Niedersachsens Jägerpräsident zum Fall Steinfeld

Niedersachsens Jägerpräsident zum Fall Steinfeld

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27.12.2018

Nachdem schon der Umweltminister mit seinen Kommentaren zum „Fall Steinfeld“ – wo angeblich ein Arbeiter von einem Wolf gebissen worden war – nicht eben positiv oder sachkundig aufgefallen war, hat sich nun auch der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen Helmut Dammann-Tamke zu Wort gemeldet. Die Stader Kreiszeitung gibt ihm am 10.12.2018 reichlich Raum, seine Ansichten zu dem Fall auszubreiten. Der Jägerpräsident nutzt die Gelegenheit zu einem Rundumschlag gegen das Institut Senckenberg. Das ist eine unfassbare Diffamierung und üble Nachrede, und dazu auf fachlich äußerst dünnem Niveau.

Helmut Dammann-Tamke, CDU, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen.

Herr Dammann-Tamke ist mit dem Ergebnis der genetischen Analyse („Wolf nicht nachweisbar“) offensichtlich nicht zufrieden. „Die Angaben des gebissenen Gemeindearbeiters klingen glaubhaft,“ hält er dagegen, aber das hat ohnehin niemand bestritten. Der Arbeiter hatte nie von „Wölfen“ gesprochen. In der Region, so Dammann-Tamke, streife „ein Wolfsrudel umher, auf das die Beschreibung des Mannes passt.“ Der Mann hat überhaupt kein Wolfsrudel beschrieben. Er „begrüße“ es, so Dammann-Tamke, dass Umweltminister Olaf Lies das Rudel besendern wolle, um „ein Bewegungsprofil des Rudels zu erstellen.“ Solche Kommentare offenbaren nichts anderes als blanke Ahnungslosigkeit über die Möglichkeiten und Grenzen, ja die schiere Machbarkeit solcher Aktionen.

Dammann-Tamke bemängelt „fehlende Transparenz“ (seitens Senckenberg). Wenn er damit die wissenschaftlichen Methoden des Instituts meint – die sind in einer Fülle wissenschaftlicher Literatur nachzulesen. Genetik ist im Übrigen eine komplizierte Angelegenheit, und es ist keine Schande, wenn man mit der relevanten Literatur überfordert ist. Aber es ist respektlos und arrogant, sich auf schwacher Grundlage zum Kritiker zu erheben.

Eine üble und durch nichts belegte Unterstellung ist die Andeutung des Jägerpräsidenten, die Ergebnisse des Instituts Senckenberg könnten durch einen „politischen Filter“ gehen (Filter der Wolfslobby, wer sonst). Vielleicht ist das „nur“ ein Seitenhieb des CDU-Abgeordneten gegenüber dem regierenden Umweltminister (SDP). Dass sich aber ausgerechnet ein Jägerpräsident so äußert, ist besonders pikant – gehört es doch zum selbstverständlichen Allgemeinwissen über politische Vorgänge, dass die organisierte Jägerschaft Einfluss auf jagd- und naturschutzrechtliche Entscheidungen weit über das Maß hinaus ausübt, das ihr aufgrund ihrer Mitgliederzahl eigentlich „zusteht.“

Die Äußerungen des Jägerpräsidenten sind ein unwürdiges, populistisches und fachlich durch nichts begründetes Gerede, das die betroffenen Menschen nur verunsichert, anstatt zur Lösung von Konflikten mit den Wölfen beizutragen. Aber an einer Lösung ist Herr Dammann-Tamke vermutlich gar nicht interessiert. Er will ganz offensichtlich, dass das Wolfsmanagement an die Wand fährt, und hofft wohl, sich dann als Feuerwehrmann in Szene setzen zu können.

Verantwortung tragen für die Natur und ihre wilden Bewohner, wie es ein anerkannter Naturschutzverband eigentlich auf der Fahne tragen sollte, sieht anders aus.

Ulrich Wotschikowsky