Plädoyer für den echten Wolf von Valerius Geist

Plädoyer für den echten Wolf von Valerius Geist

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18.06.2016

Valerius Geist, 78, emeritierter Professor für Wildbiologie an der Universität Calgary, meldet sich erneut in der europäischen bzw. deutschen „Wolfspolitik“ zu Wort. Kommentare dazu von Ulrich Wotschikowsky in kursiver grüner Schrift.

Der Wolf, den man nördlich der großen eurasischen Ost-West verlaufenden Gebirgsketten findet, und der über Sibirien nach Nordamerika kam, ist aus ökologischer Sicht ein Schneehund. Er ist angepasst an eine Landschaft, die großflächig in langen Wintern mit Schnee und Eis sowie im Frühling, Sommer und Herbst mit Wasser und Sümpfen bedeckt ist und von vielen Bächen und Strömen durchfurcht wird. Dieser Wolf muss somit nicht nur in weichem, oft tiefem und manchmal sehr tückischem Schnee jagen, sondern auch in weichen Sümpfen und Wiesen. Er muss dazu ein Wild einholen, das ins Wasser flüchten kann und dann schwimmend eingeholt werden muss.

Dazu kommen die reißenden Ströme, in denen während der Schneeschmelze oft noch mörderische Eisschollen treiben, und die der Wolf überwinden muss, wenn er nicht hungernd auf einer kleinen futterlosen Insel hängen bleiben will, von reißendem Wasser umringt. Der Wolf ist in der Tat ein begnadeter Schwimmer, der manche seiner Beutetiere im Wasser einholt und diese an Ort und Stelle frisst. Dabei beißt der Wolf in den Wildkörper, stemmt sich mit den Vorderläufen ab und reißt große Stücke Muskulatur aus dem lebenden Tier. In der Tat grauenhaft anzusehen – aber so etwas wird natürlich von keiner Fernsehstation ausgestrahlt!

Seriöses Fernsehen muss sich auf dem schmalen Grat zwischen objektiver Information einerseits und voyeuristischem Zuschauerinteresse andererseits bewegen. Blutige Szenen sind nur voyeuristisch, deshalb haben sie dort nichts zu suchen. Auch nicht in einem Artikel wie diesem hier, der mit wissenschaftlichem Anstrich daherkommt. Der Verweis auf das blutige Handwerk von Wölfen trägt zu der Botschaft, die V.G. überbringen will, nichts bei.

Der Wolf kann sich also perfekt im Wasser als auch auf dem Lande von seinen Beutetieren ernähren. Folglich ist es wenig erstaunlich, dass eben diese Wölfe im Vergleich zu anderen Caniden und Haushunden eindeutig belegbar relativ große Pfoten haben. Es sind Pfoten, die sich dazu noch sehr weit spreizen lassen, mit einer „Schwimmhaut“ verbunden, „Schneeschuhe” und „Paddel” zugleich sind.

Dazu sind die Wolfs-Zehen mit je einem harten Nagel versehen, muss sich der Wolf doch sicher auf steilen Hängen mit gefrorenem Hartschnee ebenso wie auf vereisten, noch schneefreien Seen bewegen bzw. sich blitzschnell auf eine Eisscholle retten können, ehe er vom Treibeis zermalmt wird.

Im Süden ihrer globalen Verbreitung, in Asien und Afrika, evolvierten allerdings Wölfe, die sich kaum mit Schnee und Wasser auseinandersetzen mussten, sondern deren Pfoten vornehmlich der schnellen Fortbewegung auf harten Böden dienten. Hier würden die großen, weichen Pfoten des Schneehundes keinerlei Vorteile bringen. Im Gegenteil, hier sind harte, kleine Pfoten mit geringer Spreizung gefragt. Ein typisches Vergleichs-Beispiel hierzu ist die Pfote des Goldschakals, dessen Vorderballen verwachsen sind und somit nicht weit gespreizt werden können. Die Wolfspfote ist somit, geographisch definiert, ein eindeutiges diagnostisches Erkennungsmal.

Mit einem einzigen Satz, dem letzten, entzieht sich V.G. der Frage, ob sich bei der weiten Verbreitung des Wolfes die höchst unterschiedlichen Herausforderungen der jeweiligen Umwelt – Arktis und Wüste, Sand und Schnee, Waldboden und Fels et cetera – nicht auch in unterschiedlichen morphologischen Ausprägungen äußern sollten, zum Beispiel in der Pfote. Was sollen Wölfe in den ausgedehnten zentralasiatischen Steppen mit „Schwimmhäuten“ zwischen den Zehengliedern? Welchen Anpassungsvorteil hätten große Pfoten in den gemäßigten Breiten wie Mitteleuropa?

