Alle Jahre wieder: Wie viele Wölfe?

Alle Jahre wieder: Wie viele Wölfe?

30

15.12.2017

Im November ist der offizielle Status der deutschen Wölfe vom BfN veröffentlicht worden. Demnach waren im Bundesgebiet zu Ende des Monitoringjahres 2016/17 – also vor acht Monaten – 60 Rudel, 13 territoriale Paare und drei ortsfeste Einzelwölfe bestätigt. Das BfN geht auf dieser Grundlage von insgesamt 150 – 160 erwachsenen Wölfen im Bundesgebiet aus. Wie gesagt – das ist der Stand vor acht Monaten.

Auf der Website der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes – Wolf (DBB Wolf) ist das sehr gut dargestellt. Außerdem gibt es auch eine Darstellung der aktuell bekannten Rudel, Paare und Einzelwölfe, die sich natürlich laufend ändert. Wer will, kann sich zudem noch über den jeweiligen Status in den Jahren vorher informieren, der sich durch nachträgliche Erkenntnisse, z. B. auf Grund von genetischen Analysen, ebenfalls ändern kann.

Das ist eine sehr gelungene Sache geworden. Da wurde ein Riesenberg von Monitoringdaten zusammen getragen, sortiert, analysiert und schließlich bewertet. Hut ab!

Beim Zählen von Wölfen kann man schon mal durcheinander kommen. Hier waren es sechs Wölfe (Foto Hayes)

Beim Zählen von Wölfen kann man schon mal durcheinander kommen. Hier waren es sechs Wölfe (Foto Hayes)

Dennoch treten Leute auf den Plan, die meinen, es besser zu wissen. Als ob sie an einer ansteckenden Krankheit litten, meinen sie alle, es seien mehr, ja viel mehr Wölfe. Woher sie ihr Wissen schöpfen, bleibt ihr Geheimnis. So verkündete Umweltminister Till Backhaus schon vor Bekanntgabe der Ergebnisse, es seien eintausend Wölfe allein in Deutschland. Inzwischen ist er zurück gerudert. In der WELT redet er jetzt „nur noch“ von 650 Wölfen. Oder Rolf Kotzur vom Sächsischen Landesjagdverband, der gleich sechsmal so viele Wölfe annimmt. Oder Gregor Beyer vom Forum Natur, der „nur“ von doppelt so vielen ausgeht.

Im November 2016, also sechs Monate vor Ende des Monitoringjahres 2016/17, hatte ich eine vorläufige Schätzung aufgemacht und war damals bereits auf 60 Rudel gekommen. Ein Glanzstück? Nein – ein Zufall, der allenfalls zeigt, wie gründlich man vorgehen muss. Nach meinen eigenen Faustregeln, die ich auf Wolfsite am 28.11.2016 vorgestellt habe (Anzahl der Rudel mal drei), entspricht das etwa 180 erwachsenen Wölfen oder 540 insgesamt.

Meine Schätzwerte für erwachsene Wölfe liegen also höher als die der DBBW mit 150 – 160. Die DBBW zählt die bestätigten erwachsenen Wölfe (jeweils zwei pro Rudel bzw. Paar) und die einzelnen Wölfe (sie werden als erwachsen betrachtet) zusammen. Das ergibt 149. Ein Schwachpunkt ist der Aufschlag von bis zu elf Wölfen, um auf 150 – 160 zu kommen: Das ist nur eine Mutmaßung, es können auch etliche mehr sein.

Und wie viele sind es heute, im Dezember 2017? Wenn sich die Zuwachsrate von einem Drittel (33%) gehalten hat, wie sie bisher beobachtet wurde, sollten es 80 Rudel sein. Mal drei – das wären 240 erwachsene Wölfe. Oder mal neun – das wären 720 Wölfe im Bundesgebiet insgesamt. Wie gesagt – nach MEINER Faustregel, nicht nach der Methode der DBBW.

Was ist „richtig?“ Das weiß niemand. Ich meine, die Werte der DBBW sind konservativ, also eher im unteren Bereich, meine dagegen im oberen, wahrscheinlich zu hoch. Beide sind plausibel. Die der DBBW sind durch eine große Datenmenge gestützt und wurden von der Runde der Erfahrenen Personen der Länder ausgiebig erörtert. Das sind nicht irgendwelche Wolfsfreunde, sondern ausgewiesene Fachleute. Wir tun daher gut daran, uns an diese Werte zu halten.

Das meint Ihr

Unterschrift UW 30