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Die Dresdner Resolution: Wo bleibt das Positive?

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28.11.2016 Fünf Seiten umfasst die Dresdner Resolution von CDU und CSU zum Wolf in Deutschland. Ein trockener, jeglicher Inspiration barer Text ist das, den die umweltpolitischen Sprecher der beiden Schwesterparteien da fabriziert haben. Sie reden der Fraktion der Nutzer nach dem Munde, und kein Klischee ist ihnen dabei zu schade. Ich finde das respektlos gegenüber den Leuten, die sich darum kümmern, das schwierige Verhältnis Wolf – Mensch in unserer Zivilisationslandschaft hinzukriegen. Kein Wort wird verloren darüber, welch guten Ruf unser Management inzwischen international genießt. Politisch motiviert kann das nicht sein; denn die Regierungen der Wolfsländer sind politisch so bunt zusammengesetzt

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Unfähige Jäger, untätige Jagdbehörden

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13.11.2016. Bei Lodenau in Sachsen konnte man bis vor kurzem (vielleicht immer noch) ein total verwüstetes Maisfeld in der Größe von dreißig Fußballfeldern besichtigen. Den Schaden hat ein etwa zweihundertköpfiges Rotwildrudel angerichtet. Vor zwei Jahren sollen es gar drei solcher Großrudel gewesen sein, die über Mais und Raps herfielen. Die Höhe des Schadens steht noch nicht fest, im Vorjahr waren es etwa 50.000 Euro, die Rechnung ist noch offen. Die Wildschäden, heißt es weiter, seien „trotz geringerer Wildbestände gestiegen.“ Wie hoch waren diese Wildbestände wohl vorher? Bei Klitten, ebenfalls Sachsen, ist für eine Fläche von 2.500 ha eine Wildschadensrechnung von

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Tagung der LCIE in Portugal

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04.11.2016 Ich war dann mal weg – in Porto, Portugal, wo die Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) zu einer dreitägigen Arbeitsbesprechung zusammengekommen war. Die LCIE ist ein loser Zusammenschluss aus aktuell vierzig Wissenschaftlern, die in den europäischen Ländern in der Forschung und im Management der Großen Beutegreifer aktiv sind – also für Braunbär, Wolf, Eurasischer und Iberischer Luchs sowie Vielfraß. Künftig will man auch den Goldschakal ins Auge fassen. Die LCIE ist eine klassische NGO, also ohne offizielle Funktion, aber sie berät die EU in Fragen des Schutzes der Großen Beutegreifer. Kopf der Gruppe ist seit Beginn vor zwanzig

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„Erschießt die Wölfe!“ Eine Botschaft aus Frankreich – und eine aus Rumänien

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06.10.2016 „Nehmt Gewehre und erschießt die Wölfe!“ fordert Laurent Garde, Direktor im Forschungsinstitut für die praktische Weidewirtschaft in den französischen Seealpen. In einem zehnminütigen Monolog behauptet der promovierte Ökologe und Anthropologe, Europa erzwänge eine „Überpopulation“ des Wolfes, man sei „am Ende des Endes.“ Die Wölfe seien gar keine richtigen wilden Wölfe mehr, weil sie sich den „immer komplexeren“ Herdenschutzmaßnahmen anpassten und neue Wege für ihre Übergriffe auf Weidetiere fänden. Man habe ein „biologisches Monster“ geschaffen, das nichts mehr zu tun habe mit einem Wolf, der in der Wildnis lebt. Die freie Weidetierhaltung werde durch die Wölfe zum Erliegen kommen, der

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Bald 50 Rudel in Deutschland?

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20.09.2016 Die schlechte Nachricht zuerst. In einem Maisfeld zwischen Pinnow und Staakow, Brandenburg, nahe der Grenze zu Polen, ist ein bereits stark verwester Wolf gefunden worden, ohne Kopf. Die Todesursache ist unklar, eine Schussverletzung konnte nicht festgestellt werden, ein Kopfschuss wäre reine Spekulation. Also lassen wir das. Einige weitere Wölfe sind überfahren worden, die Verkehrsverluste nähern sich der Zahl hundert. Ich werde auf Wolfsite nicht mehr über Wölfe berichten, die ihr Leben auf der Straße ließen. Deren Zahl steigt, das ist ganz natürlich; denn es werden ja immer mehr Wölfe. Fast hundert sind bereits überfahren worden. Dennoch: Die Population wächst

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Sündenböcke, junge Wölfe und ein verkohlter Zwetschgenkuchen

