Das war erst der Anfang!

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16.05.2018 Was in Bad Wildbad passiert ist, wird sich wiederholen: Ein Wolf trifft auf eine ungeschützte Schafherde und richtet ein Massaker an. Mit einem „Blutrausch“ hat das nichts zu tun. Wölfe wären dumm, würden sie solche Gelegenheiten nicht nutzen. Und solche ergeben sich reichlich, wo Wölfe neu ankommen. Da sind die Weidetierhalter noch keine Wölfe gewöhnt und warten erstmal ab. „Es wird schon so schlimm nicht werden!“ glauben viele. Da aber machen sie die Rechnung ohne die Wölfe. Deshalb werden sich solche Fälle wiederholen. Nicht nur in Baden-Württemberg. Eine „erste Adresse“ ist Bayern, wo sich das Wolfsmanagement festgefahren hat. Dort

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Der Wolf im Umweltausschuss des Bundestages

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15.05.2018 Am 18.04.2018 hatte der Umweltausschuss des Bundestages das Thema Wolf auf der Tagesordnung. Neun Sachverständige waren geladen, den Vorsitz führte Michael Thewes (SPD). Jeder Sachverständige hatte zunächst drei Minuten Redezeit für ein Eingangsstatement. Danach standen jeder Fraktion fünf Minuten für Fragen zur Verfügung. Die Besprechung dauerte etwa zwei Stunden. Sie kann im Internet unter diesem Link nachverfolgt werden. Ich gebe hier meinen subjektiven Eindruck wieder, gehe aber nicht auf alle Gesprächspunkte ein. Überraschend ist zunächst die Uneinigkeit im Lager der Nutzerverbände. Eberhard Hartelt vom Deutschen Bauernverband bemüht sich, die Anzahl der Wölfe in Deutschland auf über 1.000 zu Jahresbeginn

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Die Jäger machen mobil

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01.05.2018 Am 22.03.2018 ist der Deutsche Jagdverband (DJV), Dachverband aller Landesjagdverbände außer Bayern, mit einem Positionspapier zum Wolf an die Öffentlichkeit getreten. Trotz des verbindlichen Tonfalls ist es getragen von Kritik und Misstrauen am bisherigen und gegenwärtigen Umgang mit dem Thema Wolf. Zu der erstaunlichen, ja sensationellen Rückkehr einer fast verloren geglaubten Tierart fällt dem anerkannten Naturschutzverband DJV dagegen nichts Positives ein. Man ist beim DJV nicht glücklich mit dem Lauf der Dinge. Man will ran an die Deutungshoheit, will Wölfe schießen. Dazu quält sich das Papier sechs lange Seiten dahin, erhebt sage und schreibe 26 (!) „Forderungen“ zu allem

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Dänemark: Wolfsabschuss auf Video festgehalten

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29.04.2018 Auf einem Saatfeld irgendwo in Dänemark steht ein Wolf und betrachtet einen Traktor, der eine große Pflugschar durch den Ackerboden zieht. Schließlich trabt er los. Auf dem Feldweg zwischen dem Wolf und dem Traktor steht ein PKW, der nun ins Bild rückt. Im Hintergrund ist eine große Jagdkanzel zu sehen. Es knallt, und der Wolf stürzt zu Boden. Wirft sich im Todeskampf noch ein paarmal hoch, dann rührt er sich nicht mehr. Alles ist festgehalten mit einer Videokamera. Der Schütze, ein 66jähriger Jäger, wird noch am selben Tag ausfindig gemacht. Er gibt die Tat ohne weitere Umstände zu. Offenbar

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Blutige Walpurgisnacht: 50 tote Schafe auf einen Streich

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01.05.2018 Die Nachricht ist noch nicht bestätigt. Bei Bad Wildbad im Schwarzwald wurden in der Nacht zum 01.05. – Walpurgisnacht! – etwa 50 Schafe auf einer Weide gerissen. In dem fraglichen Gebiet ist seit Monaten ein Wolf unterwegs. Das Ereignis konnte also nicht überraschen. Überraschend ist allerdings, dass der Tierhalter seine Herde zwar in einem Elektrozaun hielt – aber darauf verzichtete, auch das Ufer der Enz abzuzäunen, an der die Herde gehalten wurde. Offenbar betrachtete er das Flüsschen – mehr ist die Enz dort nicht – als eine wirksame Barriere. Für diese Fehleinschätzung hat er nun eine böse Rechnung bekommen.

