Sehr geehrter Herr Minister Lies,

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20.04.2019 Schon wieder haben Sie Ärger mit den Wölfen. Sie lassen nichts unversucht, damit der Rodewaldwolf „entnommen“ werden kann. Die Beweislage ist dünn, und die FFH-Richtlinie bietet keine Handhabe für diesen Eingriff. Der wirtschaftliche Schaden, den man dem Wolf GW717m anlasten kann, ist mit etwa 2.200 Euro lächerlich gering im Vergleich zu den Kosten, die für das Land bereits aufgelaufen sind. In Geld nicht zu messen ist der Schaden, den das Ansehen Ihres Ministeriums durch diesen unsäglichen Vorgang genommen hat. Ein Ende der Misere ist noch lange nicht in Sicht. Mir liegt es fern, diesen Wolf, der zweifellos einiges auf

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Rodewaldwolf: mehr Fragen als Antworten

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11.04.2019 Das niedersächsische Umweltministerium sieht sich veranlasst zu begründen, warum der Rodewaldwolf GW717m entnommen werden soll. Die Stellungnahme wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Hier ein kurzer Kommentar für Schnellleser. In der Erklärung des Ministeriums wird behauptet, dass große Weidetiere (z. B. Rinder) ausreichend gegen Wölfe geschützt seien, wenn sie sich im Herdenverband mit genügend älteren Tieren befinden. Herdenschutzmaßnahmen seien deshalb nicht erforderlich. Diese Behauptung bildet den Kern der Ausnahmegenehmigung zur Entnahme des Wolfes GW717m. In der Fachliteratur finden sich dafür keine Belege, in anderen Wolfsmanagementplänen kommt diese Auffassung nicht vor. Das Niedersächsische Umweltministerium steht damit alleine da. Die

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Vierter Thüringer Wolfsmischling getötet

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16.04.2019 Das Thüringer Umweltministerium hat Ernst gemacht mit der Entnahme des wahrscheinlich letzten Wolfs-Hund-Mischlings. Es hat verfügt, dass bestimmte Revierteile rund um den Truppenübungsplatz Ohrdruf für Revierpächter und Begehungsscheininhaber gesperrt sind. Anscheinend wurde im Ministerium Wert darauf gelegt, die Aktion ohne Störungen durchführen zu können. Im vergangenen Jahr sahen sich die Verantwortlichen einigen Aktivisten gegenüber, die äußerst aggressiv auftraten. Die örtlichen Jäger wurden nicht in die Entnahme eingebunden. Das Gebiet darf nicht betreten werden und die Jagd hat dort zu ruhen. Begründet wird die Maßnahme mit dem § 65 Bundesnaturschutzgesetz, in dem geregelt ist, dass Grundstückseigentümer sowie Nutzungsberechtigte Maßnahmen des Naturschutzes zu dulden

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Bücher

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Wölfe im Yukon. Von Bob Hayes. Zweite unveränderte Auflage. Bezug nur über Wolfsite info@woelfeindeutschland.de. 20.- Euro plus Versandspesen. Bob Hayes war 18 Jahre lang der Wolfsbiologie der kanadischen Provinz Yukon und leitete eines der umfangreichsten Wolfsforschungsprojekte. In seinem Buch beschreibt er die Geschichte der Wölfe in Nordkanada und der begleitenden Großtierfauna seit dem Rückzug der Vereisung vor etwa 15.000 Jahren. Im zweiten Teil berichtet er über die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten und das heutige Management der Wölfe im Yukon. Bob hat mit seinem Buch einen bedeutenden Beitrag dazu geleistet, dass im kanadischen Yukon keine flächendeckenden Abschussprogramme an Wölfen mehr durchgeführt werden.

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Goodbye Rufus

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12.04.2019 Am 26.03.2019 wurde in der Gemeinde Lohsa, Sachsen, ein verletzter Wolf beobachtet. Tags darauf konnte das Tier eingefangen und betäubt werden. Bei der tierärztlichen Untersuchung wurden schwere Bissverletzungen festgestellt. Das Gewebe um die Verletzungen war teilweise bereits abgestorben. Aufgrund der Schwere der Verletzungen wurde der Wolf eingeschläfert. Die Melder hatten zunächst die Vermutung geäußert, dass die Verletzungen des Wolfes von einem Beschuss stammen könnten. Die pathologische Untersuchung am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ergab jedoch keine Hinweise auf eine Schussverletzung. Der Wolfsrüde hatte vollkommen abgenutzte Backenzähne, die Fangzähne waren nur Stumpen. Und er war ein alter Bekannter: Sebastian

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Wer blökt am besten?

