Vierzig auf einen Streich

Vierzig auf einen Streich

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13.10.2018 Mindestens vierzig Schafe sind anfangs der Woche von Wölfen des Daubaner Rudels in Sachsen gerissen worden. Noch einmal so viele haben sich in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die näheren Umstände sind noch nicht geklärt. Dennoch will das Landratsamt Görlitz eine Abschussgenehmigung prüfen. Es spreche „wohl nichts“ dagegen, meint der Umweltminister. In einem der Fernsehfilme, die Sebastian Koerner über die Lausitzer Wölfe gedreht hat, ist eine Szene enthalten, in der ein Wolf am Zaun einer Schafweide entlang läuft. Die Schafe schauen ihm mäßig aufmerksam zu. Von Beunruhigung oder gar Panik keine Spur. Der Wolf würdigt die Schafe keines Blicks. Man scheint

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Endlich: Grünes Licht für Soft Catch Falle!

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04.10.2018 Künftig dürfen Wölfe für Forschungszwecke nicht nur mit der Belislefalle, sondern auch mit der Soft Catch Falle gefangen werden. Dieser Fallentyp beruht auf dem Tellereisenprinzip und galt deswegen als tierschutzrechtlich nicht vertretbar. Es ist eine Tretfalle, deren Schlagbügel mit weichem Material ummantelt sind. Verletzungen für das Tier sind so gut wie auszuschließen. Solche Tretfallen sind wesentlich fängiger als Belislefallen, bei denen eine Fußschlinge vom Boden her über die Pfote des Tieres geschleudert wird. Bei Frost, Schnee oder Laubfall sind Belislefallen sehr störungsanfällig. Damit fallen sie genau in der Jahreszeit aus, in der mit Rücksicht auf die Welpenaufzucht ein Fang

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Wolfsgerangel in Bayern

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16.09.2018 von Christian Sebald in der Süddeutschen Zeitung. Unter Experten verfestigt sich die Einschätzung, dass der „Bayerische Aktionsplan Wolf“ rechtlich nicht haltbar sei. Mit Wolfgang Köck kommt jetzt ein weiterer Spezialist für Umweltrecht zu dem Ergebnis, dass das 61 Seiten starke Papier, mit dem der Freistaat den Umgang mit dem Raubtier regeln will, in seinen Kernpunkten in Widerspruch zum europäischen und deutschen Naturschutzrecht stehe.Köck, der an der Uni Leipzig die Professur für Umweltrecht innehat und am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung das Department für Umwelt- und Planungsrecht leitet, erteilt dem Aktionsplan deshalb eine Abfuhr. Vor drei Wochen hatte der Dresdner Umweltjurist Rainer

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Ost Sachsen: „Wahrscheinliche Wildverminderung?“

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01.10.2018 In der Allgemeinen Forstzeitschrift (AFZ) Nr. 6/2018 hat Franz Graf Plettenberg seine Erfahrungen mit Wölfen mitgeteilt. Graf Plettenberg ist der Leiter des Bundesforstbetriebs Lausitz, wo die Wolfsgeschichte im Jahr 2000 begann, und damit auch zuständig für die Jagd. In seinem Verantwortungsbereich reichen sich etwa ein halbes Dutzend Wolfsrudel „die Hand.“ Friedrich Karl von Eggeling (94) meint in einem Leserbrief in der AFZ Nr. 13/2018, Graf Plettenbergs Ausführungen „bedürften der Korrektur.“ Die Rudelterritorien seien nicht 200 km2 groß, sondern nur 80. Daraus ergäbe sich selbstverständlich ein deutlich stärkerer Eingriff der Wölfe in den Schalenwildbestand. Von Eggeling verweist auf „neuere Forschungsergebnisse,“

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Senckenberg antwortet den „Blauen“

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15.09.2018 Anlässlich einer Pressekonferenz der Partei „Die Blauen“ am 05.06.2018 in Dresden hat die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die folgende Stellungnahme vorgelegt (Hervorhebungen und Kürzungen durch Wolfsite). Welche Erfahrungen hat Senckenberg bei der Wolfsforschung? Der Wolf ist eine nach EU-Recht streng geschützte Art, zu deren Bestandsmonitoring in Deutschland die Bundesländer verpflichtet sind. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wurde nach einem umfangreichen Auswahlverfahren des Bundesamts für Naturschutz den Bundesländern zur Nutzung als Referenzzentrum für genetische Wolfsanalysen empfohlen und untersucht seit Anfang 2010 alle bundesweit anfallenden Wolfsproben. 2016 wurde durch die Bundesregierung die „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf unter