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Wolfsfreie Zonen durch die Hintertür

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17.04.2018 Der Bayerische Landtag hat heute einen „Aktionsplan Wolf“ beschlossen. Hier die Meldung: Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität. Trotz internationalem Schutzstatus können nach geltender Rechtslage verhaltensauffällige Wölfe entnommen werden. Die Bayerische Staatsregierung bekennt sich zu einer flächendeckenden und dauerhaften Weidetierhaltung in Bayern. Um die Gefahr für die Bevölkerung, aber auch für Tiere auf ein Minimum zu reduzieren, soll durch den Bayerischen Aktionsplan Wolf die Größe der Wolfspopulation auf das artenschutzrechtlich Erforderliche begrenzt werden. Die Weidetierhaltung muss auch bei Wolfsanwesenheit ohne unzumutbare Mehraufwendungen flächendeckend und dauerhaft erhalten bleiben. Die Bayerische Staatsregierung setzt gezielt auf Präventionsmaßnahmen. Experten der Umwelt- und

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Seitenweise leeres Stroh

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04.04.2018 Prof. Dr. Pfannenstiel kann’s nicht lassen. Nach seiner umfangreichen „gutachtlichen Stellungnahme zum Wolf“ im vergangenen Jahr bedenkt er nun die Fraktionsvorsitzenden in Brandenburg, die Vorsitzenden der Landesjagdverbände und des DJV, das Forum Natur Brandenburg und des deutschen und Brandenburgischen Bauernverbandes mit einem weiteren ausschweifenden Elaborat (nachzulesen auf der Jäger-Website JAWINA) zur Wolfsproblematik. Pfannenstiel kämpft mit Hingabe gegen Windmühlen. Anscheinend will sich der emeritierte Professor für Meerestiere (JAWINA erhebt ihn zum „Wildbiologen“) zum Sprachrohr der Wolfsgegner hochstilisieren. Nun – davor muss einem nicht bange sein. Gleich zu Beginn redet er von „Ökophantasten“, später von „ideologisch motiviertem Naturschutz“ – der Professor

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Wölfe im Yukon – von Bob Hayes

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03.04.2018 Im Wechsel von fiktiven Ereignissen und sachkundigen Essays erzählt der Wolfsforscher Bob Hayes die Naturgeschichte des Yukon während der letzten 20.000 Jahre bis heute. Im ersten Teil beschreibt er die Entwicklung der Wölfe seit dem Ende der letzten Eiszeit, das Erlöschen der großen Säugetiere ausgangs des Beringia-Zeitalters und das Aufkommen und die Dominanz der Karibus im Holozän. Er erklärt das Verhältnis der Eingeborenen zu den Wölfen und geht u. a. ausführlich auf Jack Londons Erzählungen ein, die unsere Vorstellung vom Wolf als einem Symbol für Wildnis wesentlich geprägt haben. In einem düsteren Kapitel listet der Autor die Hintergründe und

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Zur Hölle mit den Wölfen – von Frank N. Möller

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03.04.2018 Wegen des tendenziösen Titels habe ich dieses Buch mit einem gewissen Widerwillen in die Hand genommen. Und wurde angenehm enttäuscht, aber auch bestätigt. Das ist ein ganz besonderes Antiwolfsbuch. Der Verfasser – kein Biologe, sondern Politikwissenschaftler – hat mit viel Fleiß und Akribie alles zusammengetragen, was er über Wölfe in der Literatur vorgefunden hat. Selbst auf ein ausführliches Kapitel über die Biologie des Wolfes mag er nicht verzichten. Das ist nicht das Feld, in dem er zu Hause ist – trotzdem muss man ihm lassen: Er hat korrekt recherchiert. Ebenso gewissenhaft geht er mit den zahllosen Fallbeispielen um, mit

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Tote Jäger schießen nicht – von Werner Schmitz

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03.04.2018 Ein Krimi im Wilden Osten, an der Grenze zwischen Polen und Brandenburg – das ist eine düstere Geschichte, in die uns der Autor da mitnimmt. Dass es mit einem totgeschossenen Wolf beginnt, passt irgendwie dazu. Leicht zu lesen, durchaus spannend, wenn man sich von der durchgehend niederdrückenden Atmosphäre – grauer kalter Winter, ungehobelte Menschen, triste Stimmung der Verloren- und Verlassenheit – nicht niederziehen lässt. Und wenn man Gefallen findet an der rustikalen, gelegentlich mit schrägen Wortspielen garnierten Schreibe des Autors. Da wäre weniger manchmal mehr gewesen. Frankh-Kosmos Stuttgart. ISBN978-3-440-15814-2. 16,99 Euro

