Tragödie in Griechenland – waren es Wölfe?

Tragödie in Griechenland – waren es Wölfe?

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29.09.2017

Ausschnitt 1

Bei Maroneia in Nordgriechenland ist am 21.09., einem Donnerstag, eine 62jährige Britin von Hunden oder Wölfen getötet worden. Die Frau war allein unterwegs, um eine archäologische Fundstätte zu besuchen. In ihrer Not hatte sie mit dem Handy noch ihre Verwandten in Großbritannien angerufen und berichtet, dass sie von Hunden angegriffen werde. Die Verwandten verständigten daraufhin das Konsulat in Athen. Mit Hilfe von Suchhunden wurden die sterblichen Überreste der Frau am Samstag (23.09.) gefunden. Sie war weitgehend gefressen, die Glieder waren vom Körper getrennt und verstreut. Umgehend verbreiteten die Medien die Kunde, dass die Frau von einem Wolfsrudel getötet worden sei. Es wäre der erste tödliche Wolfsangriff auf Menschen in Europa seit über 40 Jahren.

Am 27.09., sechs Tage nach dem Unglück – die Medienberichte waren längst draußen – nahm der E-Mail-Verkehr unter den Leuten der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) Fahrt auf. Es gibt viele Ungereimtheiten und offene Fragen. Der hier geschilderte Stand der Dinge gibt die Information wieder, die uns Yorgos Iliopoulos, unser LCIE-Mann in Griechenland, mitgeteilt hat. Ich übernehme die Verantwortung für den Fall, dass ich seinen englischen Text missverstanden oder unzutreffend übersetzt habe.

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Yorgos Iliopoulus (im Bild links) berichtet:

Die Einschätzung des Leichenbeschauers (oder Untersuchungsrichters, „Coroner“), der die Ansicht vertritt, Wölfe und nicht Hunde hätten die Frau getötet, habe keine fachliche Grundlage. Beispielsweise meine er, Hunde seien nicht in der Lage, menschliche Knochen zu brechen oder Glieder vom Körper zu trennen. An anderer Stelle sei die Rede davon, dass der Angriff sehr „wild“ erfolgt sei, weshalb man sich nur Wölfe vorstellen könne. Aber es gibt keine Zeugen des Vorfalls.

Im Gespräch mit einem anderen ehemaligen Leichenbeschauer, der den oben genannten unterstützt habe und jetzt Professor an einer medizinischen Lehrstätte sei, habe sich herausgestellt, dass – im Gegensatz zu den Medienberichten – keine Veterinäre an der Nekropsie des Leichnams teilgenommen hätten. Der Professor selbst könne keinerlei Aussage machen. Gewebe und DNA-Proben seien zur Analyse an die Universität von Thessaloniki (Thrace) und an die Polizei in Athen geschickt worden. Ergebnisse würden in etwa einem Monat erwartet. Insgesamt sei die Faktenlage dünn.

Das Gebiet, berichtet Yorgos, läge nahe am Meer, es gebe Tourismus und reichlich Schafhaltung mit zahlreichen Hunden. Über diese herumstreunenden Hunde werde viel geklagt. Es gebe Wölfe im Gebiet und auch Schäden, aber nicht jedes Jahr, die letzten lägen vier Jahre zurück (im Jahr 2013). In der Vergangenheit seien immer wieder Angriffe von verwilderten Hunden auf Menschen vorgekommen, einige davon sogar tödlich.

Dank intensiver Impfung mit Ködern per Flugzeug sei Griechenland tollwutfrei.

Zur Stunde, so Yorgos, gebe es keinerlei Hinweise darauf, dass die bedauernswerte Frau von Wölfen getötet wurde.

Soweit die Stellungnahme von Yorgos Iliopoulus.

Letzte Klarheit kann jetzt nur noch eine genetische Analyse bringen – wenn sie gelingt. Ein Vorteil könnte sein, dass es zwischen dem Angriff und der Probennahme geregnet hat. Deshalb sind die Proben wahrscheinlich nicht vertrocknet und damit unbrauchbar. Generell gilt aber, dass zu einer Analyse von genetischen Proben sowohl Glück gehört (genetisches Material ist sehr empfindlich gegen Umwelteinflüsse) als auch Erfahrung im Labor.

Unterschrift UW

 

 

 

Ulrich Wotschikowsky