Niedersachsen – schon wieder?

Niedersachsen – schon wieder?

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20.05.2017 Zeitgleich mit der Meldung, MT6 (vulgo „Kurti“) sei nun ausgestopft im Landesmuseum Hannover zu besichtigen, wird mir eine Videosequenz von einem neuen Problemwolf-Kandidaten zugespielt. Wieder aus Niedersachsen, diesmal aus der Göhrde. Ziemlich sicher ein Jährling. Unbedarft springt er mehrmals spielerisch auf ein Fahrzeug mit zwei Landwirten zu, die ihn dabei filmen. „Weg, weg!“ hört man einen rufen. Damit lässt er sich vertreiben, kommt aber immer wieder zurück. Schließlich bleibt er unschlüssig auf Steinwurfweite stehen.   Mir fällt zu dieser Aufnahme eine Menge ein. „Der Wolf ist scheu und meidet den Menschen,“ heißt es in Merkblättern. Dieser nicht. „Die Wölfe

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Hat jemand Angst vorm Goldschakal?

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23.05.2017 Am 15.05.2017 wurde auf der A9 im bayerischen Landkreis Freising ein Goldschakal überfahren. Dies ist der zweite Nachweis für Bayern. Erstmals war ein Goldschakal im Nationalpark Bayerischer Wald im Jahr 2012 durch ein Fotofallenbild nachgewiesen worden. Auch in Schleswig-Holstein ist der kleine Vetter des Wolfes unterwegs. Im März waren im Kreis Dithmarschen drei Schafe angegriffen und verletzt worden. Die Analyse von vier Genetikproben durch das Institut Senckenberg ergab als Verursacher einen Goldschakal. Die nächstgelegenen Populationen dieses koyotenähnlichen Wolfsverwandten leben in Ungarn und östlich davon. Einzeltiere werden zunehmend im Westen beobachtet, manche sind bis nach Dänemark und ins Baltikum gekommen.

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MT6 im Landesmuseum Hannover

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20.05.2017   MT6, der erste und bisher einzige „Problemwolf“ seit Isegrims Rückkehr nach Deutschland, kann jetzt im Landesmuseum Hannover besichtigt werden. Mit stolz erhobenem Haupt steht „Kurti“, wie er von Wolfsliebhabern getauft worden war, bis 15. Oktober 2017 ausgestopft in der Ausstellung „Der Wolf. Ein Wildtier kehrt zurück“. Über das Drama mit diesem Jungwolf, der anfangs 2015 durch seine geringe Scheu vor Menschen aufgefallen, im Juni gefangen und mit einem Halsbandsender versehen wieder freigelassen, schließlich erfolgslos vergrämt und im April 2016 erschossen worden war, hat WOLFSITE wiederholt berichtet. Die stolz erhobene Haltung, die der nur zwei Jahre alt gewordene Wolf

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Fragwürdige Genanalyse: keine Wölfe bei Rottweil

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22.05.2017 Nicht jede Gen-Analyse liefert verlässliche Beweise. Das zeigt ein Fall bei Rottweil in Baden-Württemberg. Dort war am 21. und nochmals am 29.04. jeweils ein gerissenes Schaf gemeldet worden. Der Schäfer hatte Wölfe im Verdacht. Bei der Kontrolle durch Fachleute der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg wurden keine Hinweise auf Wolf, sehr wohl aber ständige Anwesenheit von Fuchs festgestellt. Auch die Untersuchung der toten Schafe ergab keine wolfstypischen Verletzungen oder Fraßspuren, sondern deutete auf Fuchs. Beim ersten Schaf wurde starker Parasitenbefall als wahrscheinliche, beim zweiten Schaf als sichere Todesursache festgestellt. Der Wolf wurde aufgrund der Spurenlage und der Kadaveruntersuchung als Verursacher ausgeschlossen. Aufgrund dieses Befundes wurde

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Da braut sich was zusammen

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08.05.2017 Alle Welt redet plötzlich von Problemwölfen, Eingriffsmöglichkeiten und Obergrenzen. Politiker jeder Coleur fühlen sich bemüßigt, ihren Senf hinzu zu geben, egal ob der Wolf in ihr Ressort gehört oder nicht. Die Statements könnten unterschiedlicher nicht sein, eine „Parteilinie“ ist nicht erkennbar, es geht kunterbunt zu – und der Sachverstand bleibt auf der Strecke. Es trumpt. Eine „klare Linie“ hält nur die FDP, allerdings ganz alleine in splendid isolation: Wolf ins Jagdrecht! Um ihn umgehend bejagen zu können, denn Wölfe hätten bei uns keine „Fressfeinde,“ so Gero Hocker (Niedersachsen). Stimmt, haben sie nirgends. Die meisten anderen Parteien und sogar die

