Ein Rudel stirbt aus

Ein Rudel stirbt aus

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15.02.2017 Über Jahrzehnte waren die Wölfe des East Fork Rudels in Alaskas Nationalpark Denali geradezu befreundet mit Forschern wie mit Touristen. Sie frequentierten den Eingangsbereich des Parks und die Straßen und waren die Stars auf tausenden Ferienfotos. Seit den 1930er Jahren haben Wissenschaftler jedes Detail aus dem Leben dieses Rudels dokumentiert: ihr Jagdgebiet, ihre Paarungsrituale, sogar die Bestandteile ihrer Losung. Sie spürten die Verwandtschaftsbeziehungen durch Dutzende von Generationen auf, benannten sogar einzelne Wölfe mit Namen wie „Dandy“, „Großpapa“ oder „Räubermaske.“ Nun müssen die Forscher ein letztes Detail aus der langen Geschichte des Rudels hinzufügen: Wahrscheinlich sind die Tiere alle tot.

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Geschichte der Wölfe in Westpolen

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06.02.2016 Die westpolnischen Wölfe bilden die andere Hälfte der deutsch-westpolnischen Flachlandpopulation, zu der „unsere“ deutschen Wölfe gehören. Die Geschichte dieser Wölfe ist fast aufs Jahr genauso alt wie die der unseren – und erstaunlich ähnlich. Sabina Nowak und Robert Myslajek haben die Entwicklung von Anfang an verfolgt und nun darüber einen Bericht (in englischer Sprache) http://link.springer.com/journal/13364. veröffentlicht. Hier eine Zusammenfassung. Nach dem II. Weltkrieg war der Bestand der Wölfe in Polen angestiegen (1951: 820 Tiere) und veranlasste die Behörden zu einer Reduktionskampagne, die zwanzig Jahre anhielt. Innerhalb von 18 Jahren wurden ca. 3.300 Wölfe erlegt bzw. gefangen. 1972 wurde die

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Auf den Geschmack gekommen

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25.11.2015 Für die einen ist die Wölfin von Vechta ein „Problemwolf,“ den man schießen sollte. Die anderen sehen das Problem beim mangelhaften Schutz der Schafe durch die Hobbyhalter. Das niedersächsische Wolfsbüro hat am 16.11.2015, zwei Tage nach der Ablehnung des CDU-Antrags zum Abschuss der Vechtaer Wölfin (identisch mit dem „Goldenstedter Wolf“), eine Zusammenstellung der Risse veröffentlicht, die innerhalb eines Jahres im Kreis Diepholz-Vechta dokumentiert wurden. Es sind insgesamt 47 Fälle. 30 Risse (mit 68 getöteten bzw. verletzten Tieren, fast ausschließlich Schafe) gab es auf ungeschützten Weiden, nur zwei Risse (13 Tiere) auf Weiden mit Grundschutz (das ist ein allseits geschlossener

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FORSA-Umfrage: 80 Prozent pro Wolf

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31.08.2015 Im Auftrag des NABU hat die FORSA Politik- und Sozialforschung GmbH eine repräsentative Befragung von 2.012 Bundesbürgern ab 18 Jahren durchgeführt. Besonders junge Menschen mögen Wölfe Jeder zweite Bundesbürger (54 Prozent) verbindet mit Wölfen positive oder sogar sehr positive Gefühle und Empfindungen, 12 Prozent reagieren negativ oder sehr negativ, und 33 Prozent empfinden im Zusammenhang mit Wölfen nichts. Positive Gefühle sind bei jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren besonders ausgeprägt. Bei über 60-jährigen ist es umgekehrt. 80 Prozent der Bundesbürger finden es erfreulich, dass der Wolf wieder unsere Landschaft bereichert und meinen, dass Wölfe genauso wie z.B. Füchse, Rehe

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Nachbar Wolf

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10.07.2015 Vortrag von Eckhard Fuhr bei der Kreisjägerschaft Lauenburg, Mölln Bevor wir zu den Wölfen im Lauenburgischen kommen, möchte ich die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland in den Zusammenhang eines größeren Geschehens einordnen, in einen naturgeschichtlichen Trend, den man schon lange beobachten kann, der aber der Öffentlichkeit erst jetzt ins Bewusstsein tritt und für Verwirrung und Unsicherheit sorgt. An alarmierende Nachrichten über den offenbar unaufhaltsamen Schwund der Artenvielfalt hat man sich gewöhnt. Nach dem gerade veröffentlichten Artenschutzbericht des Bundesamtes für Naturschutz sind ein Drittel der in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Verzweifelt stemmen sich Naturschützer gegen das

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Scheu verloren? Zum Verhalten der Munster-Wölfe. Von Sebastian Koerner

