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Jäger, Luchs und Wolf in Bayern

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08.04.2017 Das muss man dem Präsidenten des Bayerischen Landesjagdverbandes lassen: Er kriegt den Saal voll, und es kommen auch erstklassige Referenten zu seinen Veranstaltungen. Eineinhalb Tage lang bildete Freyung im Bayerischen Wald die Bühne für größtenteils hochkarätige, sachliche und informative Vorträge renommierter Fachleute zum Thema Große Beutegreifer – also zum Luchs am ersten, zum Wolf am zweiten Tag. So war es vorgesehen. Aber natürlich dominierte der Wolf von Anfang bis Ende. Es gibt gerade mal etwa ein halbes Dutzend Isegrims in Bayern, noch kein Rudel, allenfalls zwei territoriale Paare. Außerdem vielleicht eineinhalb Dutzend Luchse, alle (bis auf einen bei Berchtesgaden)

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Fakes, Fakes, Fakes …

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24.03.2017   Falschmeldungen gibt es nicht erst seit Trump, dem Unsäglichen. Auch in der Wolfsszene haben wir es immer häufiger mit erfundenen Geschichten zu tun. Die Schauermärchen um Isegrim werden nicht weniger, sondern eher mehr. Einige davon habe ich auf WOLFSITE „gebührend“ gewürdigt, etwa die Piotr-Saga des JÄGER-Magazins, das absurde „Gutachten“ von Wernher Gerhards zu dem Verkehrsunfall bei Meißen mit neun toten Pferden, den „Wolfsangriff “ auf einen Jäger in Niedersachsen. Allesamt Fakes. Früher, als in Deutschland noch deutsch gesprochen wurde und nicht denglisch, nannte man das Lügengeschichten. Nun aber komme ich mit den Kommentaren zu diesen Absurditäten nicht mehr hinterher.

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Kommt ein junger Wolf gelaufen

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07.03.2017 In Wolfsgebieten geschieht so etwas alle Tage: Wolf begegnet Mensch. Und nichts passiert. In der Lüneburger Heide in Niedersachsen machte solch eine Begegnung kürzlich Furore. Ein Treckerfahrer hat das Geschehen auf seinem Smartphone aufgenommen. Was sieht man da? Einen Wolf, der über ein Saatfeld näher kommt. Offenbar will er eine Straße überqueren. Dort aber läuft eine Nordic Walkerin, und die gerät in helle Panik, schreit auf den Wolf ein, der unschlüssig verhofft. Von Aggressivität beim Wolf keine Spur, nicht einmal Neugier. Der Treckerfahrer ruft die Frau an „Nicht laufen, nicht laufen!“, sie „rettet sich“, wie es im Zeitungsbericht heißt,

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Wolf im Werdenfels – ein Faschingsscherz?

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22.02.2017 Es ist (noch) kein „Beweis“, aber immerhin eine starke C 2-Beobach-tung: Eine Canidenfährte am Hörnle bei Bad Kohlgrub im Landkreis Werdenfels, Oberbayern. Ich fresse einen Besen, wenn das kein Wolf war. Die Trittsiegel kantenscharf abgedrückt im Nassschnee (demnach muss das Tier am Tag davor nachmittags oder abends bei Plusgraden hier durchgekommen sein, bevor der Schnee in der nächtlichen Kälte verharschte). Länge 11 cm ohne Krallen, Breite 9 cm. Die Tritte des Hinterlaufs derart perfekt in den Abdruck des Vorderlaufs gesetzt, dass ich immer nur einen, nie zwei Abdrücke sehen kann. Die Schrittlänge 110 cm. Und ein geschnürter Trab wie

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Was darf ein Wolfsberater – und was nicht?

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Niedersachsen hat für 10.000 Euro einen „Rettungswagen“ angeschafft, mit dem verletzte Wölfe transportiert werden können. Der Jagdschriftsteller Gert G. von Harling hat sich in einer Glosse darüber ausgelassen. Das kann er machen, über solch ein Gefährt kann man ja tatsächlich geteilter Meinung sein. Einen unangenehmen Beigeschmack hat v. Harlings Glosse deshalb, weil er sich darüber hinaus in einer ausschweifenden Polemik über die Wolfspolitik im Allgemeinen und das Niedersächsische Wolfsmanagement im Speziellen ergeht, die die Interessengemeinschaft Sichere Weidewirtschaft (IGW) von Peter Brandt verbreitet. Die IGW betreibt eine unflätige Website gegen Wölfe – machen Sie sich ein Bild davon im FORUM –

