Die Dresdner Resolution: Wo bleibt das Positive?

Die Dresdner Resolution: Wo bleibt das Positive?

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28.11.2016

Zum Davonlaufen findet dieser Wolf die Dresdner Resolution. Fot Karsten Nitsch.

Zum Davonlaufen findet dieser Wolf die Dresdner Resolution. Foto Karsten Nitsch.

Fünf Seiten umfasst die Dresdner Resolution von CDU und CSU zum Wolf in Deutschland. Ein trockener, jeglicher Inspiration barer Text ist das, den die umweltpolitischen Sprecher der beiden Schwesterparteien da fabriziert haben. Sie reden der Fraktion der Nutzer nach dem Munde, und kein Klischee ist ihnen dabei zu schade. Ich finde das respektlos gegenüber den Leuten, die sich darum kümmern, das schwierige Verhältnis Wolf – Mensch in unserer Zivilisationslandschaft hinzukriegen. Kein Wort wird verloren darüber, welch guten Ruf unser Management inzwischen international genießt. Politisch motiviert kann das nicht sein; denn die Regierungen der Wolfsländer sind politisch so bunt zusammengesetzt wie ein Malkasten. Nein – die umweltpolitischen Sprecher von CDU/CSU sind mit dem Thema nicht vertraut und haben sich nur einseitig informiert.

An keiner Stelle findet sich in dieser Resolution ein unmissverständliches Bekenntnis dazu, dass man künftig in Deutschland mit Wölfen leben will. Man müsse darüber „nachdenken“, wie man die anwachsende Wolfspopulation „noch stärker (?) kontrollieren kann“ – wie man sich das vorstellt, wird nicht erklärt. Zum gefühlt hundertsten Mal wird die Abgrenzung von Populationen in Frage gestellt – als ob das irgendetwas zur Lösung von Konflikten beitragen könnte! Wölfe, die Schafe reißen, wo es ihnen leicht gemacht wird, werden zu „Problemwölfen“ erklärt – als ob dazu nichts in den Wolfsmanagementplänen der Länder steht. Und es wird munter darüber schwadroniert, den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen – anstatt sich in Sachsen (CDU-regiert!) umzuhören, was die Übernahme des Wolfs ins Jagdrecht (CDU-initiiert) gebracht hat: Nichts außer einer Verdoppelung der Bürokratie.

Wo also bleibt das Positive? In ihrer Kritik an umständlichen Behördenvorgängen ist den Sprechern zuzustimmen – aber das hat nichts mit den Wölfen zu tun, sondern begleitet uns inzwischen überall. Und mit ihrem Appell an den Bund, sich stärker für eine Vereinheitlichung des Wolfsmanagements einzusetzen, sprechen sie mir aus dem Herzen – aber das rührt am Verständnis von „Föderalismus“, den viele Landesfürsten und ihre Beamten wie eine Monstranz vor sich hertragen und die deshalb lieber das Rad neu erfinden, als auf Bewährtes zurückzugreifen. Und weil in dem Positionspapier zwar viele Buchstaben, aber wenig Ideen vorzufinden sind, mag sogar positiv stimmen, was die CDU/CSU-Sprecher nicht gefordert haben: Bestandsobergrenzen und No Go Areas. Immerhin.

Ob nun unsere Wolfspopulation mit der im Baltikum oder sonstwo zusammenhängt – das ist mir egal. Nicht egal ist mir, dass man den Wölfen bereits Grenzen aufzeigen will (Kontrolle!), bevor sie noch richtig Fuß gefasst haben. Hinter solchen pseudowissenschaftlichen Erörterungen steht nichts anderes als der Wunsch, Wölfe schießen zu dürfen. Wenn wir es mit der Erhaltung, gar Wiederherstellung von Biodiversität ehrlich meinen, dann verbieten sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt solche kleinkarierten Gedankenspiele. Von „umweltpolitischen Sprechern“ erwarte ich mehr, egal welcher politischen Richtung sie angehören.

Unterschrift UW 30

 

 

Die Dresdner Resolution finden Sie mit Kommentaren im FORUM.

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