Südtirol im Wolfsfieber

Südtirol im Wolfsfieber

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20.05.2019

Nirgends in Europa geht es so rund in der Wolfspolitik wie in Südtirol. Zur Zeit sind es gerade mal etwa zehn Tiere, aber das wird nicht so bleiben. Die Volksseele kocht jetzt schon über. Die Medien sind voll von den Ansichten wichtigtuerischer Wolfsexperten, in Wirtshäusern wie in Amtsstuben hat Isegrim die Meinungshoheit. Es geht drunter und drüber.

Empfang im malerischen Wipptal.

„Draußen“ allerdings, wo die Wölfe sind, arbeiten ein paar hellwache Leute recht erfolgreich daran, das Bild zusammen zu puzzeln.

Einer ist Davide Righetti. Er ist freier Mitarbeiter beim Amt für Jagd und Fischerei. Im vorigen Jahr hatte er wiederholt Wölfe am Nonsberg beobachtet. Das Rudel hat sein Territorium an der Grenze zur Nachbarprovinz Trento. Als sich an einer bestimmten Stelle die Beobachtungen häuften, wurde ein Fangversuch eingeleitet. Zunächst wurden am 07.08.2018 drei Schlingen gestellt, der Abzug aber mit einer Sicherung blockiert. Jede Falle war mit einem eigenständigen Alarmsystem (TrapAlarm mittels GSM) ausgestattet.

Am 09.08.2018 um 21:04 wurden die Schlingen aktiviert (d.h. entsichert). Die dreiköpfige Fangmannschaft (außer Davide noch ein Mitarbeiter vom Amt sowie ein Veterinär) war für einen raschen Einsatz ca. 5 km entfernt positioniert und konnte innerhalb 15 Minuten vor Ort sein. Diese Bedingung hatte das Ministerium gestellt. Nach nicht einmal einer Stunde (um 22.02 Uhr) zeigte sich bereits ein Wolf auf der Videokamera, der aber keine Falle auslöste.

Um 22.52 Uhr jedoch rief der Fallenalarm die Mannschaft auf den Plan. 10 min später (um 23.02 Uhr) war sie vor Ort. Eine Wölfin hatte sich gefangen. Um 23.12 Uhr wurde ihr ein Mix aus Ketamin und Xilazin mittels Jub-Stick verabreicht. Um 23.18 Uhr konnte ihr ein Senderhalsband angelegt werden. Um 00.06 Uhr entfernte sich das Tier eigenständig und schnell vom Ort der Freilassung, ohne Verabreichung von Antisedan.

Nun haben sie großes Kino im Amt für Jagd und Fischerei in Bozen, wo Martin Stadler dafür sorgt, dass die Bewegungen der Wölfin auf dem Bildschirm verfolgt werden können.

Für Kino hat auch Walter Rienzner gesorgt. Als Mitarbeiter vom Amt für Jagd und Fischerei im Pustertal ist er gut vernetzt. In letzter Zeit waren ihm immer wieder unbestätigte, aber glaubhafte Beobachtungen von Wölfen zugetragen worden. Als ihn ein Kollege morgens anrief und erzählte, er habe gerade einen Wolf mit dem Handy fotografiert und auch ein halb aufgefressenes Reh gefunden, rückte Walter mit der Kamera an – doch inzwischen war das Reh verschwunden! Sie fanden die Reste an einem Bach. Walter baute die Kamera auf – und kurz nach Mitternacht hatte er das Tier auf der Festplatte. Nur zwei Tage später – Walter hatte die Kamera bei einem überfahrenen Reh montiert – waren es sogar zwei Wölfe.

Frisch gerissen. Noch in derselben Nacht holte sich der Wolf den Rest. Foto Rienzner

Gewissen Kreisen war das allerdings nicht recht. Als Walter wenige Tage später im brechend vollen Wirtshaussaal in Percha einen Informationsvortrag halten sollte, wurde ihm vom Veranstalter nach wenigen Sätzen das Wort entzogen. Endlos reden durfte dagegen die bayerische Wildbiologin Christl Miller, und zwar volles Rohr gegen die Wölfe.

Eine kleine Zeitung nimmt unterdessen die Agitation der Bauernlobby gegen die Wölfe aufs Korn: https://www.dererker.it/de/news/6841-bauern-fordern-ein-wolfsfreies-wipptal.html?p=0