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Sachsens Wolfspolitik schießt ein Eigentor

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25.01.2017 In Sachsen soll ein Wolf erschossen werden. Die Schutzverbände stehen auf den Barrikaden. Dies ist passiert: Seit Mitte November treibt sich unweit von Rietschen, Sachsen, ein Wolf in Siedlungen herum. Pumpak, so heißt er inzwischen, ist ein Jährling aus dem polnischen Ruszakrudel, dessen Territorium über die Neiße bis nach Sachsen reicht. Als Welpe ist er wiederholt von Menschen gefüttert worden, seine Identität ist genetisch erwiesen. Einem Jäger, der im Garten ein Wildschwein geschlachtet hatte, hat er im Sommer 2016 die Sauschwarte geklaut. Pumpak kontrolliert die Komposthäufen und frisst dort alles Mögliche, sogar Kaffeefilter oder Grünzeug, das die Hauskaninchen verschmähen.

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Ende der Willkommenskultur?

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11.01.2017 Jetzt wird die Stoßrichtung der „Dresdener Resolution“ vom 28.11.2016 auch dem letzten klar. Da hatten sich die umweltpolitischen Sprecher von CDU und CSU über die Wölfe in Deutschland ausgelassen. Dann ist der Bund von der Umweltministerkonferenz der Länder aufgefordert worden, sich über die Populationsentwicklung der Wölfe „Gedanken zu machen.“ Mit solchen „Gedanken“ sind nun um die Jahreswende einige Politiker an die Öffentlichkeit getreten. Allesamt von CDU oder CSU, allesamt aus dem Landwirtschaftssektor – obwohl der Wolf dort gar nicht zu Hause ist, sondern im Naturschutzressort. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) fordert also eine „beschränkte Abschussfreigabe“ für Wölfe. Der sächsische Landwirtschaftsminister

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Ober- oder Untergrenzen für Wölfe?

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 24.12.2016 Alle  reden von Obergrenzen. Auch im Wolfsgeschehen. Die Frage, wie viele Wölfe wir dulden wollen, wird die Wolfsdiskussion der nächsten Jahre entscheidend prägen. Die Population nimmt rasch zu, jedes Jahr werden es etwa dreißig Prozent mehr. Wenn es so weitergeht, dann wird Deutschland in weniger als zehn Jahren „voll“ sein von Wölfen. Über 400 Rudel werden dann das Land bevölkern. Ein Horrorszenario für manche, ein Geschenk des Himmels für andere. Voll von Wölfen – das heißt, dass die wolfstauglichen Lebensräume dann von territorialen Wölfen (also Rudeln oder territorialen Paaren) besetzt sind. Diese Fläche entspricht gerade mal einem Drittel der

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Die Dresdner Resolution: Wo bleibt das Positive?

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28.11.2016 Fünf Seiten umfasst die Dresdner Resolution von CDU und CSU zum Wolf in Deutschland. Ein trockener, jeglicher Inspiration barer Text ist das, den die umweltpolitischen Sprecher der beiden Schwesterparteien da fabriziert haben. Sie reden der Fraktion der Nutzer nach dem Munde, und kein Klischee ist ihnen dabei zu schade. Ich finde das respektlos gegenüber den Leuten, die sich darum kümmern, das schwierige Verhältnis Wolf – Mensch in unserer Zivilisationslandschaft hinzukriegen. Kein Wort wird verloren darüber, welch guten Ruf unser Management inzwischen international genießt. Politisch motiviert kann das nicht sein; denn die Regierungen der Wolfsländer sind politisch so bunt zusammengesetzt

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Unfähige Jäger, untätige Jagdbehörden

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13.11.2016. Bei Lodenau in Sachsen konnte man bis vor kurzem (vielleicht immer noch) ein total verwüstetes Maisfeld in der Größe von dreißig Fußballfeldern besichtigen. Den Schaden hat ein etwa zweihundertköpfiges Rotwildrudel angerichtet. Vor zwei Jahren sollen es gar drei solcher Großrudel gewesen sein, die über Mais und Raps herfielen. Die Höhe des Schadens steht noch nicht fest, im Vorjahr waren es etwa 50.000 Euro, die Rechnung ist noch offen. Die Wildschäden, heißt es weiter, seien „trotz geringerer Wildbestände gestiegen.“ Wie hoch waren diese Wildbestände wohl vorher? Bei Klitten, ebenfalls Sachsen, ist für eine Fläche von 2.500 ha eine Wildschadensrechnung von

