchen war, wie sich später herausstellte, den Umgang mit großen Hunden gewöhnt. Es war einfach ruhig stehen geblieben, als der Wolf näher kam und an ihm vorbeilief. In die Hände zu klatschen war dem Mädel offenbar

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Bayern: Zwei Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald

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01.02.2017 Die Aufnahme einer automatischen Fotofalle im November 2016 belegt die Anwesenheit von zwei Wölfen im Nationalpark Bayerischer Wald. Das Bild wurde erst im Zuge einer routinemäßigen Begehung am 27.01.2017 registriert. Die gute Qualität des Farbbildes lässt keinen vernünftigen Zweifel aufkommen, dass es sich um zwei Wölfe handelt. Seit Mai 2015 ist durch mehrere Fotofallen-Aufnahmen von mindestens einem standorttreuen Wolf im Bayerischen Wald auszugehen. Haben wir es nun mit einem territorialen Paar zu tun? Müssen oder dürfen wir im Frühjahr mit der Bildung eines Rudels in Bayern rechnen, dem ersten seit über 150 Jahren? Es sieht ganz so aus. Zwar

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Niedersachsen: Goldenstedter Wölfin hat einen Partner

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20.01.2017 Die einsame Wölfin im Kreis Diepholz, bekannt geworden unter dem Namen Vechtawölfin oder auch Goldenstedter Wölfin mit vielen gerissenen Schafen auf ihrem Konto, hat einen Partner gefunden. Ein junger Rüde aus dem Ueckermünder Rudel in Mecklenburg-Vorpommern hat sich ihr zugesellt. Das neue Paar hatte im Landkreis Diepholz Ende vergangenen Jahres ein Kalb gerissen. Dabei konnten Speichelproben genommen werden, mit denen die Herkunft des Rüden geklärt werden konnte. Vierhundert Kilometer muss er unterwegs gewesen sein. Kein Problem für einen jungen Wolf auf Partnersuche. Zwei Wölfe, und wenn alles gut geht (je nach Sichtweise) ein ganzes Rudel im Sommer: Das heißt

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Wolf in Rathenow zum Abschuss vorgesehen

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20.12.2016 In dem Städtchen Rathenow, 70 km westlich von Berlin, hat sich Mitte Dezember wiederholt ein Wolf blicken lassen. Auf einem Foto ist er in einer Autowaschanlage zu sehen, ein zwölfjähriges Mädchen soll er „beschnuppert“ haben. Wahrscheinlich handelt es sich um einen naiven Jungwolf des nahen Klietzer Rudels in Sachsen-Anhalt. Aber was heißt das schon. Jedenfalls hat man seitens des Landesamtes einen Antrag auf eine „artenschutzrechtliche Ausnahme im Interesse der öffentlichen Sicherheit“ zum Fangen bzw. Töten des Wolfes gestellt. Und das ist gut so. In den Wolfs-Managementplänen wird empfohlen, einen verhaltensauffälligen Wolf sorgfältig zu beobachten, nach Möglichkeit zu besendern und dann

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Brandenburg: Plenum zum Wolfsmanagement

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14.12.2016 Dem turnusgemäßen Plenum zum Wolfsmanagement – dem dritten seit Inkrafttreten des Wolfsmanagementplans in Brandenburg – war diesmal heftiges Säbelrasseln einiger Nutzerverbände vorausgegangen. Es stand die Drohung im Raum, das Plenum zu verlassen, wenn nicht einige Forderungen aufgenommen würden, die bereits im Jahr 2012 zu einer Zerreißprobe geführt hatten: Obergrenzen, wolfsfreie Gebiete, Rechtsanspruch auf volle Entschädigung. Das Ministerium hatte jedoch rechtzeitig klargestellt, dass man so nicht miteinander verhandeln könne und wolle. Niemand verließ das Plenum, das so zahlreich aufgetreten war wie nie zuvor – 75 Namen sind auf der Teilnehmerliste eingetragen. Staatssekretärin Dr. C. Schilde hatte angekündigt, am Plenum teilzunehmen,

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Status Dezember 2016: 63 Rudel

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20.12.2016 Meine Recherchen zur Entwicklung der Wolfspopulation ergeben zum Jahresende 63 Rudel. Also nochmal drei mehr als im November. Vor genau einem Jahr waren es noch 36 Rudel. Das ist eine Steigerung von 75%, ein Faktor von 1,75. Jetzt stehe ich dumm da. Habe ich doch mehrmals mitgeteilt, dass sich unsere Wölfe „nur“ mit einem Faktor von 1,3 vermehren. Gibt es einen Fehler in meiner Schätzung, und wenn – wo liegt er? Er liegt im Land Brandenburg. Der sprunghafte Anstieg auf jetzt 23 Rudel – vor einem Jahr waren es nur zehn, plus drei territoriale Paare! – ist nur dadurch

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Mecklenburg-Vorpommern: Senderwolf erschossen, dritter Wolf besendert

