Lateinstunde bei Gert G. von Harling

Lateinstunde bei Gert G. von Harling

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24.06.2015

2aNiedersachsen hat ungefähr 140 Wolfsberater im Einsatz. Einer von ihnen ist Gert G. von Harling, ein viel gelesener Autor jagdlicher Belletristik. Vor kurzem hat er seine Ansichten über das Wolfsgeschehen in Niedersachsen zum Besten gegeben. Die Bühne dafür bot ihm die Website Wolf-nein-danke.de. Dort wird gegen Wölfe und ihre Freunde gehetzt, was das Zeug hält. Von Harling wird gewusst haben, warum er sich ausgerechnet dieses Podium für das Jägerlatein aussucht, das er über Wölfe verzapft. Einen Teil seiner Ansichten konnten Wolfsiteleser bereits unter ” Morddrohungen” kennenlernen. Hier nun einige weitere:

Er könne, klagt er, den Leuten nicht erklären, warum man Wölfe, die bei uns „fröhlich mordend“ durch die Wälder zögen, nicht bejagen dürfe, während sie doch in unseren östlichen Nachbarländern bejagt würden, ja sogar müssten – wie bitte? Das einzige „östliche Nachbarland“ mit Wölfen ist Polen. Dort dürfen Wölfe schon seit Jahren nicht mehr bejagt werden. Auch nicht in Frankreich oder Italien (mehr oder weniger Nachbarländer).

Er wundert sich darüber, dass die Wolfsdichte in Niedersachsen und Sachsen mittlerweile höher sei als in Regionen wie Russland oder Amerika. Ist ihm bei seinen vielen Jagdreisen schlicht entgangen, welche Ausrottungskampagne die Wolfspopulation in den USA gerade hinter sich hat? Und dass die Wölfe in Russland nicht nur nach wie vor energisch und mit allen Mitteln reduziert werden, sondern dass das Beuteangebot wegen rauem Klima und viel „Wilderei“ (besser: Selbstversorgung einer armen Landbevölkerung) viel geringer ist als bei uns? Wenig Beute, wenig Wölfe – eine einfache ökologische Grundregel. Aber die passt nicht in von Harlings Weltbild. Es sei nämlich „ein Irrglaube“, dass die Zahl der Wölfe in gleichem Maß abnimmt wie ihre Nahrung, das Schalenwild.

Gert G. von Harling konnte auf Anfrage per e-mail keine Auskunft geben, auf welche wissenschaftlichen Erkenntnisse er seine Ansicht stützt. Stattdessen schwadroniert er davon, dass es „bei ungesteuerter Wolfspopulation bald kaum noch reproduktionsfähige Reste von Schalenwild geben wird.“ „Fröhlich mordend“ werden also die Wölfe durch die Reviere ziehen, werden keine reproduktionsfähigen Reste von Schalenwild übrig lassen – schade nur, dass uns von Harling nicht mitteilt, wovon denn die Wölfe überall auf der Welt leben, wenn sie solch ein Desaster hinterlassen haben. „Wolfsberater,“ sagt er, „kennen das Problem!“ Welche Wolfsberater sind das? Da lachen ja die Hühner.

Um Isegrim so richtig schlecht zu machen, stellt er auch noch fest, dass Wölfe sogar „ihre eigene Art“ fressen – das hätten Forschungsergebnisse aus dem Yellowstone-Nationalpark ergeben. Auch diese „Forschungsergebnisse“ konnte von Harling nicht nennen. Jägerlatein, soweit das Auge reicht.

Alles nur Jägerlatein? Vielleicht gehören von Harlings Erzählungen in diese Kiste befördert und schlicht ignoriert. Stoff für eine ernsthafte Auseinandersetzung geben sie nicht her. Fragen muss man sich aber, wer einen Gert G. von Harling als Wolfsbetreuer ausgewählt bzw. vorgeschlagen hat. Fragen muss man sich, ob er jemals eine Schulung mitgemacht hat, und bei wem. Fragen muss man sich, ob dieser Wolfsberater ein Einzelfall ist oder ob es noch weitere solche Wolfsberater in Niedersachsen gibt.

Gert G. von Harling beklagt sich auch noch darüber, dass seine Erfahrungen von deutschen „Wolfsexperten“ nicht gefragt seien. Da denke sich jeder seinen Teil. Zum Schluss lässt er sich dazu herbei, einen Wunsch der Wolfsberater zu formulieren (wobei er offen lässt, ob das in deren Sinne ist): Es solle „endlich ein vernünftiger Managementplan … geschaffen werden … zum Nutzen von allen Beteiligten, vor allem aber für einen: für Meister Isegrim, damit er endlich das schlechte Image, das seit Jahrhunderten an ihm haftet, verliert.“

Als ob Isegrim ein schlechtes Image habe, weil Managementpläne fehlen. Das schlechte Image hat Isegrim hauptsächlich wegen des haarsträubenden Unsinns, den Schreiber wie Gert G. von Harling über ihn verbreiten.

Unterschrift Isegrim Kopie