Der Wolf im Bundesrat

Der Wolf im Bundesrat

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11.10.2018

Die Länder Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg haben am 11.10. eine „Bundesratsinitiative Wolf“ eingebracht. Der Entschließungsantrag (Drucksache 481/18) umfasst zehn Punkte. Es geht da ziemlich durcheinander, dem Antrag fehlt eine klare Struktur. Gleich im ersten „Punkt“ geht es mit der Sicherheit des Menschen, mit der Weidetierhaltung, mit einem nationalen Wolfskonzept und „lokal bzw. regional bestandsregulierenden Maßnahmen“ munter drunter und drüber. Wer sich für den Inhalt interessiert, möge ihn bitte selber lesen. Der Freundeskreis freilebender Wölfe e. V. hat eine sechsseitige Stellungnahme verfasst, womit er dem Antrag mehr Ehre antut als er verdient, sich auch viel zu sehr in kleinlichen Kostenüberlegungen verliert. Ich bin es längst müde, diese fachlich dürftigen Versuche zu kommentieren, den Wölfen mit weit hergeholten „Argumenten“ ihre Rückkehr zu erschweren oder sie am liebsten ganz zu verhindern.

In das gleiche Denkschema wie die Bundesratsinitiative passt der Entwurf eines Aktionsplans Wolf für Bayern, der am 20.11. zum zweiten und vielleicht letzten Mal besprochen werden soll. Im Vordergrund steht dabei nicht die Duldung, sondern die Verhinderung einer Wolfsansiedlung im weißblauen Freistaat. Noch deutlicher sind politische Äußerungen in Österreich, in Südtirol, im Trentino. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wir wollen keine Wölfe.

Die Betreiber einer Wolfsverhinderung belegen ihre Vorstöße gerne mit scheinbar negativen Beispielen der Wolfsentwicklung in anderen Ländern. Etwa mit Norwegen (das an keine FFH-Richtlinie gebunden ist; denn es ist nicht Mitglied der EU), oder Schweden (das in den nördlichen Provinzen wegen der Rentierwirtschaft der Samen keine Wölfe duldet), oder Frankreich (das eine Entnahme von etwa zehn Prozent der Wolfspopulation erlaubt, was mit der FFH-Richtlinie der EU nicht kompatibel ist).

Warum verweist man nicht mal auf Polen? Das Land hat Anteil an gleich drei Wolfspopulationen, der Wolf ist in Anhang V der FFH-Richtlinie und dürfte gejagt werden – wird er nicht, und zwar seit über zehn Jahren. Oder auf den Norden Spaniens mit über tausend Wölfen, die nicht bejagt werden?