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20.12.2016 Im Umfeld der Lübtheener Heide wurde „Arno“ tot aufgefunden. Der Wolfsrüde war im Oktober 2015 als kräftiger Welpe gefangen und mit einem Senderhalsband versehen worden. Das Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierkunde Berlin (IZW) hat ihn eindeutig identifiziert. Der Jährling ist durch einen gezielten Blattschuss getötet worden. Der Halsbandsender wurde entfernt und vermutlich zerstört, denn er liefert keine Peildaten mehr. Im Oktober 2016 wurde der Wolfsfähe „Naya“ aus dem gleichen Rudel ein Halsband angelegt, und erst vor wenigen Tagen war der Fang und die Besenderung einer weiteren Wölfin („Emma“) gelungen. Somit leben im Lübtheener Rudel derzeit zwei junge Wölfinnen mit

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Sachsen: Elektro-Zaun mit Flatterband hilft

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22.11.2016 Immer wieder gibt es Wölfe oder sogar ganze Rudel, die einem die Stimmung verhageln. In Sachsen sind es die Wölfe von Rosenthal. Schon im Vorjahr war dieses Rudel dadurch aufgefallen, dass es Festzäune überwand, die als relativ „wolfssicher“ galten. Flatterband in 120 – 140 cm Höhe genügte jedoch, um das Rudel fortan auf Distanz zu halten. Im Herbst 2016 wiederholte sich das Dilemma. Zehnmal sprangen Tiere dieses Rudels über Festzäune. Der Landrat des Kreises Bautzen, Michael Harig stellte den Antrag, das gesamte Rudel abzuschießen. Das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz hat zu diesen Vorfällen nun ausgiebig Stellung genommen. Hier auszugsweise die

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Bayern: Wolfshinweise nehmen zu

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22.12.2016 Der Wolf, der im Unterallgäu bei Memmingen durch Genanalysen an einem gerissenen Reh nachgewiesen wurde, hat offenbar kurz danach Wild in einem Gehege gerissen. Der genetische Nachweis liegt jedoch noch nicht vor. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr soll der dort bestätigte Rüde inzwischen in Begleitung eines zweiten Wolfes gesehen worden sein. Im Bayerischen Wald, wo bisher ein ortsfester Rüde im Bereich des Nationalparks bestätigt war, sind weitere Einzelwölfe nachgewiesen, darunter ein weiblicher Wolf.  

Status November 2016: über 500 Wölfe

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28.11.2016 So schnell geht das mit den Wölfen. Am 20.09. waren nach meiner Kenntnis 47 Rudel im Bundesgebiet bestätigt und ich hatte spekuliert, dass vielleicht bald noch ein paar mehr gefunden werden. Dann wäre das halbe Hundert überschritten. Mit meinen aktuellen Recherchen komme ich jetzt, Ende November, auf 60 Rudel. Am 23.09. meldete das Bundesamt für Naturschutz (BfN) 46 Rudel, dazu 15 territoriale Paare und drei Einzelwölfe. Das ist kein Widerspruch. Denn das BfN bezog sich auf den Stand zum Ende des vergangenen Monitoringjahres, das ist der 30. April 2016. Von den territorialen Paaren zu Jahresbeginn haben einige im Frühjahr

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Sachsen: das Rosenthalrudel – immer wieder!

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06.11.2016 Das Rosenthalrudel in Sachsen stellt das Wolfsmanagement auf eine harte Probe. Nach den Übergriffen bei Cunnewitz am 05. und 06.10. mit insgesamt 32 getöteten Schafen sind nun einen Monat später, am 06.11., beim selben Schafhalter wieder sieben Schafe getötet und eins verletzt worden. In allen Fällen hatte der Schafhalter seine Tiere durch Festzäune von 140 cm Höhe geschützt. Diesmal war der Festzaun 135 – 150 cm hoch. Zusätzlich war eine Breitbandlitze gespannt, die aber auf dem Zaun auflag, d.h. keine zusätzliche optische Erhöhung des Hindernisses bedeutete. In einer Presseerklärung weist das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz nachdrücklich darauf hin, dass die

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Niederlande: Wolfsbesuch aus Ueckermünde

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12.11.2016 Ein Wolf, der Anfang September in den Niederlanden bei Beuningen (Overijssel) gesehen wurde, stammt aus dem Ueckermünder Rudel in Mecklenburg-Vorpommern. Das hat eine genetische Probe ergeben. Das Tier hat ca. 600 Kilometer zurückgelegt, bevor es in den Niederlanden angekommen war. Der Verbleib der Wölfin ist unbekannt.  

Brandenburg: Bauernbund will „Problemwölfe“ abschießen lassen

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11.11.2016 In Brandenburg sind die wolfsbedingten Verluste an Weidetieren gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen. Bis Oktober waren es 142 Schafe und 20 Kälber, gegenüber nur 97 Tieren im Jahr 2015. Das ist eigentlich nicht erstaunlich; denn auch die Wölfe haben an Zahl zugenommen. Derzeit sind es wahrscheinlich 21 Rudel – doppelt so viele wie vor Jahresfrist. Reinhard Jung, Chef des Bauernbunds, will das nicht länger hinnehmen. Er meint, das Land müsse den Abschuss von „Problemwölfen“ erlauben – und das seien „Wölfe, die sich einer Weide auf weniger als 1000 Meter nähern.“ Wenn schon Zahlen, dann diese: 97 Tiere im Jahr

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