Sachsen: schützen statt schießen

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10.06.2018 Mit 18 Rudeln und einem territorialen Paar beherbergt der Freistaat Sachsen nach Brandenburg die meisten Wölfe im Bundesgebiet. Manche behaupten, die Wolfsdichte im Südosten des Freistaats sei sogar die höchste der Welt. Das stimmt zwar nicht, aber mit fast vier Tieren pro 100 km2 ist sie in der Tat hoch. Was aber kosten die Wölfe den Freistaat? Auf eine parlamentarische Anfrage hat Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) folgende Zahlen genannt: Insgesamt hat Sachsen im vergangenen Jahr 765.000 Euro ausgegeben. Das sind weniger als fünf Prozent der Gesamtausgaben für Naturschutz. Die Summe teilt sich in drei Drittel – nämlich 258.000 Euro

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Förderkulisse in Baden-Württemberg

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25.05.2018 Acht Wochen nach dem Massaker mit 44 toten Schafen bei Bad Wildbad hat nun das Umwelt­mi­nis­te­ri­um eine seit langem erwartete „För­der­ku­lis­se Wolf­prä­ven­ti­on“ im Nord­schwarz­wald aus­ge­wie­sen. Die­se För­der­ku­lis­se wird grob begrenzt von den Städten Pforzheim – Tübingen – Alpirsbach – Offenburg – Rastatt (siehe Abbildung). Mit einer Fläche von etwa 3.700 km2 ist das Gebiet etwa 15mal so groß wie das Territorium eines Rudels. Inner­halb der För­der­ku­lis­se über­nimmt das Land 90 Pro­zent der Kos­ten bei der Anschaf­fung von Mate­ria­li­en für Her­den­schutz­maß­nah­men. Hier­zu zählt ins­be­son­de­re eine lücken­lo­se elektrische Umzäu­nung. Fer­ner för­dert das Land den Ein­satz von Her­den­schutz­hun­den ab einer Min­dest­grö­ße von

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Förderkulisse in Rheinland-Pfalz

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03.06.2018 Im Landkreis Neuwied, Rheinland-Pfalz, sind in den letzten Monaten zwei Rehe und ein Hirschkalb von zwei verschiedenen Wölfen gerissen worden. Die genetischen Analysen durch das Senckenberg Institut haben ergeben, dass es sich dabei um ein männliches und ein weibliches Tier handelt. Noch kann nicht gesagt werden, ob dies der Beginn einer Paar- und schließlich Rudelbildung ist. Vorsorglich wurden nun die Kreise Altenkirchen, Westerwald, Neuwied und die Stadt Koblenz als Präventionsgebiet ausgewiesen. Hier können, so Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne), „künftig bis zu 90 Prozent der Kosten für wolfssichere Zäune und Herdenschutzhunde vom Land gefördert werden.“  

Dänische Wölfe in Schleswig-Holstein

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01.06.2018 Zwei Jährlingswölfe aus Dänemark sind durch genetische Analysen des Senckenberg Institutes als Täter bei mehreren Schafrissen in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Beide stammen aus dem Rudel Ulfborg an der dänischen Westküste nördlich von Ringköbing. Es handelt sich um ein männliches und ein weibliches Tier. Der junge Rüde hatte am 6. Mai im Kreis Rendsburg-Eckernförde und am 11. Mai im Kreis Pinneberg Schafe gerissen. Die junge Wolfsfähe war für einen Schafriss bei Großenrade im Kreis Dithmarschen verantwortlich. Ein weiterer weiblicher Jährling, der am 12. Mai auf der A 23 bei Tornesch im Kreis Pinneberg überfahren wurde, stammt ebenfalls aus dem Ulfborger

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Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?

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08.06.2018 Unter großem Werbeaufwand läuft derzeit im Kino ein Film über die Jagd. Er geht der Frage nach, wem die Natur gehört. Der Publikumserfolg ist erstaunlich, nicht nur bei Jägern. Jagd fasziniert viele Menschen. Aus ästhetischer Sicht ist der Film wirklich gelungen. Er vermittelt Naturverbundenheit im besten Sinne, viele Szenen sind von einer inneren Ruhe, die man im heutigen Leben schmerzlich vermisst. Die meisten Protagonisten, fast ausnahmslos Jäger, kommen sympathisch und authentisch rüber. Also: Der Film nimmt ein. Was aber ist die Botschaft der Regisseurin Alice Agneskirchner? Den Wildtieren, gemeint sind die jagdbaren, geht es schlecht in Deutschland. Sie werden