Für unsere Gegenden interessant ist dabei die wissenschaftlich belegte Tatsache, dass unter bestimmten Verhältnissen Wölfe sich erfolgreich mit Schakalen und auch Hunden kreuzen können. Die entstehenden Mischlinge haben entweder Schakalpfoten oder deutlich erkennbar kleine, wenig spreizbare Hundepfoten. Beide Spezies sind folglich in freier Wildbahn mit Winterwetter gegenüber reinblütigen Wölfen benachteiligt.

Die in Deutschland wieder auftauchenden Wölfe sind schon lange keine Wölfe mehr, sondern schlicht anhand ihrer eindeutigen Pfotenstruktur nachweisbare Bastarde aus Wölfen mit Schakalen und/oder Haushunden!

V.G. kann keine Untersuchung von Pfotenstrukturen benennen, die wissenschaftlichen Mindeststandards genügt. Spätestens hier verlässt V. G. wissenschaftlichen Boden und bewegt sich nur noch im Raum der Spekulation.

Deren gesetzlicher Schutz hat weder mit Wissenschaft noch mit Naturschutz etwas zu tun, – geschweige denn mit dem taxonomie-freien Kokolores von DNA Untersuchungen! Eindeutig ein Schwindel von einer verantwortungslosen so genannten „grünen“ Politik und einer beschämenden Pseudowissenschaft.

Wölfin in der Lausitz. Nach Geist muss es ein Hybridwolf sein. Foto Speefotograf

Wölfin in der Lausitz. Nach Geist muss es ein Hybridwolf sein. Foto Spreefotograf

Bedauernswert, ja, schlimmer noch: vorsätzliche Falschdarstellung einer Faunen-Verfälschung mit all ihrer negativen Auswirkung auch für den reinrassigen Wolf selber. Derartige Bastarde mit großem Aufwand von Steuer- und Spendengeldern unter Schutz zu stellen ist ein wissenschaftlicher Hohn, in keiner Weise ökosystemgerecht und schlichtweg Betrug an einer gutgläubigen und an Naturschutz interessierten Bevölkerung.

Wir wollen jedoch den echten Wolf erhalten! In Nordamerika ist es nicht nur der „große Wolf”, sondern auch der „kleine Wolf”, der Coyote oder Amerikanische Präriewolf, ein ganz pfiffiges Kerlchen, welcher unter amerikanischen Eingeborenen etwa den Ruf genießt, welcher in Deutschland dem Reineke Fuchs zusteht, und der durch amerikanische Wolfpolitik nun auch vor dem Aussterben durch Hybridisierung bedroht ist.

Ich werde etwas ausschweifen um die Lausitzer „Wölfe” zu charakterisieren. Meine erste Begegnung war durch finnische Kollegen entstanden, welche Deutschland besuchten, wo ihnen dann ein großes Plakat gezeigt wurde. Es sollte eine Wolfsspur im Schnee zeigen. Meine finnischen Kollegen erkannten sofort, dass es eine Hundespur war, keine Wolfsfährte. Also konnten die deutschen Wolfexperten die Fährten eines Hundes nicht von denen eines Wolfes unterscheiden, denn sie hatten wohl weder echte Wölfe zu beobachten noch zu fährten.

Nach dem Internationalen Wolf-Symposium in Wettringen wurde mir der Schädel eines Lausitzer „Wolfes” gezeigt, den ich augenblicklich als „Hund” bezeichnete. An alle Merkmale kann ich mich nicht erinnern, wohl aber an die fehlende Einkerbung am hinteren Sagittalkamm, die jedem Wolfe eigen ist.

Über die fachliche Substanz des „Internationalen Wolf-Symposiums“ in Wettringen ist nichts zu erfahren, weil nur einem ausgewählten Teilnehmerkreis Zutritt gewährt wurde (mir und anderen wurde er verwehrt), und weil die Ankündigung der Veranstalter, die Referate ins Netz zu stellen, irgendwann im Sande verlief, vermutlich deshalb, weil man technisch dazu nicht imstande war. Der Referentenkreis bestand größtenteils aus international bekannten Wolfsgegnern.

Es fiel mir auch auf, dass die Lausitzer „Wölfe” rot hinter den Ohren gefärbt waren. Das war störend, aber es wurde eingewendet, dass auch spanische Wölfe rot hinter den Ohren gefärbt waren. Es war störend, denn bei Wildzählungen mit dem Hubschrauber in Kanada, da musste man blitzschnell entscheiden, ob ein Wolf oder Coyote unter dem Hubschrauber heraussauste und ebenso schnell wieder verschwand. Es ist jedoch eine Leichtigkeit, denn Wölfe sind grau hinter den Ohren und Coyoten rot. Erst als es bekannt wurde, dass „Wölfe” in Italien, Frankreich, der Schweiz und sogar in Deutschland mit Schakalpfoten auftauchten, dämmerte es mir, dass in Europe der Schakal eine ähnliche Rolle spielen könnte wie der Coyote in Nordamerika.