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Wolfsplenum Brandenburg – ein Flop

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29.04.2017 Die zweite Beratung zur Neuauflage des Wolfsmanagementplanes (WMP) in Brandenburg ist gründlich schief gegangen. Die Lausitzer Rundschau berichtet von Beschimpfungen und Chaos. Ein CDU-Politiker wird mit der Aussage zitiert, man solle das rasch vergessen. Fensterredner und Selbstdarsteller nutzten vor den anwesenden Medienvertretern die Gelegenheit, sich zu inszenieren. Eckhard Fuhr meint, einige Nutzervertreter wollten offensichtlich ein grundsätzliches Roll Back in Sachen Wolf und seien nicht mehr bereit, sich auf moderierende Verfahren ernsthaft einzulassen. Der Bauernbund, so Fuhr, betreibe das ganz offen. Man wusste vorher, wie viel Dampf im Kessel ist. Den Verbänden war vom Ministerium angeboten worden, schriftliche Stellungnahmen einzureichen,

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Status Wolf April 2017

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04.05.2017 Wir haben 61 Wolfsrudel in Deutschland, Stand vor der Welpensaison 2017. Paare, die in diesen Tagen erstmals Welpen geworfen haben, sind also nicht mitgezählt. Und Achtung: Das ist nicht die offizielle Zahl, sondern das ist einzig und allein das Ergebnis meiner eigenen Recherchen. Territoriale Paare oder bestätigte Einzelwölfe habe ich auch nicht in die Grafik aufgenommen. Im Dezember war ich noch von 63 Rudeln ausgegangen. Inzwischen sind zwei Rudel erloschen. Zum Ende des Monitoringjahres, also ein Jahr früher, waren es 46 Rudel plus 15 territoriale Paare. Diese 46 Rudel geistern bis heute in den Medien, aber auch in offiziellen

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LJV Brandenburg: Notwehrrecht und Panzerhemden für Jagdhunde

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25.04.2017 Zwei Tage vor dem Wolfsplenum hat der Landesjagdverband Brandenburg (LJV) auf einer Pressekonferenz „Forderungen“ veröffentlicht. Dem Ministerium sind sie nicht zugestellt worden und konnten deshalb beim Wolfsplenum auch nicht besprochen werden. Auf der Internetseite des LJV und auf JAWINA kann man sie nachlesen. Das meiste, etwa zum Schutzstatus, zu Bestandsobergrenzen, zu Wolfsgebieten, zur Definition von Problemwölfen etc. ist bekannt und fügt sich nahtlos in Forderungen anderer Nutzerverbände ein. Freilich nicht alles. So fordert der LJV, dass die Monitoringergebnisse nicht jährlich (Stand 30. April), sondern schon halbjährlich (also etwa im Oktober) veröffentlich werden. Das wären allerdings vorläufige Ergebnisse, nicht fachlich

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Bayern – ein neuer Hotspot im Wolfsgeschehen?

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13.04.2017 Ausgerechnet den Nationalpark Bayerischer Wald, einen Ort von heute schon historischer Bedeutung im Naturschutz, haben sich zwei Wölfe ausgesucht, um eine Verbindung zweier weit voneinander entfernter Wolfspopulationen einzugehen: Das dort seit November 2016 mehrmals bestätigte Wolfspaar besteht aus einer Wölfin aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation, der Rüde stammt aus den Alpen. Das haben genetische Analysen ergeben. Damit haben die beiden ein neues Kapitel in der europäischen Wolfsgeschichte aufgeschlagen. Freilich ist das nicht der erste belegte Kontakt zweier getrennter Populationen. Denn bekanntlich gibt es bei Verona, Italien, bereits seit einigen Jahren ein Rudel aus einem slowenischen Rüden (genannt Slavc, sprich Slautsch)

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Jäger, Luchs und Wolf in Bayern

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08.04.2017 Das muss man dem Präsidenten des Bayerischen Landesjagdverbandes lassen: Er kriegt den Saal voll, und es kommen auch erstklassige Referenten zu seinen Veranstaltungen. Eineinhalb Tage lang bildete Freyung im Bayerischen Wald die Bühne für größtenteils hochkarätige, sachliche und informative Vorträge renommierter Fachleute zum Thema Große Beutegreifer – also zum Luchs am ersten, zum Wolf am zweiten Tag. So war es vorgesehen. Aber natürlich dominierte der Wolf von Anfang bis Ende. Es gibt gerade mal etwa ein halbes Dutzend Isegrims in Bayern, noch kein Rudel, allenfalls zwei territoriale Paare. Außerdem vielleicht eineinhalb Dutzend Luchse, alle (bis auf einen bei Berchtesgaden)

