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Dampfgeplauder oder Paradigmenwechsel?

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07.11.2018 Die Umweltminister-konferenz (UMK) der Länder tagt gerade in Bremen. Auf der Tagungsordnung steht auch der Wolf. In einer Presseerklärung hat der Deutsche Jagdverband (DJV) schon mal gefordert, „endlich konkrete Lösungen für den Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen zu präsentieren.“ Das Bundesnaturschutzgesetz solle novelliert werden, denn eine angepasste, nachhaltige Entnahme von Einzeltieren oder Rudeln, meint der DJV, widerspreche nicht dem Schutzzweck. Doch. Widerspricht ihm auf der ganzen Linie. Zunächst ist eine „nachhaltige Entnahme“ schon vom Begriff her sinnwidrig. Das würde ja bedeuten, dass man ständig verhaltensauffällige Wölfe planmäßig produziert, um sie dann entnehmen zu können. An was diese Entnahme „angepasst“ sein

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Aktuell hundert Wolfsrudel?

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06.11.2018 Noch ist es nicht offiziell: Ende April 2018 waren im Bundesgebiet 73 Rudel, 29 territoriale Paare und drei ortsfeste Einzelwölfe bestätigt. Einige Paare werden noch in die Kategorie Rudel rücken, nämlich dann, wenn sich herausstellt, dass sie von Jährlingen begleitet werden (also vorher Welpen aufgezogen haben müssen). Der Schlüssel dazu ist die Genetik. Bei der tieferen Analyse der Monitoringdaten kommt dieser Methode eine immer größere Bedeutung zu. Und je mehr Wölfe es werden, desto mehr werden genetische Analysen die konventionellen Beobachtungsmethoden ergänzen. Aber 73 Rudel – das war „gestern.“ Immer wieder muss man daran erinnern, dass dies der Stand

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Es geht auch friedlich

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02.10.2018 Die baden-württembergischen Grünen hatten mich nach Niederreichenbach bei Calw eingeladen zu einer Podiumsdiskussion über Wölfe. Dort hatte der gegenwärtig einzige bestätigte Wolf am 01.05. eine ungeschützte Schafherde angegriffen. 44 Schafe waren auf der Strecke geblieben. Den Saal füllten etwa zweihundert Teilnehmer bis auf den letzten Platz. Eine heiße Kiste, dachte ich mir. Und es ging auch so los, wie man sich das vorstellt: Ich stellte mit einem Kurzvortrag die Situation in Deutschland dar, räumte Fakenews beiseite (Hybriden! Problemwölfe! Millionenschäden! Kulturlandschaft durch Wölfe in Gefahr – und so weiter), bekam viel freundlichen Beifall, aber dann stellte sich Harald Bauer auf.

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In der Löwenhöhle

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27.10.2018 Ich war auf einiges gefasst, als ich zu einer Tagung des Club Alpino Italiano (C.A.I. – das ist der Italienische Alpenclub) nach Bozen eingeladen wurde. Es ging um Wolf und Bär. Gegen die Rückkehr der Wölfe wird kaum irgendwo eine derart scharfe Klinge geschlagen wie in Südtirol. Man muss nur die „Dolomiten“ aufschlagen, die auflagenstärkste Tageszeitung der Provinz: Fast täglich stößt man da auf aggressive Wolfsartikel und blutrünstige Bilder. Ich hatte früher mal ein relativ gutes Standing im Lande, wegen meiner Tätigkeit an der Jägerschule Hahnebaum und dem Rehforschungsprojekt gleichen Namens, das ich dort zehn Jahre lang geleitet habe.

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Der Wolf im Bundesrat

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11.10.2018 Die Länder Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg haben am 11.10. eine „Bundesratsinitiative Wolf“ eingebracht. Der Entschließungsantrag (Drucksache 481/18) umfasst zehn Punkte. Es geht da ziemlich durcheinander, dem Antrag fehlt eine klare Struktur. Gleich im ersten „Punkt“ geht es mit der Sicherheit des Menschen, mit der Weidetierhaltung, mit einem nationalen Wolfskonzept und „lokal bzw. regional bestandsregulierenden Maßnahmen“ munter drunter und drüber. Wer sich für den Inhalt interessiert, möge ihn bitte selber lesen. Der Freundeskreis freilebender Wölfe e. V. hat eine sechsseitige Stellungnahme verfasst, womit er dem Antrag mehr Ehre antut als er verdient, sich auch viel zu sehr in kleinlichen Kostenüberlegungen

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Geht’s noch?

