Aktuell hundert Wolfsrudel?

Aktuell hundert Wolfsrudel?

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06.11.2018

Entwicklung der Rudel (rot) und Paare (braun), Stand April 2018 (vorläufig). Mit der roten Linie wird der Trend der Rudelentwicklung angedeutet. Datengrundlage: DBB- Wolf.

Noch ist es nicht offiziell: Ende April 2018 waren im Bundesgebiet 73 Rudel, 29 territoriale Paare und drei ortsfeste Einzelwölfe bestätigt. Einige Paare werden noch in die Kategorie Rudel rücken, nämlich dann, wenn sich herausstellt, dass sie von Jährlingen begleitet werden (also vorher Welpen aufgezogen haben müssen). Der Schlüssel dazu ist die Genetik. Bei der tieferen Analyse der Monitoringdaten kommt dieser Methode eine immer größere Bedeutung zu. Und je mehr Wölfe es werden, desto mehr werden genetische Analysen die konventionellen Beobachtungsmethoden ergänzen.

Aber 73 Rudel – das war „gestern.“ Immer wieder muss man daran erinnern, dass dies der Stand April 2018 ist – also vor der neuen Generation, die unmittelbar nach diesem Termin zur Welt gekommen ist. Aus den 29 territorialen Paaren vom April 2018 sind theoretisch Rudel geworden. „Aktuell“, wörtlich genommen, haben wir derzeit (November 2018) also ungefähr 100 Rudel. Nach meiner eigenen Faustzahl entspricht das etwa 825 Wölfen. Etwa 300 davon sind erwachsene Tiere. Und das Wörtchen „ETWA“ sollte dabei ganz groß geschrieben werden.

Ich will niemand mit dieser Zahlenklauberei langweilen. Aber es ist absehbar, dass sich nun, wie jedes Jahr, bestimmte Kreise über diese Zahlen hermachen und nach Gusto interpretieren werden. Sei es, um das Monitoring zu diskreditieren, sei es, um (zusammen mit den Wölfen auf westpolnischer Seite) die „magische Zahl“ eintausend erwachsene Wölfe herbei zu beten, um der Öffentlichkeit eine Population in günstigem Erhaltungszustand einzureden. Es geht dabei, man mache sich da nichts vor, nur darum, eine Bejagung der Wölfe in Gang zu setzen.