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01.04.2019 Die Bayerische Staatsregierung wird vor Beginn der Weidesaison im Juni zu einem Wettbewerb im Blöken einladen. Aus gewöhnlich gut informierten Kreisen war zu erfahren, dass das Landwirtschaftsministerium aus dem Kreis der besten Blöker eine Mannschaft aus freiwilligen Wolfsabwehrern nach dem Vorbild der französischen Luparii zusammenstellen will. Die Luparii waren zu Zeiten Karls des Großen mit der Verfolgung bzw. Vertreibung der Wölfe beauftragt. Der Wettbewerb soll nach den bewährten Regeln des Hirschröhrens ablaufen. Beim Wettbewerb der besten Röhrer gewinnt, wer sich akustisch am besten so ausdrücken kann wie ein Hirsch. Lautinstrumente und andere Hilfsmittel sind beim Blökwettbewerb allerdings nicht zugelassen.

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Herdenschutz auf vier Rädern

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28.03.2019 Der Wolf stellt Norddeutsche Schäfereien vor eine besondere Herausforderung. Im Interesse des Bodenschutzes werden die Schafe im Winter oft in Kleingruppen gehalten. Bei jedem Weidewechsel müssen unzählige Pfähle in den Grund getrieben und viele Kilometer stromführender Draht verlegt werden. Nur reicht ein Draht heute nicht mehr. Der schreckt zwar Schafe vom Ausbruch ab, hält aber keinen Wolf fern. Um ihre Herden auch vor dem Wolf zu schützen hat Schäferin Uta Wree aufgerüstet. Ihr Quad ist jetzt mit einem Spezialaufbau ausgestattet. Der verlegt vier Drähte gleichzeitig auf besondere Pfosten, die selbst den nordischen Winden standhalten. Im ersten Praxistest hat sich

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Zur Schutzjagd: Zwischenruf aus Schweden

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15.03.2019 Der Artikel über die Schutzjagd in Schweden von Peter Peuker/uw hat Michael Schneider auf den Plan gerufen. Michael, Biologe mit deutschen Wurzeln, ist seit fast 20 Jahren Sachverständiger für Raubtierfragen bei der Regierung der Provinz Västerbotten (Sitz Umeå) und damit für die praktische Verwaltung von ungefähr 350 Bären, 150 Luchsen, 120 Vielfraßen, 270 Steinadlern und einigen Wölfen zuständig. Er ist auch Repräsentant Schwedens in der IUCN Bear Specialist Group. Michael hat unseren Artikel zum Anlass genommen, uns fast das gesamte Wolfsmanagement Schwedens zu erläutern. Das war allerdings nicht das Anliegen von WOLFSITE. Sondern es ging darum zu klären, was

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Erstes Wolfspaar in den Niederlanden

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17.03.2019 In den Niederlanden gibt es offenbar ein erstes territoriales Wolfspaar: Die aus Deutschland zugewanderte Wölfin GG998F ist in Begleitung eines Rüden. Seine Herkunft steht noch nicht fest, doch ist seine Anwesenheit in unmittelbarer Nähe der Wölfin durch genetisches Material nachgewiesen. Nicht weit entfernt von den beiden hat sich überdies eine zweite Wölfin heimisch gemacht. Das Waldgebiet um Apeldoorn, wo sich die drei aufhalten, umfasst mit seinen waldreichen Ausläufern rund 1.000 km2. Dazu gehört der Nationalpark Het Veluwe mit 55 km2, er ist eingezäunt. Die Wälder gehören zu einem Teil dem Königshaus, zum zweiten dem Staat, und zum Dritten einer

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Der Rodewaldwolf: ein Testfall für den Umweltmister

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13.03.2019 Es will keine Ruhe einkehren im Wolfsgeschehen von Niedersachsen. Kaum ist der bissige Friedhofswolf von Steinberg vom Tisch, hat Umweltminister Olaf Lies schon ein neues Opfer gefunden: den Leitwolf des Rodewaldrudels. Weil dieser Wolf durch Genanalysen für mehrere Übergriffe auf Nutztiere, darunter auch Kälber und Fohlen, als verhaltensauffällig eingestuft worden ist, darf er „entnommen“ werden. Die Datenlage ist alles andere als niet- und nagelfest, den NLWKN (die Fachbehörde, die die Entnahme genehmigen bzw. anordnen muss) hat sich geschlossen gegen die Entnahme ausgesprochen, der Freundeskreis frei lebender Wölfe hat die Anordnung auf dem Gerichtsweg angefochten, aber das Gericht hat die Anfechtung

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Stellungnahme des NABU Niedersachsen zum Rodewaldwolf

