Sachsens Wolfspolitik schießt ein Eigentor

Sachsens Wolfspolitik schießt ein Eigentor

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25.01.2017 In Sachsen soll ein Wolf erschossen werden. Die Schutzverbände stehen auf den Barrikaden. Dies ist passiert: Seit Mitte November treibt sich unweit von Rietschen, Sachsen, ein Wolf in Siedlungen herum. Pumpak, so heißt er inzwischen, ist ein Jährling aus dem polnischen Ruszakrudel, dessen Territorium über die Neiße bis nach Sachsen reicht. Als Welpe ist er wiederholt von Menschen gefüttert worden, seine Identität ist genetisch erwiesen. Einem Jäger, der im Garten ein Wildschwein geschlachtet hatte, hat er im Sommer 2016 die Sauschwarte geklaut. Pumpak kontrolliert die Komposthäufen und frisst dort alles Mögliche, sogar Kaffeefilter oder Grünzeug, das die Hauskaninchen verschmähen.

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Niedersachsen: Goldenstedter Wölfin hat einen Partner

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20.01.2017 Die einsame Wölfin im Kreis Diepholz, bekannt geworden unter dem Namen Vechtawölfin oder auch Goldenstedter Wölfin mit vielen gerissenen Schafen auf ihrem Konto, hat einen Partner gefunden. Ein junger Rüde aus dem Ueckermünder Rudel in Mecklenburg-Vorpommern hat sich ihr zugesellt. Das neue Paar hatte im Landkreis Diepholz Ende vergangenen Jahres ein Kalb gerissen. Dabei konnten Speichelproben genommen werden, mit denen die Herkunft des Rüden geklärt werden konnte. Vierhundert Kilometer muss er unterwegs gewesen sein. Kein Problem für einen jungen Wolf auf Partnersuche. Zwei Wölfe, und wenn alles gut geht (je nach Sichtweise) ein ganzes Rudel im Sommer: Das heißt

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In der Wolfspolitik haben Fakten einen schweren Stand – von Eckhard Fuhr

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13.01.2017 In der Wolfspolitik steckt erhebliches Konfliktpotenzial. Der Landwirtschaftsminister jedenfalls fordert Obergrenzen. Es ist an der Zeit, dass die Kanzlerin ein energisches „Wir schaffen das“ spricht. Diese Woche ist in der Bundesregierung ein neuer Streit um Obergrenzen ausgebrochen. Nachdem Landwirtschaftsminister Christian Schmidt mit markigen Worten („Es ist Zeit zu handeln!“) dazu aufgerufen hatte, die Willkommenskultur zu beenden, hat sich nun Umweltministerin Barbara Hendricks entschieden vor die Zuwanderer gestellt. Die tragen einen grauen Pelz und fressen manchmal Schafe. Schmidt meint, das könne so nicht weitergehen. Eine „begrenzte Abschussfreigabe“ sei angezeigt. Hendricks erwidert, dass man auch heute schon ohne pauschale Abschussfreigabe einschreiten

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Ende der Willkommenskultur?

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11.01.2017 Jetzt wird die Stoßrichtung der „Dresdener Resolution“ vom 28.11.2016 auch dem letzten klar. Da hatten sich die umweltpolitischen Sprecher von CDU und CSU über die Wölfe in Deutschland ausgelassen. Dann ist der Bund von der Umweltministerkonferenz der Länder aufgefordert worden, sich über die Populationsentwicklung der Wölfe „Gedanken zu machen.“ Mit solchen „Gedanken“ sind nun um die Jahreswende einige Politiker an die Öffentlichkeit getreten. Allesamt von CDU oder CSU, allesamt aus dem Landwirtschaftssektor – obwohl der Wolf dort gar nicht zu Hause ist, sondern im Naturschutzressort. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) fordert also eine „beschränkte Abschussfreigabe“ für Wölfe. Der sächsische Landwirtschaftsminister

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Ober- oder Untergrenzen für Wölfe?