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15.06.2015 Sebastian Koerner ist Biologe mit dem Schwerpunkt Verhaltensökologie. Seit 2005 dokumentiert er die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland mit der Filmkamera. Bisher hat er an den Rendezvousplätzen von zehn Wolfsrudeln sowie im Territoriumszentrum von einem Wolfspaar gefilmt. Einschließlich des Munsteraner Rudels hat er das Verhalten an den Rendezvousplätzen von fünf Rudeln auf aktiven Truppenübungsplätzen gefilmt (drei Rudel TÜP Oberlausitz, eins TÜP Altengrabow, eins TÜP Munster). Bei zwei zweiwöchigen Aufenthalten im Yellowstone-Nationalpark hat er das Verhalten der dortigen Wölfe beobachtet. Er ist Autor der Broschüre „Ökologie und Verhalten des Wolfes – Wolfshinweise erkennen und dokumentieren“, die 2013 von der Landesjägerschaft

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Erst der Mensch macht aus dem Wolf die Bestie

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27.04.2015 Am Anfang aggressiver Auftritte von Wölfen gegenüber Menschen steht in vielen, vielleicht den meisten Fällen menschliches Fehlverhalten: Erst werden Wölfe an Menschen gewöhnt (habituiert), vielleicht mit wiederholten Futterangeboten sogar futterkonditioniert – dann folgt zudringliches Benehmen, bis hin zu Attacken mit Verletzungen. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus einer Recherche des Alaska Department of Fish and Game 2002. Wie gefährlich sind Wölfe wirklich? Als Standarderklärung auf diese Frage gilt für Europa der Bericht The Fear of Wolves (Linnell et al. 2002), demzufolge nach Ende des 2.Weltkrieges vier tödliche Übergriffe von nicht tollwütigen Wölfen dokumentiert sind. Dabei wurden innerhalb weniger Jahre in

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Wie schnell wächst unsere Wolfspopulation?

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05.04.2015 Auf einer Jagdversammlung verkündete ein Wildbiologe (jedenfalls hat er sich so vorgestellt), die deutsche Wolfspopulation nehme mit einer jährlichen Zuwachsrate von 40 – 50% zu. Die Interessengemeinschaft Sichere Weidewirtschaft (ISW) redet heute schon von 45 Rudeln und meint, dass sich die Wölfe in zehn Jahren auf 6 – 8.000 Tiere vermehren werden (das entspricht 667 – 890 Rudeln). Es gibt sogar Leute, die behaupten allen Ernstes, eine Wolfspopulation könne sich in einem Jahr verdoppeln. Von einer „unkontrollierten“ Vermehrung der Wölfe ist ohnehin schon lange die Rede. Was also kommt da auf uns zu? Wolfsite versucht, ein bisschen Licht in

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Dänemark: 17 Wölfe, lauter Rüden – wo bleiben die Girls?

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03.02.2015 Siebzehn verschiedene Wölfe, allesamt Rüden, sind in den letzten beiden Jahren nach Dänemark gekommen. Das berichteten Liselotte W. Andersen und Thomas S. Jensen am 2.Februar auf dem Biodiversitätssymposium an der Universität Aarhus. Ihr Bericht stützt sich auf die jüngsten DNA-Analysen von Wolfsproben. Zusätzlich zu den 2013 bereits bekannten elf Wölfen sind im Jahr 2014 weitere sechs Individuen hinzugekommen. Einige der im Jahr 2013 identifizierten Tiere wurden in den Proben des Jahres 2014 nicht wieder gefunden. Ihr Verbleib ist unklar. Die beiden einzigen Proben von Djursland (eine Halbinsel im Osten Jütlands) stammen von zwei verschiedenen Individuen. Zwischen diesen Proben lag

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Mehrfacher Nachwuchs: Tendenz zum Riesenrudel?

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07.02.2015 Eckhard Fuhr schreibt in seiner Kolumne von einem Rudel mit siebzehn Wölfen bei Altengrabow. Das wäre rekordverdächtig für unsere Verhältnisse. Aber die Zahl siebzehn ist kein Hirngespinst. Von Klaus Puffer, Förster und Wolfsberater am Truppenübungsplatz Altengrabow, bekam ich per e-mail eine Videosequenz, auf der sage und schreibe siebzehn eindeutig voneinander unterscheidbare Wölfe an der Kamera entlang spazieren. Wäre das eine Familie (und nichts anderes ist ein Rudel), dann müssten das zu den zwei Elterntieren nicht nur die sechs im Sommer 2014 bestätigten Welpen sein, sondern auch noch neun ältere Nachkommen – also nicht nur Jährlinge, sondern auch zwei- oder

