Aktuelles zum Jahresbeginn

Aktuelles zum Jahresbeginn

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09.01.2018

Im Schwarzwald ist ein Wolf durch das Foto eines Wanderers bestätigt worden. Die Identität des Tieres ist unklar. Erst im Oktober war ein aus Niedersachsen zugewanderter Wolf erschossen im Schluchsee gefunden worden. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gang. Mal sehen, wie lange sich der neue Wolf im „Musterländle“ halten kann.

Die tragische Geschichte in Griechenland, wo eine Britin von Hunden oder Wölfen getötet worden war, wird sich wohl nicht klären lassen. Bis heute gibt es keinen endgültigen forensischen Untersuchungsbericht, wie er von den Behörden versprochen worden war. Eine genetische Analyse ist offenbar nicht erfolgt oder nicht gelungen. Die Indizien deuten auf verwilderte Hunde, die in der fraglichen Gegend in großer Zahl ihr Unwesen treiben und für viel Ärger und auch zu Verletzungen unter der örtlichen Bevölkerung sorgen.

Das Kontaktbüro Wolf Sachsen hat in seinem Info-Brief Nr. 3 / 2017 (www.wolf-sachsen.de) darüber berichtet, welche Umstände beim Rosenthalrudel immer wieder zu Übergriffen auf geschützte Weidetiere führen. Bekanntlich hatte das Landratsamt eine Abschussgenehmigung erteilt, die auf Grund eines Widerspruchs der Grünen Liga Sachsen umgehend zurückgezogen werden musste. Dem Rosenthalrudel werden seit 2013 62 Übergriffe mit 220 getöteten Nutztieren angelastet. Anfangs wurden vor allem nicht oder nicht ausreichend geschützte Tiere gerissen, später übersprangen die Wölfe auch Elektrozäune. Nachdem Flatterband gespannt worden war, kam es 2015 und 2016 nicht mehr zu Übergriffen auf Tiere, die durch Elektrozäune geschützt waren, aber (2016) zu zehn (von elf) Übergriffen auf Herden hinter Festnetzzäunen, und nochmals zu acht (von 13) im Jahr 2017. In vier von fünf Übergriffen auf Tiere hinter Elektrozäunen war auch Flatterband gespannt. In all diesen Fällen brach die Herde aus dem Zaun.

Die Wölfe dieses Rudels hatten anfangs leichtes Spiel mit schlecht oder gar nicht geschützten Schafen und haben es dann verstanden, auch gut geschützte Herden zu attackieren. Daraus kann man lernen, aber die Wölfe werden sich nicht umgewöhnen lassen. Vergrämen hilft nicht beim Herdenschutz. Das Rosenthalrudel ist jetzt in der Tat ein Kandidat für eine Entnahme. Wie das geschehen soll, ohne gleich das Tor für kurzatmige Aktionen zu öffnen – das wird eine spannende Aufgabe der nahen Zukunft sein.

Ein ähnliches Problem haben wir mit dem Cuxhavener Rudel. Dort sind im Jahr 2017 immer wieder Rinder gerissen worden, nicht nur kleine Kälber, sondern ein und mehrjährige. Die Übergriffe gab es vereinzelt auch schon im Jahr 2016. Sie haben aber markant zugenommen, seit die Wölfin im Frühjahr 2017 illegal geschossen wurde und der Rüde offenbar verschwand (es gibt keine Nachweise von ihm). Offensichtlich haben sich die elternlosen Jährlinge nun auf die Rinder konzentriert. Wenn es so ist, kann man aus dem Fall lernen, aber das trägt zur Lösung nichts mehr bei. Man hört, dass versucht werden soll, die Wölfe zu telemetrieren – ich frage mich, welche Fragen man damit beantworten will?

Die Anfütterung der Goldenstedter Wölfin, jetzt Rudel Barnstorf, habe ich in einem Kommentar wohl zu hoch aufgehängt. Von Fütterung oder aktiver Habituierung kann man da nicht sprechen. Soweit ich verschiedenen Hinweisen aus dem Umfeld entnehmen kann, turnen dort ein paar superschlaue Leute herum, die eigenartige Vorstellungen von Monitoring haben. Natürlich „wissen“ sie, dass es viel mehr Wölfe sind als offiziell angegeben. Ich frage mich allerdings, ob man es hinnehmen soll, wie sich die Leute (anscheinend Holländer) dort aufführen. Und ob ihr Benehmen nicht in Konflikt steht mit dem Naturschutzgesetz. Danach ist das Stören, Nachstellen etc. von streng geschützten Tieren eine Ordnungswidrigkeit.

Jungwölfe des Milkeler Rudels in Sachsen sind vor einigen Monaten durch zutrauliches Verhalten gegenüber Menschen aufgefallen. Bei Vergrämungsversuchen durch das LUPUS-Institut wurde ein Welpe von einem Gummigeschoß getroffen und suchte das Weite. Die Situation bleibt weiter unter Beobachtung.

Von den sechs Hybriden auf dem Übungsplatz Ohrdruf in Thüringen konnte bisher keiner gefangen werden. Über ihren Schutzstatus wird immer wieder gestritten. Fest steht, dass Wolf-Hund-Hybriden nach einer EU-Verordnung, die den Handel mit streng geschützten Tieren regelt, bis in die vierte Generation ebenso geschützt sind wie der Wolf. Die EU empfiehlt trotzdem, Hybriden aus Gründen des Artenschutzes zu entnehmen. Dazu ist eine Ausnahmegenehmigung erforderlich. Eine solche liegt vor. Es ist absehbar, dass es nicht gelingen wird, die Ohrdruf-Hybriden lebend zu fangen. Deshalb sollten sie geschossen werden. Und es eilt. Spätestens zu Beginn der Welpensaison werden sich einige auf Wanderschaft begeben. Es gibt keinen vernünftigen Grund, solche Tiere in der freien Natur zu dulden.

Ich appelliere an alle echten und vermeintlichen Wolfsfreunde, den Verantwortlichen in Thüringen freie Hand zu lassen. Langfristig ist in diesem Fall eine harte Lösung für alle Wölfe besser.

Und dann waren da noch die beiden Jagdhunde im Hohwald, Sachsen, die vor Weihnachten von der Jagd nicht zurückkamen. Flugs wurde erzählt, sie seien von Wölfen gefressen worden. Es kursierten sogar Bilder in den Sozialen Medien, die zeigten allerdings Koyoten und waren steinalt. Die Hunde sind wohlbehalten kurz vor Heiligabend zurückgekehrt. uw