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Wölfe in der Nähe zu Menschen

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20.04.2017 Kurzfassung einer ersten Umfrage durch KORA (Bericht Nr. 76. Jacqueline Huber, Manuela von Arx, Roland Bürki, Ralph Manz, Urs Breitenmoser). Im berühmten Calanda-Rudel in Graubünden, dem ersten Wolfsrudel in der Schweiz in neuerer Zeit, wurden auffällige Verhaltensänderungen beobachtet: Wölfe wurden immer häufiger am helllichten Tag gesehen. Sie näherten sich Menschen, gingen an ihnen vorbei oder blieben in ihrer Nähe. Wölfe hielten sich am Dorfrand in der Nähe von Scheunen und Ställen auf, und sogar im Dorf Vättis. Es kam zu öffentlichen Debatten darüber, ob die Wölfe „zunehmend zahm“ geworden waren, und ob daraus Gefahren für Menschen resultierten. Schließlich wurde

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„Begrenzte Abschussfreigabe“ von Wölfen?

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18.04.2017 Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat sich für einen besseren Schutz von Nutztieren vor Wölfen ausgesprochen. Dazu müsse auch über eine „begrenzte Abschussfreigabe“ geredet werden, sagte Schmidt der „Mittelbayerischen Zeitung.“ Zugleich lehnte der CSU-Politiker aber Forderungen ab, den Wolf unter das Jagdrecht zu stellen: „Der Wolf ist und bleibt kein jagdbares Wild.“ „Einzelne gefährliche Tiere können bereits heute nach strengen Regeln abgeschossen werden“, fügte Schmidt hinzu. „Wir kommen aber an den Punkt, wo wir im Rahmen der Bestandskontrolle über eine begrenzte Abschussfreigabe reden müssen.“ Der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist gar nicht zuständig für geschützte Tiere (das ist seine Amtskollegin Barbara

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Fakes, Fakes, Fakes …

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24.03.2017   Falschmeldungen gibt es nicht erst seit Trump, dem Unsäglichen. Auch in der Wolfsszene haben wir es immer häufiger mit erfundenen Geschichten zu tun. Die Schauermärchen um Isegrim werden nicht weniger, sondern eher mehr. Einige davon habe ich auf WOLFSITE „gebührend“ gewürdigt, etwa die Piotr-Saga des JÄGER-Magazins, das absurde „Gutachten“ von Wernher Gerhards zu dem Verkehrsunfall bei Meißen mit neun toten Pferden, den „Wolfsangriff “ auf einen Jäger in Niedersachsen. Allesamt Fakes. Früher, als in Deutschland noch deutsch gesprochen wurde und nicht denglisch, nannte man das Lügengeschichten. Nun aber komme ich mit den Kommentaren zu diesen Absurditäten nicht mehr hinterher.

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Ostwestfalen: Wolf gesichtet

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20.02.2017 Nördlich von Bad Oeynhausen sei ein Wolf fotografiert worden, teilte NRW-Umweltminister Johannes Remmel (B’90/Die Grünen) auf Twitter mit. Dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, steht nach Angaben des Landesumweltamtes (LANUV) zweifelsfrei fest. “Die wichtigen Merkmale sind eindeutig”, sagte LANUV-Sprecher Peter Schütz. Um welches Geschlecht es sich bei dem Wolf handelt, lasse sich auf den Fotos nicht erkennen. Der Wolf sei am Montagmorgen von einem Autofahrer in Ostwestfalen gesichtet und fotografiert worden. Experten wollten am Beobachtungsort nach Spuren suchen und – wenn möglich – DNA-Material sichern. Das LANUV geht von einem durchziehenden Tier aus. Eine dauerhafte Rückkehr des Wolfes

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Uelzen: Elektrozaun vom Wolf durchgebissen?

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17.03.2017 In Ellerndorf (Kreis Uelzen) hat ein Schäfer sechs Ziegen und Heidschnuckenlämmer an den Wolf verloren. Bei der Kontrolle des Elektrozauns wurde ein etwa 40 cm großes Loch gefunden. Das Geflecht sah aus, als sei es zernagt, aber nicht zerschnitten worden. Hat ein Wolf das unter Spannung stehende Geflecht zerbissen? Gesa Kluth vom Wildbiologischen Institut LUPUS hält das für ausgeschlossen. Der örtlich zuständige Wolfsberater Theo Grüntjens konnte keine Haare am Zaun finden, die einem tierischen Verursacher zuzuschreiben wären. Ob der Zaun tatsächlich unter Strom stand, war nicht mehr feststellbar. Der Wolfsberater und ein Tierarzt des Wolfsbüros haben an den toten

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