Der Wolf ist in Deutschland nie ausgestorben!

Der Wolf ist in Deutschland nie ausgestorben!

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08.12.2017

Gregor Beyer, FDP Brandenburg

Gregor Beyer, FDP Brandenburg

Auch der Landtag von Baden-Württemberg erlebte eine Märchenstunde. Anlässlich einer Anhörung zum Wolf verkündete der Geschäftsführer des Forums Natur Gregor Beyer, der Wolf sei „in Deutschland nie ausgestorben.“ Man habe ihn lediglich „an der Reproduktion gehindert.“ Alles andere sei „ein Märchen.“

Nach dieser Lesart ist der Wolf beispielsweise auch in Niedersachsen nie ausgestorben. Denn immerhin sind in diesem Bundesland allein nach dem II. Weltkrieg fünf Exemplare erschienen – 1948 Fallingbostel, 1952 Unterlüß, 1952 Uelzen, 1955 Fallingbostel, 1956 Gifhorn. Die hat man ebenfalls an der Reproduktion gehindert, indem man sie totschoss (übrigens ganz legal). Ebenso wie die über dreißig Wölfe, die nach dem Krieg aus Polen in die damalige DDR kamen und erlegt wurden.

Beyer zweifelt auch die offiziellen Risszahlen in Brandenburg an. Weil viele Risse wegen des bürokratischen Aufwands nicht gemeldet werden, schätzt er die tatsächliche Zahl etwa zehnmal (!) so hoch wie angegeben. Belege für seine Ansichten zeigt er nicht her. Und den Wolfsbestand schätzt er doppelt so hoch wie vom Monitoring festgestellt.

An der Reproduktion gehinderter Wolf (Foto Peuker)

An der Reproduktion gehinderter Wolf (Foto Peuker)

Dass man Wolfszahlen willkürlich verdoppelt (oder versechsfacht wie in Sachsen), oder Risszahlen in schwindel-erregende Höhen redet, oder Hybriden erfindet – all das ist in der Diskussion um unsere Wölfe leider üblich geworden. Vielleicht sind es diese Märchen, auf die sich manche Politiker berufen, wenn sie Obergrenzen, Eingriffsmöglichkeiten oder das Jagdrecht für Wölfe fordern, wie z. B. der Bundeslandwirt-schaftsminister Christian Schmidt, CSU – dessen diesbezüglicher Antrag von der EU kurz und schmerzlos abgeschmettert wurde, oder Umwelt- und Agrarminister Till Backhaus, SPD. Warum sollte es in der „kleinen“ Politik um Wölfe anders sein als in der „großen.“ uw