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 24.12.2016 Alle  reden von Obergrenzen. Auch im Wolfsgeschehen. Die Frage, wie viele Wölfe wir dulden wollen, wird die Wolfsdiskussion der nächsten Jahre entscheidend prägen. Die Population nimmt rasch zu, jedes Jahr werden es etwa dreißig Prozent mehr. Wenn es so weitergeht, dann wird Deutschland in weniger als zehn Jahren „voll“ sein von Wölfen. Über 400 Rudel werden dann das Land bevölkern. Ein Horrorszenario für manche, ein Geschenk des Himmels für andere. Voll von Wölfen – das heißt, dass die wolfstauglichen Lebensräume dann von territorialen Wölfen (also Rudeln oder territorialen Paaren) besetzt sind. Diese Fläche entspricht gerade mal einem Drittel der

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Wolf in Rathenow zum Abschuss vorgesehen

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20.12.2016 In dem Städtchen Rathenow, 70 km westlich von Berlin, hat sich Mitte Dezember wiederholt ein Wolf blicken lassen. Auf einem Foto ist er in einer Autowaschanlage zu sehen, ein zwölfjähriges Mädchen soll er „beschnuppert“ haben. Wahrscheinlich handelt es sich um einen naiven Jungwolf des nahen Klietzer Rudels in Sachsen-Anhalt. Aber was heißt das schon. Jedenfalls hat man seitens des Landesamtes einen Antrag auf eine „artenschutzrechtliche Ausnahme im Interesse der öffentlichen Sicherheit“ zum Fangen bzw. Töten des Wolfes gestellt. Und das ist gut so. In den Wolfs-Managementplänen wird empfohlen, einen verhaltensauffälligen Wolf sorgfältig zu beobachten, nach Möglichkeit zu besendern und dann

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Brandenburg: Plenum zum Wolfsmanagement

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14.12.2016 Dem turnusgemäßen Plenum zum Wolfsmanagement – dem dritten seit Inkrafttreten des Wolfsmanagementplans in Brandenburg – war diesmal heftiges Säbelrasseln einiger Nutzerverbände vorausgegangen. Es stand die Drohung im Raum, das Plenum zu verlassen, wenn nicht einige Forderungen aufgenommen würden, die bereits im Jahr 2012 zu einer Zerreißprobe geführt hatten: Obergrenzen, wolfsfreie Gebiete, Rechtsanspruch auf volle Entschädigung. Das Ministerium hatte jedoch rechtzeitig klargestellt, dass man so nicht miteinander verhandeln könne und wolle. Niemand verließ das Plenum, das so zahlreich aufgetreten war wie nie zuvor – 75 Namen sind auf der Teilnehmerliste eingetragen. Staatssekretärin Dr. C. Schilde hatte angekündigt, am Plenum teilzunehmen,

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Status Dezember 2016: 63 Rudel

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20.12.2016 Meine Recherchen zur Entwicklung der Wolfspopulation ergeben zum Jahresende 63 Rudel. Also nochmal drei mehr als im November. Vor genau einem Jahr waren es noch 36 Rudel. Das ist eine Steigerung von 75%, ein Faktor von 1,75. Jetzt stehe ich dumm da. Habe ich doch mehrmals mitgeteilt, dass sich unsere Wölfe „nur“ mit einem Faktor von 1,3 vermehren. Gibt es einen Fehler in meiner Schätzung, und wenn – wo liegt er? Er liegt im Land Brandenburg. Der sprunghafte Anstieg auf jetzt 23 Rudel – vor einem Jahr waren es nur zehn, plus drei territoriale Paare! – ist nur dadurch

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Mecklenburg-Vorpommern: Senderwolf erschossen, dritter Wolf besendert

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20.12.2016 Im Umfeld der Lübtheener Heide wurde „Arno“ tot aufgefunden. Der Wolfsrüde war im Oktober 2015 als kräftiger Welpe gefangen und mit einem Senderhalsband versehen worden. Das Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierkunde Berlin (IZW) hat ihn eindeutig identifiziert. Der Jährling ist durch einen gezielten Blattschuss getötet worden. Der Halsbandsender wurde entfernt und vermutlich zerstört, denn er liefert keine Peildaten mehr. Im Oktober 2016 wurde der Wolfsfähe „Naya“ aus dem gleichen Rudel ein Halsband angelegt, und erst vor wenigen Tagen war der Fang und die Besenderung einer weiteren Wölfin („Emma“) gelungen. Somit leben im Lübtheener Rudel derzeit zwei junge Wölfinnen mit

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Sachsen: Elektro-Zaun mit Flatterband hilft

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22.11.2016 Immer wieder gibt es Wölfe oder sogar ganze Rudel, die einem die Stimmung verhageln. In Sachsen sind es die Wölfe von Rosenthal. Schon im Vorjahr war dieses Rudel dadurch aufgefallen, dass es Festzäune überwand, die als relativ „wolfssicher“ galten. Flatterband in 120 – 140 cm Höhe genügte jedoch, um das Rudel fortan auf Distanz zu halten. Im Herbst 2016 wiederholte sich das Dilemma. Zehnmal sprangen Tiere dieses Rudels über Festzäune. Der Landrat des Kreises Bautzen, Michael Harig stellte den Antrag, das gesamte Rudel abzuschießen. Das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz hat zu diesen Vorfällen nun ausgiebig Stellung genommen. Hier auszugsweise die