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01.03.2019 Laut Ausnahmegenehmigung vom 23. Januar 2019 darf der Wolfsrüde „GW 717m“ des Rodewalder Rudels bis heute, den 28. Februar 2019, entnommen werden. Das Umweltministerium hat mittlerweile verlautbaren lassen, dass die Genehmigung bis zum 31.03.2019 verlängert worden ist. Die Abschussgenehmigung erfolgte am 23. Januar 2019 durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit Unterstützung des Niedersächsischen Umweltministeriums (MU) und gelangte erst acht Tage später am 31. Januar 2019 an die Öffentlichkeit. Bis knapp drei Wochen nach Abschussgenehmigung gab es keinerlei Informationen für die Öffentlichkeit. Auch Umweltverbände wie der NABU waren von Informationen abgeschnitten und haben trotz mehrfachen

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Schutzjagd: Missverständnis mit Methode?

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24.02.2019 Ein neuer Begriff macht die Runde: die „Schutzjagd“ nach schwedischem Muster. Das Forum Natur, der Deutsche Jagdverband und noch einige andere wollen uns das als geeignete Maßnahme verkaufen, um Weidetiere gegen Wölfe zu schützen. Aber entweder haben sie das Wesentliche der schwedischen Schutzjagd nicht begriffen, oder Forum, DJV etc. wollen uns ein X für ein U vormachen. Peter Peuker nimmt das Ganze auseinander.   Die Lage in Skandinavien Die Skandinavische Wolfspopulation besteht derzeit aus etwa 400 Tieren – 300 in Schweden, 100 in Norwegen. Der Schwedische Reichstag hat beschlossen, dass die Population 30 Rudel (Familien) bzw. 300 Tiere nicht

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Der Handlungsvorschlag des Forums Natur: ein Etikettenschwindel

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15.01.2019 Das FORUM NATUR hat zu Beginn des Jahres einen Handlungsvorschlag für ein praxisorientiertes Wolfsmanagement in der Kulturlandschaft Deutschlands vorgelegt. Und sich damit auch gleich als Sprachrohr der traditionellen Jägerschaft geoutet. Die „Projektleitung“ lag mit H. Dammann-Tamke (Niedersachsen) und D.-H. Wellershoff (Brandenburg) bei den Präsidenten der jeweiligen Landesjägerschaften. Dr. A. Winter und Friedrich von Massow aus dem Präsidium des Deutschen Jagdverbandes bildeten mit Gregor Beyer (Forum) die Redaktion, die wissenschaftliche Beratung oblag Prof. Dr. Dr. Sven Herzog. Andere Verbände, die im Forum Natur versammelt sind (darunter Bauern, Waldbesitzer, Jagdgenossenschaften, Weinbauern, Fischer und Angler) werden nicht genannt. Wer will, kann daraus

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Falsche Botschaft: der Handlungsvorschlag für ein praxisorientiertes Wolfsmanagement des FORUMS NATUR

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01.02.2019 Das FORUM NATUR hat einen Handlungsvorschlag für ein praxisorientiertes Wolfsmanagement in der Kulturlandschaft Deutschlands vorgelegt. Die Kernbotschaften lauten: Für das Gebiet der BRD ist auf wissenschaftlicher Grundlage für die Wölfe ein „Akzeptanzbestand“ zu ermitteln und auf die Länder, letztlich auf die Landkreise herunterzubrechen. Der „Akzeptanzbestand“ ist durch eine „Schutzjagd“ in Anlehnung an das schwedische Vorgehen einzuhalten. Die Einhaltung des „Akzeptanzbestandes“ bietet die Gewähr dafür, dass Schäden an Weidetieren im akzeptablen Rahmen bleiben. Es ist eine „Wildökologische Raumplanung“ für Wölfe zu erstellen mit Wolfsschutzgebieten, Gebieten mit Wolfsmanagement und wolfsfrei zu haltenden Gebieten. Die Urheberschaft Im FORUM NATUR haben sich neun

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Wolf erschossen – „in Notwehr?“

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21.01.2019 Bei Potsdam (Brandenburg) ist ein Wolf während einer Bewegungsjagd von einem holländischen Jäger erschossen worden, weil er mehrere Hunde attackiert hat. Der Wolf habe auf Rufe und einen Warnschuss nicht reagiert. Der DJV, so heißt es, nehme den Fall „sehr ernst“ und fordere „Rechtssicherheit“ für die Jäger. „Sie müssen wissen, wie sie sich in einem derartigen Notstand verhalten sollen“, wird DJV-Präsident Hartwig Fischer zitiert. Diese „Rechtssicherheit“ ist gegeben: Zum einen ist der Wolf streng geschützt und darf nicht getötet werden. Zum anderen gibt es einen „rechtfertigenden Notstand“ nach § 34 StGB. Wir haben es hier mit einer „konkurrierenden Rechtslage“

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