Vor der Wahl, nach der Wahl …

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28.03.2018 In diesen Tagen konnte man sich so seine Gedanken machen über den Sinn und Zweck von Wahlen. Wozu braucht man die in Russland oder China, wenn vorher ausgemacht ist, wer gewinnt? Wozu in den USA, wenn Trump dabei rauskommt? Warum haben sich die Briten aus der EU rausgewählt, wenn sie jetzt am liebsten wieder rein wollen? Von der großen Politik zur kleinen, zur Wolfspolitik. Je nachdem ist es gerade vor der Wahl oder nach der Wahl oder mittendrin, nämlich während der Groko-Verhandlungen. Es ist kaum zu fassen, worüber sich unsere Volksvertreter da den Kopf zerbrochen haben: Über den sagenumwobenen

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LCIE in Trient: Hybridisierung im Mittelpunkt

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23.03.2018 Drei Tage lang trafen sich die Mitglieder der Large Carnivore Initiative for Europe im italienischen Trento, um über Schutz und Management der großen Beutegreifer zu beraten. Natürlich standen die Wölfe im Vordergrund – und hier ganz besonders das so genannte Hybridenproblem. So genannt, also kein wirkliches Problem? So konnte man Carsten Nowak vom Institut Senckenberg verstehen, der seine genetischen Arbeiten an Wölfen (und anderen Arten) vorstellte. Er räumte überzeugend mit einer ganzen Serie von Missverständnissen auf, die derzeit besonders in Deutschland die Runde machen, und stellte ein neues Verfahren vor, mit dem eine Identifizierung von Hybriden künftig sehr viel

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Ohrdruf: drei Hybriden geschossen

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28.03.2018 Das Umweltministerium von Thüringen hat mitgeteilt, dass drei der Hybridwelpen geschossen worden sind. Ein vierter ist wahrscheinlich vom Zug überfahren worden. Die genetische Bestätigung wird in einigen Tagen erwartet. Über die näheren Umstände schweigt sich das Ministerium aus – völlig zu Recht; denn die Wolfshätschler machen vermutlich schon gegen die Aktion mobil. Man kann Wetten darauf abschließen, dass die ersten Klagen gegen das Ministerium und die Schützen bereits unterwegs sind. Beiden sind gute Nerven zu wünschen.

Die Rückkehr der Wölfe – Grabenkämpfe statt Lösungssuche. Von Felix Knauer

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15.03.2018 Die Wölfe breiten sich in Deutschland und anderswo in Europa immer weiter aus, tauchen in Gebieten auf, in denen seit Jahrhunderten keine Rudel mehr vorkamen. Obwohl die vom Wolf verursachten Probleme eigentlich überall die gleichen sind (Wolf trifft auf Schaf, trifft auf Hirsch, trifft auf Reh), reagiert die Politik sehr unterschiedlich darauf. In Baden-Württemberg kann sich ein schwarzer Minister unter einem grünen Ministerpräsidenten überhaupt nicht vorstellen, dass Wölfe in Rudeln flächig die geeigneten Gebiete in seinem „Ländle“ besiedeln. In Bayern wettert seit Jahren schon die Politik (alles schwarz in schwarz) gegen den Wolf. Auch ein bayrischer Minister in Berlin,

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Frankreich: Neuer Managementplan für 500 Wölfe

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05.03.2018 Frankreich hat für die kommenden sechs Jahre einen neuen Wolfsmanagementplan aufgelegt. Hier die gekürzte Zusammenfassung eines Kommentars von Nick Huisman. In Frankreich leben zwischen 265 und 402 Wölfe (Stand März 2017). Jedes Jahr werden 10.000 Nutztiere getötet. Die Verluste durch herrenlose Hunde werden auf das Doppelte geschätzt. Der Managementplan sieht eine Kontrolle dieser Hunde vor. Weiterhin kommen jährlich etwa 120.000 Tiere auf der Weide durch andere Faktoren als Wölfe oder Hunde um. Von den insgesamt etwa 8,2 Mio Schafen und Ziegen in Frankreich töten die Wölfe jährlich etwa 0,1%. In Anlehnung an Empfehlungen von Wissenschaftlern strebt Frankreich eine Population

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