Sachsen: schützen statt schießen

Sachsen: schützen statt schießen

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10.06.2018

Mit 18 Rudeln und einem territorialen Paar beherbergt der Freistaat Sachsen nach Brandenburg die meisten Wölfe im Bundesgebiet. Manche behaupten, die Wolfsdichte im Südosten des Freistaats sei sogar die höchste der Welt. Das stimmt zwar nicht, aber mit fast vier Tieren pro 100 km2 ist sie in der Tat hoch. Was aber kosten die Wölfe den Freistaat? Auf eine parlamentarische Anfrage hat Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) folgende Zahlen genannt:

Insgesamt hat Sachsen im vergangenen Jahr 765.000 Euro ausgegeben. Das sind weniger als fünf Prozent der Gesamtausgaben für Naturschutz. Die Summe teilt sich in drei Drittel – nämlich 258.000 Euro für Präventionsmaßnahmen (Elektrozäune, Förderung von Herdenschutzhunden), 254.000 Euro für wissenschaftliche Begleitung, Management und Monitoring, und 239.000 Euro für das Kontaktbüro in Rietschen und die Öffentlichkeitsarbeit. Die Restsumme von 13.600 Euro wurde für gerissene Weidetiere ausbezahlt (im „Rekordjahr“ 2016 schraubte das Rosenthalrudel diese Summe auf 41.900 Euro).

Elektrozaun und Litze – so einfach kann Herdenschutz sein (Foto Klingenberger)

Das Durchschnittsrudel hat demnach im Jahr 2017 Weidetiere im Gegenwert von 765 Euro gerissen. Die anderen Kosten sind langfristige Investitionen und lassen sich nicht vernünftig zuordnen. Offensichtlich ist Sachsen den anderen Bundesländern beim Wolfsmanagement beträchtlich voraus. Dass der Wolf hier nicht nur dem Naturschutzrecht, sondern auch dem Jagdrecht unterliegt, trägt allerdings dazu nichts bei. Der zuständige Minister sieht denn auch das Heil nicht im Schießen von Wölfen, sondern im Schützen von Weidetieren. Bei der Prävention sei „jeder Cent gut investiertes Geld!“ Warum ist das eigentlich anderswo so schwer zu begreifen?

Wölfe verbrauchen also nur einen vergleichsweise bescheidenen Teil des Naturschutzhaushalts (man muss es wiederholen: weniger als fünf Prozent!). Und die Investitionen tragen nachweisbar Früchte. In keinem anderen Land weiß man so gut über die Wölfe Bescheid wie in Sachsen – dank eines soliden Monitorings. In keinem anderen Land mit vergleichbarer Anzahl Wölfe sind die Schäden an Weidetieren so gering. Und nicht zuletzt – Wölfe schaffen sogar Arbeitsplätze! Und in Rietschen sind sie ein fester Bestandteil im Tourismus geworden! An Wölfen Geld verdienen und Steuern zahlen – warum denn nicht! Das freilich wollen die Wolfsgegner gar nicht hören. Aber es ist nun mal Tatsache.

Würden sich doch die zahlreichen Politiker jeder Coleur, die sich in letzter Zeit zunehmend in die Wolfsszene einmischen, in Sachsen sachkundig machen. Das brächte mehr als sich mit den herbeigeredeten „Problemwölfen“, mit Phantomhybriden, mit „Eingriffsmöglichkeiten“ in eine noch gar nicht richtig etablierte Wolfspopulation zu verkopfen.

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