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Ein paar Fakten zur Hybridisierung

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15.09.2018 Unter Hybridisierung versteht man die erfolgreiche Paarung von Individuen zweier verschiedener Arten. Dies ist selten; denn das Charakteristikum einer Art ist ja gerade, dass sich die Individuen einer Art nur mit Artgenossen erfolgreich (d.h. mit fruchtbaren Nachkommen) paaren können. Bei der Paarung von Wolf und Hund handelt es sich jedoch um Unterarten ein und derselben Art. Manche Wissenschaftler bevorzugen deshalb für die Nachkommen solcher Paarungen den Begriff „Mischlinge.“ Ein Genaustausch zwischen der Unterart Wolf (Canis lupus lupus) und Hund (C. l. familiaris) ist immer wieder mal vorgekommen, seit sich die beiden Linien vor ungefähr 15.000 Jahren durch die Domestikation

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Der Fluss der Gene

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15.09.2018 Meine Enkelin, sie ist gerade mal acht, hat mich kürzlich gefragt: „Opa – hat der Fuchs einen Vorfahr?“ Ich war schlicht baff, wie kam sie bloß auf diese Frage. Aber dann erklärte sie mir den Vorgang der Domestikation! Selbstverständlich wusste sie, dass die Vorfahren unserer Pferde Wildpferde waren. „Und dann hat da mal jemand ein Fohlen gefunden, und noch eins, und die kriegten dann Kinder …“ Und jetzt wollte sie wissen, ob auch Füchse … klar, dass ich sofort vom Fuchs auf den Wolf kam, und dann auf den Hund. Später habe ich mich gefragt, wie ich ihr, wenn

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Tschechien: Wolf mit Tollwut?

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25.08.2018 Im Nationalpark Riesengebirge (Krkonoše), tschechische Republik, hat eine Wölfin für viel Aufregung gesorgt. Sie hatte einen kleinen Hund angegriffen und getötet, konnte unmittelbar danach in einem Gebäude gefangen werden und wurde in den Zoo gebracht. Bei einer Blutprobe wurden Tollwut-Antikörper festgestellt. Weil die gefährliche Viruskrankheit nur durch eine Untersuchung des Gehirns sicher nachgewiesen werden kann, wurde das Tier eingeschläfert. Auf Grund der anschließenden Gehirnprobe konnte Tollwut jedoch ausgeschlossen werden. Eine offene Frage bleibt, warum das Tier Antikörper ausgebildet hatte. Eine Möglichkeit wäre die Aufnahme von Impfködern. Dadurch ist die Tollwut in Mitteleuropa schon vor Jahren zum Erlöschen gebracht worden.

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Ein Blick über den Zaun: die Wartheniederung

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16.08.2018 Peter Peuker ist Wolfsbeauftragter in Brandenburg und in seiner Freizeit ständig hinter den Wölfen her. Im Osten des Landes hat er inzwischen fünf Rudel unter Kontrolle (d. h. er sammelt die Daten für das Monitoring). Sein Arbeitsgebiet reicht bis an die Grenze zu Polen. Da liegt es nahe, sich mit den Nachbarn auszutauschen. Zusammen mit Andreas Dinkelmeyer vom IFAW organisierte er also für ein Dutzend Brandenburger Wolfsaktivisten eine dreitägige Besuchsreise nach Kostrzyn nad Odrą (Küstrin). Nach einer freundlichen Begrüßung durch die Nationalparkverwaltung werden wir am ersten Tag von Rangern ins Gelände begleitet. Der Park umfasst etwa 8.000 ha, nur 100

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Allgäu: Es war ein Wolf!

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16.08.2018 Wie berichtet sind im Allgäu fünf Kälber tot aufgefunden worden. Zwei davon, Zwillinge, waren eine Totgeburt. Alle Kälber waren im Tal, nicht „auf der Alm“ (oder Alp, wie es im Allgäu heißt). Die Todesursachen waren zunächst unklar, weil die für den Wolf typischen Kehlbisse fehlten. Das Institut Senckenberg hat nun aber bestätigt, dass bei zwei Kälbern ein Wolf im Spiel war. Ob er die Kälber getötet oder nur angefressen hat, bleibt offen. Auch die Haltungsbedingungen werden nicht mitgeteilt. Kleinigkeiten? Nein. Wenige Wochen vor der Landtagswahl am 14. Oktober wird versucht, den Wölfen möglichst viel Übles anzuhängen. Umso besser kann

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Ein Wolf im Allgäu?