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25.08.2016 Schreck lass nach: Bei Wernigerode im Harz kollidiert ein Regionalzug mit einer Rinderherde. 13 Tiere kommen um, der Zug entgleist. Es wird spekuliert, Wölfe könnten die Rinder auf die Schienen getrieben haben. Und bei Neuhaus im Solling brechen mitten in der Nacht 49 junge Hengste aus, galoppieren über eine Bundesstraße, demolieren Autos und Zäune, verschwinden im Wald. „Hinter vorgehaltener Hand“, so Claudia Ehrenstein in der WELT, wird die Vermutung geäußert, es seien Wölfe gewesen, die die Pferde in Panik versetzt hätten. Wer sich da „die Hand vor den Mund hält“, der tut gut daran. Er ist ein Gerüchtekoch, nichts

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Ein Wolfskompetenzzentrum in Sachsen-Anhalt?

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09.08.2016 „Nachbar Wolf – schießen oder schützen?“ hieß gestern um 22:05 Uhr das Thema in der populären Abendsendung FAKT IST! des MDR. Eine Stunde lang durften Franz Prinz zu Salm-Salm vom Waldbesitzerverband und Rüdiger Kassuhn vom Landesschafzuchtverband ihre Bedenken und Einwände gegen die Wölfe im Lande vorbringen. Kräftig sekundiert wurden sie von Prof. Dr. Michael Stubbe, der als Wolfsfachmann geladen war. Da hatte es die wackere Wolfsberaterin Antje Weber schwer, gegen zu halten. Der Fünfte im Bunde, Staatssekretär Klaus Rehda vom Bündnis 90/Die Grünen, fiel kaum auf, außer mit der Ankündigung, dass im Lande ein „Wolfskompetenzzentrum“ eingerichtet würde, und mit

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Wölfe verbrämen

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15.07.2016 Der Stadtrat von Uslar im Solling, Niedersachsen, hat eine Stellungnahme verabschiedet, nach der eine „Ansiedlung“ von Wölfen abgelehnt wird. Wölfe würden den Tourismus beeinträchtigen. Der Solling soll nicht wegen Wölfen zu einem Gebiet werden, das nicht mehr gefahrlos betreten werden könne. Eingebracht hat den Antrag Volker Ruwisch, ein Stadtrat der Grünen. Die SPD und die Grünen stimmten dagegen – außer Ruwisch. Vielleicht hat sich der grüne – pardon: der Grüne – Volker Ruwisch vom bayerischen Jägerpräsidenten Dr. Jürgen Vocke inspirieren lassen. Der hat unlängst verkündet, die Jogger würden aus dem Wald flüchten, wenn Wölfe dort ihr Heulen anstimmten. Der

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Glauben und Wissen sind feindliche Brüder

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27.06.2016 Deutschlands Wölfe sind allesamt Hybriden. Sie sind erbarmenswerte Bastarde aus Wölfen und Hunden, ja sogar Schakalen. Es gibt überhaupt kaum mehr echte Wölfe auf der Welt, auch die nordamerikanischen Wölfe sind Hybriden, nämlich halbe Coyoten. Die echten, die „reinen“ Wölfe sind dabei, einer unethischen, verantwortungslosen Naturschutzpolitik zum Opfer zu fallen. Das ist, auf den Punkt gebracht, die Botschaft, die uns Valerius Geist vermitteln will. Gegen diese Naturschutzpolitik zieht nun der emeritierte Professor für Wildbiologie im Herbst seines Lebens zu Felde. Aber außer einer überschaubaren Gemeinde von Wolfsgegnern, die sich zu unser aller Rettung vor Lupus horribilis dem Schrecklichen zusammengefunden

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Verhaltenskodex – ja bitte, aber für wen?

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06.06.2016 Man hat mir vorgeworfen, dass ich mich regelrecht einschieße auf das Wolfsmanagement in Niedersachsen. Da ist was dran. In diesem Land sprießen die Fehlgriffe im Umgang mit den Wölfen wie die Schwammerl im warmen Sommerregen. Diesmal sind es gleich zwei Ereignisse. Das Ministerium überrascht seine Wolfsberater mit einem Verhaltenskodex. Und es lässt sich wochenlang Zeit damit, einen schwer verletzten Wolf versorgen oder töten zu lassen (siehe Aktuell). Einen Verhaltenskodex hätte ich mir schon vor einem Jahr dringend gewünscht, als sich der eine oder andere zu den Ereignissen in Diepholz und in Munster äußerte. Da wurde erschreckend deutlich, dass man