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Tagung der LCIE in Portugal

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04.11.2016 Ich war dann mal weg – in Porto, Portugal, wo die Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) zu einer dreitägigen Arbeitsbesprechung zusammengekommen war. Die LCIE ist ein loser Zusammenschluss aus aktuell vierzig Wissenschaftlern, die in den europäischen Ländern in der Forschung und im Management der Großen Beutegreifer aktiv sind – also für Braunbär, Wolf, Eurasischer und Iberischer Luchs sowie Vielfraß. Künftig will man auch den Goldschakal ins Auge fassen. Die LCIE ist eine klassische NGO, also ohne offizielle Funktion, aber sie berät die EU in Fragen des Schutzes der Großen Beutegreifer. Kopf der Gruppe ist seit Beginn vor zwanzig

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„Erschießt die Wölfe!“ Eine Botschaft aus Frankreich – und eine aus Rumänien

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06.10.2016 „Nehmt Gewehre und erschießt die Wölfe!“ fordert Laurent Garde, Direktor im Forschungsinstitut für die praktische Weidewirtschaft in den französischen Seealpen. In einem zehnminütigen Monolog behauptet der promovierte Ökologe und Anthropologe, Europa erzwänge eine „Überpopulation“ des Wolfes, man sei „am Ende des Endes.“ Die Wölfe seien gar keine richtigen wilden Wölfe mehr, weil sie sich den „immer komplexeren“ Herdenschutzmaßnahmen anpassten und neue Wege für ihre Übergriffe auf Weidetiere fänden. Man habe ein „biologisches Monster“ geschaffen, das nichts mehr zu tun habe mit einem Wolf, der in der Wildnis lebt. Die freie Weidetierhaltung werde durch die Wölfe zum Erliegen kommen, der

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Bald 50 Rudel in Deutschland?

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20.09.2016 Die schlechte Nachricht zuerst. In einem Maisfeld zwischen Pinnow und Staakow, Brandenburg, nahe der Grenze zu Polen, ist ein bereits stark verwester Wolf gefunden worden, ohne Kopf. Die Todesursache ist unklar, eine Schussverletzung konnte nicht festgestellt werden, ein Kopfschuss wäre reine Spekulation. Also lassen wir das. Einige weitere Wölfe sind überfahren worden, die Verkehrsverluste nähern sich der Zahl hundert. Ich werde auf Wolfsite nicht mehr über Wölfe berichten, die ihr Leben auf der Straße ließen. Deren Zahl steigt, das ist ganz natürlich; denn es werden ja immer mehr Wölfe. Fast hundert sind bereits überfahren worden. Dennoch: Die Population wächst

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Sündenböcke, junge Wölfe und ein verkohlter Zwetschgenkuchen

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25.08.2016 Schreck lass nach: Bei Wernigerode im Harz kollidiert ein Regionalzug mit einer Rinderherde. 13 Tiere kommen um, der Zug entgleist. Es wird spekuliert, Wölfe könnten die Rinder auf die Schienen getrieben haben. Und bei Neuhaus im Solling brechen mitten in der Nacht 49 junge Hengste aus, galoppieren über eine Bundesstraße, demolieren Autos und Zäune, verschwinden im Wald. „Hinter vorgehaltener Hand“, so Claudia Ehrenstein in der WELT, wird die Vermutung geäußert, es seien Wölfe gewesen, die die Pferde in Panik versetzt hätten. Wer sich da „die Hand vor den Mund hält“, der tut gut daran. Er ist ein Gerüchtekoch, nichts

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Ein Wolfskompetenzzentrum in Sachsen-Anhalt?

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09.08.2016 „Nachbar Wolf – schießen oder schützen?“ hieß gestern um 22:05 Uhr das Thema in der populären Abendsendung FAKT IST! des MDR. Eine Stunde lang durften Franz Prinz zu Salm-Salm vom Waldbesitzerverband und Rüdiger Kassuhn vom Landesschafzuchtverband ihre Bedenken und Einwände gegen die Wölfe im Lande vorbringen. Kräftig sekundiert wurden sie von Prof. Dr. Michael Stubbe, der als Wolfsfachmann geladen war. Da hatte es die wackere Wolfsberaterin Antje Weber schwer, gegen zu halten. Der Fünfte im Bunde, Staatssekretär Klaus Rehda vom Bündnis 90/Die Grünen, fiel kaum auf, außer mit der Ankündigung, dass im Lande ein „Wolfskompetenzzentrum“ eingerichtet würde, und mit

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