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06.08.2018 Große Aufregung im Allgäu: Innerhalb zweier Tage sollen bei Wertach zwei Kälber gerissen worden sein. Landrat Anton Klotz ist sich „zu 100 Prozent sicher:“ Das könne nur ein Wolf gewesen sein, es gebe „keine andere Erklärung,“ und der müsse umgehend abgeschossen werden. Die Allgäuer Zeitung berichtet in großer Aufmachung. Irgendwelche Zweifel an der Geschichte fallen dem Blatt nicht ein. Dabei gibt es davon jede Menge. Die Fakten: Am 27.07. ein totes Kalb bei Burgberg, am 02.08. ein weiteres bei Wertach. Beide Kälber trugen eine Glocke um den Hals, waren also keine „kleinen Kälbchen.“ Sie wurden im Tal gehalten, nicht

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Wolfstag in Rietschen

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09.08.2018 Am 26.08. findet zum achten Mal der „Wolfstag“ des Kontaktbüros Rietschen statt – aber nicht in Rietschen, sondern in Dohna OT Röhrsdorf. Die rührige Mannschaft des Kontaktbüros hat wieder ein spannendes Programm zusammengestellt, das einen Besuch in den Osten von Sachsen durchaus lohnt. Gesa Kluth vom Wildbiologischen Institut LUPUS wird über die gegenwärtige Wolfssituation berichten, mehrere Theater- und Musikevents sind vorgesehen, der Wiener Wolfsforscher Kurt Kotrschal hält einen Vortrag über „Unser altes Bündnis mit Wölfen“, und Utz Anhalt darüber, wie „der böse Wolf in die Phantasie der Menschen“ kam. Das vollständige Programm finden Sie auf der Website https://www.wolf-sachsen.de/de/.

Ein zweites Rudel in Bayern

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09.08.2018 Jetzt ist es amtlich: In Bayern gibt es ein zweites Wolfsrudel. Im Veldensteiner Forst, einem großen Waldgebiet bei Pegnitz, sind zwei Welpen von einer Fotofalle erfasst worden. Es sollen aber mindestens drei sein. Anscheinend entsteht gerade in der Oberpfalz eine Keimzelle für ein bayerisches Wolfsvorkommen; denn nur etwa einen wölfischen Tagesausflug nördlich davon ist in dem militärischen Übungsplatz Grafenwöhr bereits seit 2016 ein weiteres Wolfspaar nachgewiesen. Der im Vorjahr erwartete Nachwuchs ist jedoch ausgeblieben, und auch in diesem Sommer haben sich noch keine Welpen gezeigt. Mit Grafenwöhr und Veldensteiner Forst haben sich die Wölfe ein Schlaraffenland ausgesucht. Es beherbergt

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Wie viele Wölfe?

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13.07.2018 Herleitung einer Faustzahl zur Schätzung der Individuenzahl (Die Herleitung vom 08.07.2018 wurde korrigiert). Das Wolfsmonitoring für Deutschland stellt alljährlich zum Ende April (Ende des Monitoringjahres) die Anzahl der bestätigten Rudel, territorialen Paare und ortsfesten Einzelwölfe fest. Die Veröffentlichung erfolgt fünf Monate später, wenn die Daten analysiert und über die Ländergrenzen hinweg abgeglichen sind. Eine Gesamtzahl der Wölfe (Individuen) zu erheben ist nicht möglich und auch nicht das Ziel des Monitorings. In der öffentlichen Diskussion wird jedoch häufig die Frage nach der Anzahl der Wölfe gestellt. Die fehlende Antwort wird nicht nur als Mangel empfunden, sondern bildet auch den Nährboden

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Die Politik hinter dem Zahlenkram

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08.07.2018 Als Richtwert für eine Population in günstigem Erhaltungszustand nach der FFH-Richtlinie gelten 1.000 erwachsene (!) Wölfe. Das entspricht rund 3.000 Wölfen aller Altersklassen. Wenn die Population in ständigem Austausch mit einer Nachbarpopulation ist, genügen 250 erwachsene Tiere. „Unsere“ zentraleuropäische Flachlandpopulation wird von der Naturschutzkommission der EU als eigenständige Population aufgefasst. Deshalb gilt der Richtwert 1.000 erwachsene Wölfe. Der Raum für eine Population soll eine biogeografische Region sein – also nicht Deutschland, erst recht nicht ein Bundesland. Deshalb ist die Aussage, dass in einem bestimmten Land „der günstige Populationszustand erreicht“ sei, irrelevant. Wenn der günstige Erhaltungszustand erreicht ist, kann der

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