Bürgerwissenschaftler 2018 in Niedersachsen

Bürgerwissenschaftler 2018 in Niedersachsen

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03.05.2019

Die Naturschutzorganisation Biosphere Expeditions hat nach 2017 auch im Jahr 2018 zwei Wochen lang in Niedersachsen ein aktives Wolfsmonitoring durchgeführt. Im ersten Jahr mussten sich die Teilnehmer noch gehässige Kommentare von Grundeigentümern und der Jägerschaft anhören, doch haben die erzielten Ergebnisse viele Kritiker überzeugt. Die anfangs ebenfalls eher skeptischen Landesforsten haben für 2018 sogar selbst Orte benannt, wo sie sich ein aktives Monitoring durch die Bürgerwissenschaftler wünschten. Die Ergebnisse von 2017 sind in einem detaillierten Bericht nachzulesen. Hier folgt ein Kurzbericht über den Einsatz 2018.

Die Feldarbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem Wolfsbüro des Landes Niedersachsen und einigen Wolfsberatern vom 23. Juni bis 06. Juli 2018 in zwei einwöchigen Gruppen von bis zu zwölf Bürgerwissenschaftlern durchgeführt. Ziel war es, aufgeteilt in Kleingruppen, Wolfshinweise, insbesondere Losungen für DNA-Beprobung und Nahrungsanalysen zu finden.

Bürgerwissenschaftler leisteten auch im Jahr 2018 einen wesentlichen Beitrag zum Monitoring in Niedersachsen.

Von den 24 internationalen Expeditionsteilnehmern kamen 16 Personen aus Deutschland oder seinen unmittelbaren Nachbarstaaten (67%), inklusive zwei Personen aus Niedersachsen (8%), jeweils drei aus Nordamerika und Großbritannien (12,5%) sowie je eine Person aus Island und Australien (4%). Vor Beginn der Geländebegehungen, ausschließlich auf öffentlich begehbaren Wegen, wurde eine eineinhalbtägige Schulung der Expeditionsteilnehmer durchgeführt. Das Untersuchungsgebiet umfasste verschiedene Schwerpunktgebiete in Niedersachsen, die vom staatlichen Wolfsbüro, Wolfsberatern vor Ort sowie den Niedersächsischen Landesforsten empfohlen bzw. angefragt wurden. Fünfzehn der 10×10 km großen Zellen des EU-Gitternetzes und fast 750 km wurden zu Fuß oder mit dem Fahrrad untersucht. Alle Rasterzellen wurden mehrfach besucht, so dass sie insgesamt 29 Mal abgedeckt wurden.

Die Expedition identifizierte insgesamt 250 Wolfslosungen im Gelände, 218 davon wurden in das offizielle Wolfsmonitoring aufgenommen. 200 der Losungsproben wurden zur Nahrungsanalyse tiefgefroren an ein Labor übergeben, 25 davon waren frisch genug für DNA-Analysen. Die übrigen 32 Losungsproben sowie Spuren und Fellreste konnten aufgrund der strengen Datenqualitätsvorgaben nicht als Wolfshinweise genutzt werden.

Elf (5%) der 218 gesammelten Losungsproben wurden als C1 (eindeutiger Nachweis) nach dem SCALP-Verfahren bewertet, 69 (32%) als C2 (bestätigter Hinweis) und 137 (63%) als C3 (unbestätigter Hinweis). Eine der Losungen stammte nicht von einem Wolf. Zusätzlich wurde noch eine direkte Sichtung als ein C3 (unbestätigter Hinweis) aufgenommen.

Durch die Analyse der 25 DNA-fähigen Losungen konnten insgesamt 12 Proben Wölfen zugeordnet werden, eine stammte von einem Fuchs. Es konnten drei Fähen und sechs Rüden identifiziert werden, zwei davon bisher nicht nachgewiesene, also unbekannte Rüden. Unter anderem konnte die Expedition den ersten genetischen Nachweis für das Rudel Wietze erbringen. Außerdem konnten zwei Gebiete mit hoher Wolfsaktivität identifiziert werden: eines im Landkreis Lüchow-Dannenberg und eines in der Region Celle/Hannover.

Die Nahrungsanalyse der Losungsproben, die im Jahr 2017 im Rahmen der ersten Expedition gesammelt wurden, ist nun abgeschlossen. 45 Proben, die mit C1, C2 oder C3a bewertet wurden, enthielten 30% Reh, 29% Wildschwein, 18% Rothirsch, 8% Damhirsch, 8% Rehartige und 7% Hasenartige. Betrachtet man die Biomasse, verschieben sich die Anteile geringfügig. Werden ausschließlich die 21 als C1 bewerteten Losungsproben betrachtet, gibt es leichte, aber keine signifikante Verschiebung. Ein wichtiger Aspekt ist das Fehlen jeglicher Nutztiere in den untersuchten Proben. Dies bestätigt die generell geringen Anteile an Nutztieren in der Wolfsnahrung.

Ebenso wie bei der Expedition 2017 ist die Quantität als auch die Qualität der Losungsproben, die im Rahmen der Expedition 2018 gesammelt wurden, beachtlich. Im Rahmen des offiziellen (passiven) Wolfmonitorings wurden im Jahr 2016/17 insgesamt 215 Losungsproben erfasst, im Jahr 2017/18 etwa dieselbe Anzahl. Das bedeutet, dass die zweiwöchige aktive Bürgerwissenschaftler-Monitoring-Expedition mit 218 protokollierten Losungsproben die Gesamtmenge an Losungsproben und somit wertvoller Daten für das offizielle Wolfsmonitoring verdoppelt hat. Mit 37% C1- und C2-Bewertungen ist deren Qualität bemerkenswert hoch und vergleichbar mit den 40% des passiven offiziellen Monitorings außerhalb der Expedition. All dies belegt, dass Bürgerwissenschaftler mit eineinhalb Tagen Schulung einen quantitativ und qualitativ hochwertigen Beitrag zum Wolfsmonitoring leisten können.

Im Sommer 2019 ist ein weiterer, der dritte Einsatz in Planung. Weitere Informationen unter https://www.biosphere-expeditions.org/volunteeringingermany