Dänemark: 17 Wölfe, lauter Rüden – wo bleiben die Girls?

Dänemark: 17 Wölfe, lauter Rüden – wo bleiben die Girls?

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03.02.2015

Siebzehn verschiedene Wölfe, allesamt Rüden, sind in den letzten beiden Jahren nach Dänemark gekommen. Das berichteten Liselotte W. Andersen und Thomas S. Jensen am 2.Februar auf dem Biodiversitätssymposium an der Universität Aarhus. Ihr Bericht stützt sich auf die jüngsten DNA-Analysen von Wolfsproben. Zusätzlich zu den 2013 bereits bekannten elf Wölfen sind im Jahr 2014 weitere sechs Individuen hinzugekommen. Einige der im Jahr 2013 identifizierten Tiere wurden in den Proben des Jahres 2014 nicht wieder gefunden. Ihr Verbleib ist unklar. Die beiden einzigen Proben von Djursland (eine Halbinsel im Osten Jütlands) stammen von zwei verschiedenen Individuen. Zwischen diesen Proben lag mehr als ein halbes Jahr, so dass man hier von umherstreifenden Wölfen spricht. In Mitteljütland wurde ein und dasselbe Tier im Jahr 2014 zweimal nachgewiesen, im Jahr 2013 von Februar bis Juli sogar insgesamt siebenmal. Offensichtlich ist dies ein ortsfester Wolf. Außerdem wurde dort ein weiteres Individuum im Jahr 2014 nachgewiesen, so dass es hier mindestens zwei verschiedene Wölfe gibt oder gab.

Woher kommen die dänischen Wölfe? Rot ist die gedachte ungefähre Wanderroute aus Deutschland, blau eine Route aus Ostpolen.

Woher kommen die dänischen Wölfe? Rot ist die gedachte ungefähre Wanderroute aus Deutschland, blau eine Route aus Ostpolen.

Im Jahr 2012 war die Aufregung groß, als zum ersten Mal seit über hundert Jahren ein Wolf in Dänemark auftauchte. Kurze Zeit später wurde er im Nationalpark Thy verendet aufgefunden. Die Todesursache war ein Tumor. Ein genetischer Abgleich ergab, dass es sich um einen Wolf aus dem Milkeler Rudel in Sachsen handelte. Im Jahr darauf wurde ein weiterer „Sachse“ in Dänemark nachgewiesen – ein Halbbruder des Thy-Wolfes, wiederum aus dem Milkeler Rudel. Beide Tiere haben auf ihrer Wanderung genetische Spuren in Schleswig-Holstein hinterlassen.

Eine phantastische Geschichte

Die Wolfsgeschichte in Dänemark wirft mehr Fragen auf, als sie Antworten bietet. Wolfsite hatte bereits im vergangenen Jahr davon erfahren, dass man in Dänemark sage und schreibe elf Wölfe genetisch nachgewiesen habe. Lauter Rüden. Das eine wie das andere schien schwer vorstellbar, und es hieß, die genetischen Analysen seien noch nicht abgeschlossen. Dann aber, ein Jahr später, sollen weitere sechs Wölfe hinzugekommen sein. Wieder lauter Rüden. Außer den beiden Tieren aus Sachsen (Milkeler Rudel) lässt sich kein weiteres dem deutschen Vorkommen zuordnen. Aus Schleswig-Holstein ist in letzter Zeit ebenfalls kein Wolf mehr bekannt geworden, der auf dem Weg nach Dänemark (oder zurück) sein konnte.

Woher also kommen diese Wölfe? Sie müssen alle unerkannt durch Schleswig-Holstein gewandert sein – aber von woher? Außer zweien passen die genetischen Ergebnisse nicht zur deutsch-westpolnischen Flachlandpopulation. Sind sie also von Ostpolen her an der Ostseeküste entlang gewandert? Dass sie von sehr weit her sind, könnte eine Erklärung dafür sein, warum es sich ausnahmslos um Rüden handelt: Rüden neigen zu weiteren Exkursionen als Fähen. Aber vielleicht sind sie ja tatsächlich im beheizten Kleinviehanhänger von „Piotr“ importiert worden, wie uns manche Leute weismachen wollen. 

Und wo sind die Wölfe geblieben? Bei sesshaften Tieren würde man räumliche Häufungen von Nachweisen (Losungen oder gerissene Schafe) erwarten. Aber Fehlanzeige. Die Nachweise sind sporadisch, einer oder zwei pro Tier und Jahr, mit Ausnahme eines einzigen Rüden 2013 und 2014. Ganze 25 Angriffe auf Schafe sind in den Jahren 2013 und 14 bekannt geworden, 18 davon eindeutig von Wölfen. Das könnte mit dem großen Angebot an Rehen zusammenhängen – aber überall, wo Wölfe auf ungeschützte Schafe treffen, kommt es zu Übergriffen. Von rund einem Dutzend Wölfen erwartet man in einem Land wie Dänemark wesentlich mehr Schäden an Weidetieren.  

Wenn man von derzeit zwei ortsfesten Wölfen ausgeht, stellt man sich die Frage: Wo sind die anderen geblieben? Die dänischen Forscher sprechen von „Streifwölfen“. Wo sollen die hin gestreift sein? Haben die Tiere, kaum angekommen, rasch das Zeitliche gesegnet? uw