Dort haben sich Coyoten, Grauwölfe, Östliche Wölfe und Hunde in den „coywolf” zusammengemischt. Goldschakale haben ja rot hinter den Ohren, aber finnische Wölfe der Frühzeit (Kaj Granlund: Das Europa der Wölfe, Bild 2.39 S. 65) und der Sibirische Wolf (Bild 2.4 S. 27) haben grau hinter den Ohren, so auch der bei Granlund als Wolf identifizierte Canide in Bild 2.41 No. 6  S. 69.

Auf den wenigen Bildern, auf denen die Pfoten der Lausitzer „Wölfe” zu sehen waren, erschienen sie mir wie kleine Hunde-, nicht wie Wolfspfoten. In dieser Hinsicht ist besonders auf die wertvolle Arbeit von Wernher Gerhards zu verweisen, der die Unterschiede von Wolf und Hund anhand der Trittsiegel klar herausstellte (Carolus-Kreuz etc.).

Ich wüsste gerne, welche „Arbeit“ V.G. meint. In der wissenschaftlichen Literatur bin ich nicht fündig geworden.

Es ist auch auf die kontrastreiche Gesichtsmaske der Lausitzer „Wölfe” hinzuweisen, welche Hybriden eigen ist.

Die Bilder und Videos, die ich von deutschen „Wölfen“ gesehen habe, zeigen eine hundeartige Körperhaltung und Bewegungsform. Ich kenne Wölfe aus jahrelanger Beobachtung in freier Wildbahn und bin mir gewiss, dass die Unterschiede auf differenter Muskelanatomie beruhen, welche im United States Fish and Wildlife Service, Forensic Laboratory in Ashland, Oregon ausgearbeitet wurden. Es ist mir nicht bekannt, dass die Lausitzer „Wölfe” auf diese Unterschiede untersucht worden sind.

V.G. hat meines Wissens noch keinen einzigen Wolf in der Lausitz in freier Natur gesehen. Aber Bob Hayes, der eines der umfassendsten Forschungsprojekte im Yukon geleitet hat, und Alan Baer, der im selben Projekt als Wildlife technician und Narkoseschütze beteiligt war, haben unabhängig voneinander mehrere Stunden ausgezeichnetes Filmmaterial von Sebastian Koerner angesehen. Keiner hat jemals irgendwelche Zweifel geäußert, dass die gefilmten Lausitzer Wölfe Wölfe waren und nichts sonst.

Wolfskenner wie Professor Pjotr Danilov haben die Lausitzer Wölfe öffentlich als Hybriden bezeichnet, (so Marion Klemp, EXPERTE, Die Tiere wurden mit scharfen Hunden gekreuzt… Sind die Lausitz-Wölfe nicht echt? Forst – Wölfe in der Lausitz – ein Riesenschwindel? Experten aus dem Ausland waren jetzt im Revier. Ihr Fazit ist niederschmetternd: „Das sind keine Wölfe”, behauptet Prof. Pjotr Danilov (69) von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Die Wolfs-Freunde vom Projekt „Lupus” geben Hybriden im Revier zu. „2003 gab es einen solchen Wurf”, sagt Gesa Kluth (Berliner Kurier 5 October 2015 19:41 Uhr). Lesen Sie mehr auf: http://www.berliner-kurier.de/experte-die-tiere-wurden-mit-scharfen-hunden-gekreuzt-sind-die-lausitz-woelfe-nicht-echt–21707016?originalReferrer=https://www.facebook.com&originalReferrer=http%3A%2F%2Fwww.vwl-ost.ch%2Faktuell%2F. Sehen Sie auch Seite 186 in Kaj Granlund 2015 Das Europa der Wölfe).

Klicken Sie sich rein in den Link, um zu verstehen, welche Quellen der Wissenschaftler V.G. für seine kruden Ansichten heranzieht.