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Politiker und Wölfe

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10.06.2018 Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Niedersachsen Martin Bäumer begrüßt den Vorstoß des Umweltministers Olaf Lies, SPD, in Niedersachsen das französische Modell zur Bestandsregulierung des Wolfes einzuführen. Er behauptet, dass der günstige Erhaltungszustand mit 250 geschlechtsreifen Tieren bereits erreicht sei und der Abschuss von Wölfen dort ermöglicht werden müsse, wo sie sonst nicht wirksam ferngehalten werden können. Martin Bäumer denkt weit voraus. Im März verkündete er: „In Deutschland leben zurzeit 1000 Wölfe, 2022 werden es über 4000 und 2030 über 40 000 Wölfe sein.“ Auch Frauke Petri (Die Blauen), Sachsen, ist auf den Wolf gekommen. Sie will sich für die

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Bergjagd ohne Klischees

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Ein meisterliches Fotobuch aus den Ammergauer Alpen von Jean-Pierre Vollrath 06.06.2018 Die Bergjagd ist mit Klischees beladen, an denen schwer vorbeikommt, wer sie fotografisch ins Bild setzen will. Der zünftige Jager in der kurzen Ledernen am steilen Hang, den Schweißhund bei Fuß und den Blick irgendwo in weite Fernen gerichtet – geht es auch ohne das? Es geht, und man muss dafür das Urwüchsige der Jagd im Hochgebirge gar nicht beiseiteschieben und den Jäger zum abgeklärten Wildmanager in Hightech-Klamotten machen. Der Oberammergauer Jean-Pierre Vollrath führt das vor mit seinem meisterlichen Fotobuch „Jagerblick“. Seine Entscheidung für die „altmodische“ Schwarz-Weiß-Fotografie erweist sich

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Wildlebende Wölfe: Schutz von Nutztieren – Möglichkeiten und Grenzen.

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02.06.2018 Dieses Buch ist ein erster, ambitionierter Wurf, um der größten Herausforderung, vor die uns die Wölfe jetzt schon stellen und in Zukunft noch mehr stellen werden – nämlich dem Schutz der Weidetiere – eine solide fachliche Grundlage zu geben. Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, die zügig voran schreitet. Mit Erfahrungen etwa aus den scheinbar naturbelassenen italienischen Abruzzen oder den rumänischen Karpaten sind wir in unserer Zivilisationslandschaft, die ganz anderen Einflüssen und Zwängen ausgesetzt ist, nicht immer gut beraten. Es ist deshalb nur natürlich, dass im Laufe kurzer Zeit manche Ansichten neuen Einsichten weichen, gut gemeinte Regeln neu

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Kubickis Luftnummer

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21.05.2018 Der Kieler Bundestagsabgeordnete Wolfgang Kubicki (FDP) hat für den Bauernbund Brandenburg ein Gutachten verfasst, in dem er die Ansicht vertritt, ein Wolf könne „in Notwehr“ erschossen werden, wenn er besonders wertvolle Nutztiere oder einen Hund angreift. Freilich nur in einem „eng begrenzten rechtlichen Rahmen.“ Notwehr ist laut Strafgesetzbuch „die Abwehr eines gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffs gegen sich oder einen anderen.“ Ein Tier kann sich gar nicht „rechtswidrig“ verhalten, und wenn der Angriff gegen eine „Sache“ gerichtet ist – Nutztiere sind juristisch gesehen „Sachen“ – dann kann das ebenfalls nicht Notwehr sein. Die Medien schreiben unisono von „Notwehr,“ nicht von „Nothilfe“

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Bad Wildbad: Wolf genetisch bestätigt

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20.05.2018 Wie vermutet war der „Täter“, der bei Bad Wildbad ein Massaker in einer ungenügend geschützten Schafherde angerichtet hat, ein Wolf – und zwar kein Unbekannter. Er ist seit November bestätigt und kommt vom Schneverdinger Rudel aus Niedersachsen. Das Areal um Bad Wildbad wird nun weiträumig als „Wolfsgebiet“ ausgewiesen. Hier müssen Weidetiere „besonders geschützt“ werden. Das Ministerium will in den nächsten Tagen eine Pressemeldung herausgeben, in der die Details nachzulesen sind. Geschlagene vier Wochen werden dann seit dem Vorfall vergangen sein. Seit Jahren weiß man in Stuttgart, dass die Wölfe vor der Türe stehen, und dass sie kommen, um zu

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Wölfe mit lebenden Schafen angelockt?