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02.11.2018 Ausnahmsweise möchte ich mal Peter Brandt von der Interessengemeinschaft Sichere Weidewirtschaft (ISW) zu Wort kommen lassen, ungekürzt. Er betreibt für die ISW eine Website. Anlässlich eines Übergriffs von Wölfen auf Schafe teilt er mit: „Es ist einfach nicht mehr zu ertragen was in Deutschland vor sich geht. Es genügt nicht mehr nur die Fäuste in den Hosentaschen zu ballen. Wir müssen die geballten Fäuste den Verursachern zeigen – den NGO`s, diesen Verbrechersyndikaten, die aus dem Blut der Weidetiere und den Tränen der Bauernfamilien ihren Gewinn erzielen und ihren Zuhältern in den Ämtern, diesen im Geist versippten und verschwägerten Banausen,

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Lehren aus dem Fall Dauban

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13.10.2018 Seit 18 Jahren sind die Wölfe in Deutschland zurück. Aber die Reaktionen auf blutige Wolfsereignisse sind immer noch die gleichen: Als erstes werden Abschüsse gefordert – von Einzelwölfen, von gesamten Rudeln, von Wölfen überhaupt. Dass solche Forderungen von unmittelbar betroffenen, aufgeregten Tierhaltern kommen, kann man verstehen. Dass sich Behörden aufführen, als hätten sie sich nicht an Verwaltungsregeln zu halten, ist allerdings schwer erträglich. Und dass Politiker im Ministerrang mit ihren Äußerungen den Eindruck vermitteln, sie hätten das Gesetz nicht gelesen oder stünden gar über diesem, ist nicht schwer, sondern überhaupt nicht auszuhalten. Der Fall Dauban ist noch lange nicht

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Vierzig auf einen Streich

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13.10.2018 Mindestens vierzig Schafe sind anfangs der Woche von Wölfen des Daubaner Rudels in Sachsen gerissen worden. Noch einmal so viele haben sich in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die näheren Umstände sind noch nicht geklärt. Dennoch will das Landratsamt Görlitz eine Abschussgenehmigung prüfen. Es spreche „wohl nichts“ dagegen, meint der Umweltminister. In einem der Fernsehfilme, die Sebastian Koerner über die Lausitzer Wölfe gedreht hat, ist eine Szene enthalten, in der ein Wolf am Zaun einer Schafweide entlang läuft. Die Schafe schauen ihm mäßig aufmerksam zu. Von Beunruhigung oder gar Panik keine Spur. Der Wolf würdigt die Schafe keines Blicks. Man scheint

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Endlich: Grünes Licht für Soft Catch Falle!

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04.10.2018 Künftig dürfen Wölfe für Forschungszwecke nicht nur mit der Belislefalle, sondern auch mit der Soft Catch Falle gefangen werden. Dieser Fallentyp beruht auf dem Tellereisenprinzip und galt deswegen als tierschutzrechtlich nicht vertretbar. Es ist eine Tretfalle, deren Schlagbügel mit weichem Material ummantelt sind. Verletzungen für das Tier sind so gut wie auszuschließen. Solche Tretfallen sind wesentlich fängiger als Belislefallen, bei denen eine Fußschlinge vom Boden her über die Pfote des Tieres geschleudert wird. Bei Frost, Schnee oder Laubfall sind Belislefallen sehr störungsanfällig. Damit fallen sie genau in der Jahreszeit aus, in der mit Rücksicht auf die Welpenaufzucht ein Fang

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Wohin führt der Bayerische Weg?

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01.10.2018 Der Schlagabtausch, den die Süddeutsche Zeitung erwartet hatte (siehe AKTUELL), hat sich in Grenzen gehalten. Als ob in 14 Tagen keine Wahl stattfände und als ob die schweren rechtlichen Bedenken gegen den „Aktionsplan Wolf“ nicht weiter relevant wären, ist man bei der Besprechung am 20.09. den bayerischen Weg weiter gegangen: Augen zu und durch. Einundfünfzig (!) Leute hatten sich versammelt, um den Entwurf des Aktionsplans Wolf zu diskutieren. Natürlich viel zu viele, wenn man Ergebnisse erwartet. Aber „Ergebnisse“ hätten wohl nur gestört. Unmittelbar vor der Wahl meint man, endlich Aktivität vorweisen zu müssen. Was jahrelang von den Schreibtischen des