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Kulturlandschaft ist überall – eine Erwiderung auf Valerius Geist

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15.01.2015 Eine Erwiderung auf Valerius Geist, „Lassen sich Großraubtiere in bewohnter Kulturlandschaft halten?“ (Beiträge zur Jagd- und Wildforschung, Bd. 39 (2014). Valerius Geists Position zur Erhaltung von großen Beutegreifern, insbesondere von Wölfen, wird von der Fachwelt nicht geteilt. Seine Vorschläge sind von persönlicher Betroffenheit geprägt und wirklichkeitsfremd. Mit einer rein fachlichen Auseinandersetzung lässt sich dieser Konflikt nicht erklären, zumal Geist keine neuen Erkenntnisse mitteilt. Der emeritierte Professor für Wildbiologie, 76, entstammt einer deutschen Familie, ist in der Ukraine geboren und in Deutschland aufgewachsen. Er hat bei Konrad Lorenz studiert, bevor er nach Kanada ging. Dort wurde er zu einer Autorität

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Die großen Beutegreifer im Europa von heute

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In Sience, einem hoch angesehenen wissenschaftlichen Journal, ist ein umfangreicher Bericht über den Status der Großen Beutegreifer in Europa erschienen: Recovery of large carnivores in Europe’s modern human-dominated landscapes. Guillaume Chapron et al., Science 346, 1517 (2014). Sechsundsiebzig (!) Autoren aus sechsundzwanzig Ländern – darunter erstmals auch aus Albanien, Bosnien-Herzegovina und Macedonien – haben zur Darstellung der Situation von Braunbär, Eurasischem Luchs, Wolf und Vielfraß auf dem Europäischen Kontinent beigetragen. Material und Daten für den umfangreichen Bericht wurden maßgeblich von der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) beigetragen. Russland, Weißrussland und die Ukraine sind nicht mit dabei. Die meisten Populationen

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Wölfe in Zauche – ein Fallbeispiel

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26.10.2014 In der Hegegemeinschaft Zauche, Kreis Potsdam-Mittelmark, sind die Jagdstrecken von Damwild und Rehwild drastisch zurückgegangen. Dort ist das Lehnin-Rudel zu Hause. Die Schuld für den ausbleibenden Jagderfolg sucht man bei den Wölfen. Im Kreis Potsdam-Mittelmark, Brandenburg, gab es bereits im Jahr 2012 während der Besprechungen zum Wolfsmanagementplan widersprüchliche Ansichten zur Zahl der Wölfe und deren Auswirkungen auf die Schalenwildbestände. Bei der ersten Tagung der Arbeitsgruppe Wolf und Jagd des Landes Brandenburg am 4. Februar 2014 war die dortige Hegegemeinschaft (HG) Zauche erneut Gegenstand Aufsehen erregender Berichte. Die Jagdstrecken bei Dam- und Rehwild, so wurde vorgetragen, seien eingebrochen, die jagdlichen

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Wie viel Wolf verträgt das Land?

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18.09.2014 Früher oder später werden die Wölfe bejagt werden müssen. Das ist das Credo der Jäger, und so denken auch viele Menschen, die sonst mit der Jagd nichts am Hut haben. Die Population ist in eine exponentielle Wachstumskurve eingeschwenkt, wie das bei jeder Tierart beobachtet werden kann, die neue geeignete Lebensräume erobert. Anzunehmen ist, dass wir irgendwann, vielleicht schon bald, „genug“ Wölfe haben werden – die einen früher, die anderen später, und manche vielleicht nie, so wie auch für wiederum andere schon ein Wolf einer zu viel ist. Gegenwärtig ist der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und außer in

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Erste Herdenschutzhunde in Brandenburg zertifiziert

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Download Herdenschutz Faltblatt 18.08.2014 Die Schäfer in Brandenburg machen Ernst mit dem Schutz ihrer Herden vor immer mehr Wölfen. Die Arbeitsgruppe Herdenschutz e. V. hat am 28. Juni in Pusack erstmals eine Zertifizierung von Herdenschutzhunden durchgeführt. Seit diesem Tag gibt es eine für Mitglieder der AG verbindliche „Prüfungsrichtlinie für Herdenschutzhunde/Hirtenhunde im Herdenschutzeinsatz“. Zu den Prüfungen sind ausschließlich die Rassen Pyrenäen-Berghund und Maremmano zugelassen. Zusammen mit dem IFAW hat die AG Herdenschutzhunde e.V. in Brandenburg auch einen „Leitfaden Herdenschutzhunde“ herausgebracht. Dabei geht es besonders um die Eingewöhnung eines trainierten, adulten Herdenschutzhundes in eine fremde Herde. Damit wird ein drängendes Problem aufgegriffen:

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