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20.05.2018 In Brandenburg ermittelt das Landeskriminalamt gegen zwei Jäger, die – so der Verdacht – Schafe auf einer Weide des Forstguts Johannismühle bei Baruth gehalten haben, um damit Wölfe anzulocken. Im Forstgut Johannismühle kommen nachweislich Wölfe vor. Die Weide wurde im Herbst 2017 eingerichtet für fünf Tiroler Bergschafe, allesamt Böcke, angeblich zu dem Zweck, die seltene Rasse zu erhalten. Am 17. April 2018 wurden drei der Schafe gerissen. Die Tierschutzorganisation PETA erstattete Anzeige. Die Tierschutzorganisation behauptet, der 90 cm hohe Strom führende Elektrozaun sei lückenhaft gewesen. Die Haltung der Schafe sei zu dem Zweck erfolgt, die Wölfe anzulocken. Die Jäger,

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Wer hilft Thorsten Rupp?

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17.05.2018 Thorsten Rupp ist Ziegenhalter mit 50 Ziegen und Schafen in Niederbayern und schützt seine Herde mit drei Kangalen (das sind türkische Herdenschutzhunde). Er hat Schilder mit „Vorsicht Herdenschutzhunde!“ aufgestellt, hat aber leider immer wieder das Problem, dass Anwohner und Wanderer falsch auf die Hunde reagieren. Deshalb ist er dringend auf der Suche nach einer Infotafel, wo den Leuten erklärt wird, wie sie auf die Hunde reagieren sollen. Wer weiß Rat? Tipps bitte an info@woelfeindeutschland.de.  

Das war erst der Anfang!

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16.05.2018 Was in Bad Wildbad passiert ist, wird sich wiederholen: Ein Wolf trifft auf eine ungeschützte Schafherde und richtet ein Massaker an. Mit einem „Blutrausch“ hat das nichts zu tun. Wölfe wären dumm, würden sie solche Gelegenheiten nicht nutzen. Und solche ergeben sich reichlich, wo Wölfe neu ankommen. Da sind die Weidetierhalter noch keine Wölfe gewöhnt und warten erstmal ab. „Es wird schon so schlimm nicht werden!“ glauben viele. Da aber machen sie die Rechnung ohne die Wölfe. Deshalb werden sich solche Fälle wiederholen. Nicht nur in Baden-Württemberg. Eine „erste Adresse“ ist Bayern, wo sich das Wolfsmanagement festgefahren hat. Dort

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Der Wolf im Umweltausschuss des Bundestages

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15.05.2018 Am 18.04.2018 hatte der Umweltausschuss des Bundestages das Thema Wolf auf der Tagesordnung. Neun Sachverständige waren geladen, den Vorsitz führte Michael Thewes (SPD). Jeder Sachverständige hatte zunächst drei Minuten Redezeit für ein Eingangsstatement. Danach standen jeder Fraktion fünf Minuten für Fragen zur Verfügung. Die Besprechung dauerte etwa zwei Stunden. Sie kann im Internet unter diesem Link nachverfolgt werden. Ich gebe hier meinen subjektiven Eindruck wieder, gehe aber nicht auf alle Gesprächspunkte ein. Überraschend ist zunächst die Uneinigkeit im Lager der Nutzerverbände. Eberhard Hartelt vom Deutschen Bauernverband bemüht sich, die Anzahl der Wölfe in Deutschland auf über 1.000 zu Jahresbeginn

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Die Jäger machen mobil

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01.05.2018 Am 22.03.2018 ist der Deutsche Jagdverband (DJV), Dachverband aller Landesjagdverbände außer Bayern, mit einem Positionspapier zum Wolf an die Öffentlichkeit getreten. Trotz des verbindlichen Tonfalls ist es getragen von Kritik und Misstrauen am bisherigen und gegenwärtigen Umgang mit dem Thema Wolf. Zu der erstaunlichen, ja sensationellen Rückkehr einer fast verloren geglaubten Tierart fällt dem anerkannten Naturschutzverband DJV dagegen nichts Positives ein. Man ist beim DJV nicht glücklich mit dem Lauf der Dinge. Man will ran an die Deutungshoheit, will Wölfe schießen. Dazu quält sich das Papier sechs lange Seiten dahin, erhebt sage und schreibe 26 (!) „Forderungen“ zu allem

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