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Der Wolf in postfaktischen Zeiten – von Joachim Hagen, NDR

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13.12.2016 Die Angst vor dem Wolf ist zurück. Neuester Anlass ist eine angebliche Wolfsattacke im niedersächsischen Landkreis Uelzen. 23 Damhirsche wurden getötet. Aber stimmt das eigentlich? Kann man solchen Meldungen in postfaktischen Zeiten noch trauen? Klar, der Wolf ist schuld – wie immer. Angeblich soll sogar der Wolfsberater gesagt haben, dass die Spuren auf eine Wolfsattacke hindeuten. Also: kurzer Prozess. Der Wolf gehört erschossen. Eine Gefahr für rechtschaffende Damwild-Züchter. Deutschland ist kein Ort für Wölfe. Kein Wort davon, dass der Zaun nicht tief genug war und sich die Angreifer unter dem Zaun durchgraben konnten. Die 23 Hirsche konnten noch nicht

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Bayern: Wolfshinweise nehmen zu

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22.12.2016 Der Wolf, der im Unterallgäu bei Memmingen durch Genanalysen an einem gerissenen Reh nachgewiesen wurde, hat offenbar kurz danach Wild in einem Gehege gerissen. Der genetische Nachweis liegt jedoch noch nicht vor. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr soll der dort bestätigte Rüde inzwischen in Begleitung eines zweiten Wolfes gesehen worden sein. Im Bayerischen Wald, wo bisher ein ortsfester Rüde im Bereich des Nationalparks bestätigt war, sind weitere Einzelwölfe nachgewiesen, darunter ein weiblicher Wolf.  

Die Dresdner Resolution: Wo bleibt das Positive?

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28.11.2016 Fünf Seiten umfasst die Dresdner Resolution von CDU und CSU zum Wolf in Deutschland. Ein trockener, jeglicher Inspiration barer Text ist das, den die umweltpolitischen Sprecher der beiden Schwesterparteien da fabriziert haben. Sie reden der Fraktion der Nutzer nach dem Munde, und kein Klischee ist ihnen dabei zu schade. Ich finde das respektlos gegenüber den Leuten, die sich darum kümmern, das schwierige Verhältnis Wolf – Mensch in unserer Zivilisationslandschaft hinzukriegen. Kein Wort wird verloren darüber, welch guten Ruf unser Management inzwischen international genießt. Politisch motiviert kann das nicht sein; denn die Regierungen der Wolfsländer sind politisch so bunt zusammengesetzt

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Status November 2016: über 500 Wölfe

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28.11.2016 So schnell geht das mit den Wölfen. Am 20.09. waren nach meiner Kenntnis 47 Rudel im Bundesgebiet bestätigt und ich hatte spekuliert, dass vielleicht bald noch ein paar mehr gefunden werden. Dann wäre das halbe Hundert überschritten. Mit meinen aktuellen Recherchen komme ich jetzt, Ende November, auf 60 Rudel. Am 23.09. meldete das Bundesamt für Naturschutz (BfN) 46 Rudel, dazu 15 territoriale Paare und drei Einzelwölfe. Das ist kein Widerspruch. Denn das BfN bezog sich auf den Stand zum Ende des vergangenen Monitoringjahres, das ist der 30. April 2016. Von den territorialen Paaren zu Jahresbeginn haben einige im Frühjahr

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Die Dresdner Resolution von CDU und CSU

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14.11.2016 Die umweltpolitischen Sprecher der Fraktionen von CDU und CSU im Bund und den Ländern haben in Dresden die folgende Resolution verabschiedet. Wolfsite gibt sie ungekürzt wieder. Hervorhebungen durch Unterstreichung und Kommentare dazu (in kursiv) sind von Ulrich Wotschikowsky. Praxistaugliches Wolfsmanagement in den Ländern und im Bund ermöglichen Seit dem Jahr 2000 breiten sich die Wölfe von Sachsen und Brandenburg in Richtung Nordwesten weiter aus. Heute kann man davon ausgehen, dass der Wolf in der ganzen Bundesrepublik vertreten ist. Aktuell sind in Deutschland 46 und darüber hinaus im Westen Polens 56 Wolfsrudel nachgewiesen. Diese sehr dynamische Entwicklung mit einer jährlichen

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