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Wolfsgerangel in Bayern

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16.09.2018 von Christian Sebald in der Süddeutschen Zeitung. Unter Experten verfestigt sich die Einschätzung, dass der „Bayerische Aktionsplan Wolf“ rechtlich nicht haltbar sei. Mit Wolfgang Köck kommt jetzt ein weiterer Spezialist für Umweltrecht zu dem Ergebnis, dass das 61 Seiten starke Papier, mit dem der Freistaat den Umgang mit dem Raubtier regeln will, in seinen Kernpunkten in Widerspruch zum europäischen und deutschen Naturschutzrecht stehe.Köck, der an der Uni Leipzig die Professur für Umweltrecht innehat und am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung das Department für Umwelt- und Planungsrecht leitet, erteilt dem Aktionsplan deshalb eine Abfuhr. Vor drei Wochen hatte der Dresdner Umweltjurist Rainer

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Ost Sachsen: „Wahrscheinliche Wildverminderung?“

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01.10.2018 In der Allgemeinen Forstzeitschrift (AFZ) Nr. 6/2018 hat Franz Graf Plettenberg seine Erfahrungen mit Wölfen mitgeteilt. Graf Plettenberg ist der Leiter des Bundesforstbetriebs Lausitz, wo die Wolfsgeschichte im Jahr 2000 begann, und damit auch zuständig für die Jagd. In seinem Verantwortungsbereich reichen sich etwa ein halbes Dutzend Wolfsrudel „die Hand.“ Friedrich Karl von Eggeling (94) meint in einem Leserbrief in der AFZ Nr. 13/2018, Graf Plettenbergs Ausführungen „bedürften der Korrektur.“ Die Rudelterritorien seien nicht 200 km2 groß, sondern nur 80. Daraus ergäbe sich selbstverständlich ein deutlich stärkerer Eingriff der Wölfe in den Schalenwildbestand. Von Eggeling verweist auf „neuere Forschungsergebnisse,“

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Die Hybridenhysterie

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15.09.2018 Eine Bemerkung voraus: Wir werden in der Wolfsszene immer mehr mit Fakenews konfrontiert. Eine davon ist die Hysterie um Mischlinge von Wolf und Hund. Deshalb geht es in dieser Ausgabe von Wolfsite in vier Artikeln ausschließlich um dieses Thema. Als im Jahr 2000 die ersten Wölfe auf deutschem Boden sesshaft wurden, kursierte alsbald das Gerücht, es handle sich dabei um Tiere, die von der russischen Armee gehalten und bei deren Abzug nach der Wende frei gelassen worden seien. Und das seien teils Wölfe, teils Mischlinge aus Wolf und Hund gewesen. Beweise für diese Geschichten hat es nie gegeben. Trotzdem

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Senckenberg antwortet den „Blauen“

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15.09.2018 Anlässlich einer Pressekonferenz der Partei „Die Blauen“ am 05.06.2018 in Dresden hat die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die folgende Stellungnahme vorgelegt (Hervorhebungen und Kürzungen durch Wolfsite). Welche Erfahrungen hat Senckenberg bei der Wolfsforschung? Der Wolf ist eine nach EU-Recht streng geschützte Art, zu deren Bestandsmonitoring in Deutschland die Bundesländer verpflichtet sind. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wurde nach einem umfangreichen Auswahlverfahren des Bundesamts für Naturschutz den Bundesländern zur Nutzung als Referenzzentrum für genetische Wolfsanalysen empfohlen und untersucht seit Anfang 2010 alle bundesweit anfallenden Wolfsproben. 2016 wurde durch die Bundesregierung die „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf unter

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Ein paar Fakten zur Hybridisierung

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15.09.2018 Unter Hybridisierung versteht man die erfolgreiche Paarung von Individuen zweier verschiedener Arten. Dies ist selten; denn das Charakteristikum einer Art ist ja gerade, dass sich die Individuen einer Art nur mit Artgenossen erfolgreich (d.h. mit fruchtbaren Nachkommen) paaren können. Bei der Paarung von Wolf und Hund handelt es sich jedoch um Unterarten ein und derselben Art. Manche Wissenschaftler bevorzugen deshalb für die Nachkommen solcher Paarungen den Begriff „Mischlinge.“ Ein Genaustausch zwischen der Unterart Wolf (Canis lupus lupus) und Hund (C. l. familiaris) ist immer wieder mal vorgekommen, seit sich die beiden Linien vor ungefähr 15.000 Jahren durch die Domestikation

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