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Das Europa der Wölfe: Fragen an den Autor Kaj Granlund

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13.05.2016 Kaj Granlunds Buch „Das Europa der Wölfe,“ 227 Seiten, ISBN 978-952-93-6322-3, 32 Euro, ist eher ein politisches Pamphlet gegen Wölfe als ein fachlich qualifizierter Beitrag zu ihrer Rückkehr. Eine Buchbesprechung kann sich daher nicht allein den Text vornehmen, sondern muss das Umfeld mit einbeziehen. Kaj Granlund ist in der deutschen Wolfsszene kein unbekannter. Er gehört zum Kreis von Magnus Hagelstam, Eirik Grankvist, Valerius Geist, Wernher Gerhards und dem in Sachsen ansässigen „Verein Sicherheit und Artenschutz.“ Dieser Kreis hat es sich auf die Fahne geschrieben, die deutschen Wölfe zu Hybriden zu erklären und die Zuwanderung als „Aussetzung“ zu deklarieren. Bei

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Warum MT6 sterben musste

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Das Drama um MT6 ist zu Ende. Am 27.04., mehr als ein Jahr, nachdem das so genannte Munsterrudel durch sein zudringliches Verhalten erstmals aufgefallen war, wurde der zweijährige Rüde aus diesem Rudel „letal entnommen“ – sprich getötet. Seit Jens Karlsson im März vergeblich versucht hatte, ihn zu vergrämen, war der Wolf den Menschen über fünfzehnmal auf die Pelle gerückt, manchmal auf nur wenige Meter. Das Maß war voll, als er am vergangenen Wochenende einen Hund attackierte und verletzte, der angeleint ausgeführt wurde. Über die langwierige Geschichte dieses Jungwolfes hat Wolfsite wiederholt berichtet. Ich bin gespannt auf die Reaktionen. Der Freundeskreis

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MT6 auf dem Weg zur Nordsee?

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09.04.2016 Ein Volltreffer gelang K. Rieck mit der Videokamera am 07.April morgens auf der Fahrt zur Arbeit: Unweit der Anschlussstelle der B3 zur A1 bei Buchholz in der Nordheide erwischte er einen Wolf mit Senderhalsband, der eigentlich vor ihm über die Straße wollte. Vermutlich ist es MT6. Sein Heimatgebiet, das Territorium des Munsterrudels, liegt nur etwa 70 km südöstlich davon. Hat sich MT6 die Vergrämungsversuche von Jens Karlsson so zu Herzen genommen, dass er jetzt Reißaus nahm? Wenn er die Richtung einhält – was kein Mensch weiß – landet er im Gebiet des Cuxhavener Rudels. Und findet dort vielleicht eine

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Was tun mit MT6?

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31.03.2016 Asche auf mein Haupt. Mein Artikel vom 25.03.2016 an dieser Stelle „Wann macht man endlich Ernst mit MT6?“ ist von WÖLFE Fakten und einigen anderen offenbar so verstanden worden, als plädiere ich für eine „Entnahme“ des Wolfes MT6. Das liegt mir fern. Ich habe das weder gesagt noch gemeint. Aber ich hätte deutlich formulieren müssen, was ich meinte: Das Gefahrenpotential dieses Wolfes wird nach meiner Einschätzung immer noch nicht gebührend ernst genommen. Das Missverständnis geht voll zu meinen Lasten. Ich bedaure meinen Fehler. Hier mein Standpunkt zu dem Wolf MT6, diesmal hoffentlich unmissverständlich: MT6 fällt durch eine ausgeprägte Distanzlosigkeit

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Wann macht man endlich Ernst mit MT6?

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25.03.2016 Das hat uns gerade noch gefehlt. Jemand hatte die schlaue Idee, den verhaltensauffälligen Jungwolf MT6 aus dem Munsterrudel zu taufen. Kurti soll er nun heißen. Ja geht’s noch! Die untypisch geringe Distanz zu Menschen, die dieser Jungwolf immer wieder an den Tag legt, macht vielen Menschen Angst und stellt das Wolfsmanagement in Niedersachsen vor ernste Probleme. Mit der Namensgebung verringern wir die Distanz zu diesem Tier noch einmal, diesmal auf der psychischen Ebene. Wir domestizieren den wilden Wolf zum Kuscheltier, machen ihn zum Haustier, was er nun mal nicht ist. Wir bagatellisieren die Gefahr, die von einem respektlosen Wolf

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