Sachsen-Anhalt: sieben gerissene Fohlen auf NABU-Weidefläche

Sachsen-Anhalt: sieben gerissene Fohlen auf NABU-Weidefläche

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Auf der Weidefläche der Primigenius GmbH: Heckrinder ...

Auf der Weidefläche der Primigenius GmbH: Heckrinder …

17.04.2016

In einem Beweidungsprojekt des NABU Köthen in der Oranienbaumer Heide, Sachsen-Anhalt, sind innerhalb weniger Wochen sieben Fohlen von Wölfen gerissen worden. Es begann im Sommer 2015, als ein Fohlen von einem Wolf angegriffen und verletzt wurde. Es war der erste genetische Nachweis eines Wolfsangriffs auf ein Pferd, seit es wieder Wölfe in Deutschland gibt.

 

In der fraglichen Zeit wurde von Mitarbeitern der Primigenius GmbH wiederholt ein Wolf beobachtet, gegen Ende des Jahres sogar zwei. Offenbar hatte sich ein Paar gebildet. Die Tierherden in dem 800 ha großen Weidegebiet – es handelt sich um Konikpferde und Heckrinder – nahmen von den beiden Wölfen kaum Notiz, eine Beunruhigung war nicht festzustellen.

... und Konikpferde.

… und Konikpferde.

Mit Beginn der Fohlensaison wurden dann innerhalb weniger Tage zwei Fohlen gerissen und ein drittes tödlich verletzt. Zwei weitere Fohlen wiesen Bisswunden auf, sind aber nach tierärztlicher Behandlung wieder wohlauf. Außerdem sind zwei Fohlen verschollen. Die Größe des Weidegebietes – 800 ha, also eine Fläche von vier mal zwei Kilometer! – und der stellenweise hohe Bewuchs machen eine intensive Suche sehr schwierig. An den Bisswunden der gerissenen bzw. verletzten Fohlen wurden genetische Proben genommen, die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Verursacher Wölfe waren.

Bei den Pferdegruppen handelt es sich um Herden, die nach arteigenen Gesichtspunkten zusammengestellt sind, also um soziale Einheiten mit Hengsten, die zwar sterilisiert sind, aber trotz dieses Eingriffs (Vasektomie) ihre Aggressivität und Verteidigungsbereitschaft gegenüber Eindringlingen beibehalten. Nach den Vorfällen wurden alle tragenden oder führenden Stuten in das Weidegebiet Wulfener Bruch verbracht, das außerhalb des gegenwärtigen Wolfsgebietes liegt. Sie werden erst zurückgeführt, wenn die Fohlen groß genug sind, um sich gegen Wölfe wehren zu können.