Was genetische Studien anbetrifft, so können solche nicht über Hybriden und reine Wölfe entscheiden, es sei denn, sie basieren nicht nur auf taxonomisch einwandfreien Wölfen, sondern auch auf solchen, welche von Gegenden kommen, wo Wölfe noch in Ökologie und Verhalten echte Wölfe sind. Und das bedeutet, dass man weit nach Osten in Russland oder sogar nach Westsibirien gehen muss, um noch unverdorbene Wölfe zu finden. Ist das so schwer zu begreifen? Im Wettringen Symposium zeigte ein russischer Kollege, dass die genetischen Proben immer mehr Hundegene aufweisen, je weiter man in Europa von Ost nach West geht. Von Granlund wurde in seinem ausgezeichneten Buch, aber auch von anderen skandinavischen Kollegen immer wieder darauf hingewiesen, wie weit in Russland die Hybridenzucht für Grenz-,  Militär- und Polizeizwecke getrieben wurde und dass solche Mischlinge freigesetzt worden sind. So z. B. erklärte mir im Gespräch im September 2015 in Schweden der Professor für Genetik, Dr. Oje Danell, dass die schwedischen Wölfe von Wolf- und Hundekreuzungen in Russland und der finnischen Grenze herstammen. Sie wurden somit ausgesetzt. Und an dieser Sache arbeiten heute Kollegen, denen wir erlauben müssen ihre Arbeiten abzuschließen und selbst zu veröffentlichen. Aber auch Danilov zeigt auf dieses hin (Seite 186 in Granlund (2015): Das Europa der Wölfe). Auf meine kollegiale Anfrage, ob man die genetisch getesteten Wölfe auch taxonomisch ausgewertet hat, wurde mir barsch erwidert, dass man völliges Vertrauen zu den Zulieferern der genetischen Proben habe.

Das Problem in Europa ist, dass man alles im Entferntesten „Wolfsähnliche“ gleich als Wolf bezeichnete und in die genetische Datei mit eintrug. Und das stimmt nicht nur für die „Flachlandwölfe Deutschlands”, sondern auch für die erbarmenswürdigen Kreaturen, die mir in Italien als Wölfe vorgestellt wurden. Als ich dann herausplatzte „What?? These are wolves??” boxte mir mein guter Freund Professor Wolfgang Schröder in die Rippen und zischte mir – natürlich auf Deutsch – ins Ohr “Halts Maul und beleidige nicht unsere italienischen Gastgeber” – Na also.

Ich hatte das Vergnügen, bei dieser Reise nach Italien dabei zu sein. Dabei ging es nicht um Wölfe, sondern um ein Symposium über Gebirgshuftiere, bei dem V.G. einen (spannenden) Vortrag hielt. Ich halte seine Geschichte für erfunden. Was nichts damit zu tun hat, dass es in Italien einen hohen Prozentsatz von Hybriden gibt, die Rede ist von 15 – 20%. Und wieder auf einem anderen Blatt steht, ob das „erbarmenswürdige Kreaturen“ sind …

Ist das, was in der Lausitz getrieben wird, Wissenschaft? Oder Naturschutz? Ich habe mich in dieser Hinsicht nicht diplomatisch ausgedrückt, sondern diejenigen, welche die EU-Wolfpolitik verfolgen als Totengräber des Wolfes bezeichnet, denn diese Politik vernichtet den Wolf als natürliche Art, als Naturprodukt. Der Wolf kann sich in besiedelter Landschaft auf lange Sicht nicht halten, weil er zunehmend mit Hunden verbastardiert wird. Und Hund und Wolf sind sehr verschiedene Tiere trotz großer genetischer Ähnlichkeit, so wie Mensch und Schimpanse grundverschiedene Arten trotz enormer genetischer Ähnlichkeit sind. Die Unkenntnis über Epigenetik ist bedauernswert, also die Steuermechanismen, welche aus ganz ähnlicher Generik grundverschiedene Arten hervorbringen. Wale und Schweine sind sich genetisch sehr nahe, aber durch grundverschiedene Steuerung der gleichen Gene, auch grundverschiedene Arten. Man erhält den Wolf nicht, indem man Mischlinge schützt (und dieses Gebiet ist nicht gerade jung, so ausführlicher bei Geist, V. (1978):  Chapter 6, How genes communicate with the environment – the biology of inequality. pp. 116-144 in Life Strategies, Human Evolution, Environmental Design. New York. Springer-Verlag.).

Hundegene in der Genetik der Wölfe sind somit eine ganz böse Sache, denn sie vernichten den Wolf als Art. Und das ist nicht nur aus dieser Sicht unverantwortlich, sondern besteht auch darin, was man der menschlichen Bevölkerung durch diese unheilvolle Wolfpolitik auferlegt. Mit Ethik ist dies nicht zu vereinbaren! Wehe, was da noch alles in Deutschland auf die Bevölkerung zukommt! Wollen wir den Wolf als Art erhalten, müssen wir ganz anders vorgehen, als es jetzt in Europa und Nordamerika der Fall ist.

Keinen einzigen Gedanken enthält diese Polemik, wie man den „echten“ Wolf retten könnte. Valerius Geists „Plädoyer“ trägt zur Erhaltung der Wölfe, seien sie „echt“ oder nicht, nichts bei.