Niedersachsen – schon wieder?

Niedersachsen – schon wieder?

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20.05.2017

Zeitgleich mit der Meldung, MT6 (vulgo „Kurti“) sei nun ausgestopft im Landesmuseum Hannover zu besichtigen, wird mir eine Videosequenz von einem neuen Problemwolf-Kandidaten zugespielt. Wieder aus Niedersachsen, diesmal aus der Göhrde. Ziemlich sicher ein Jährling. Unbedarft springt er mehrmals spielerisch auf ein Fahrzeug mit zwei Landwirten zu, die ihn dabei filmen. „Weg, weg!“ hört man einen rufen. Damit lässt er sich vertreiben, kommt aber immer wieder zurück. Schließlich bleibt er unschlüssig auf Steinwurfweite stehen.

 

Mir fällt zu dieser Aufnahme eine Menge ein. „Der Wolf ist scheu und meidet den Menschen,“ heißt es in Merkblättern. Dieser nicht. „Die Wölfe haben ihre Scheu verloren,“ heißt es anderswo. Hatten sie überhaupt eine? Dieser anscheinend nicht – oder hat man sie ihm abgewöhnt? Etwa indem man ihn gefüttert hat?

Der Absender des Videos schreibt mir: „Wie hätte sich der Wolf bei einem im Garten spielenden Kind verhalten? Habe ehrlich gesagt bei diesem Gedanken ein sehr, sehr mulmiges Gefühl.“ Ich kann das gut verstehen. Was also soll man tun?

Ich habe nachgefragt. Das ist schon mal nicht einfach in Niedersachsen, weil man nicht weiß, wer dort in Sachen Wolf den Hut auf hat – das Ministerium? Die Jägerschaft, die dort für das Monitoring zuständig ist? Das Wolfsbüro? Das Landesamt? Aber so viel habe ich erfahren: Man hat hinzugelernt in Hannover. Die Antennen sind ausgefahren.

In der Umgebung des Ereignisses wird das Monitoring intensiviert. Leicht gesagt – man muss sich vor Augen halten, dass dieser Wolf auf einer Fläche von ungefähr 250 km2 zu Hause sein dürfte (sofern er noch im Territorium seiner Familie und nicht schon auf Wanderschaft ist). Das ist ein Quadrat von ungefähr 16 mal 16 km! Suchen Sie dort mal einen Wolf! Und zwar den richtigen!

Man möchte wissen, warum sich dieses Tier so vertraut verhält. Ist er vielleicht verwandt mit den Munsterwölfen? Das könnten genetische Analysen klären – aber dazu muss man erst mal genetisches Material haben. Das Wolfsbüro hat Ideen und wird in Kürze eine Aktion dazu starten.

Es wäre schön, wenn man den Wolf fangen und besendern könnte. Dabei stehen dem Wolfsmanagement allerdings unfassbare rechtliche und bürokratische Barrieren im Wege. Hier würde man sich vom Bund und von der Naturschutzkommission der EU endlich handfeste Unterstützung wünschen.

Wenn alles nichts hilft oder zu kompliziert ist, sollte man einen solchen auffälligen Wolf erschießen – nicht weil er gefährlich ist, sondern weil wir es gar nicht erst so weit kommen lassen wollen. Aber auch das ist leicht gesagt und schwer getan: Erst muss man ihn schließlich finden. Dann muss ein Schütze zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Ein Jäger vielleicht – aber die Jägerschaft verweigert sich, weil sie erkannt hat, dass sie sich dabei auf eine sehr heiße Sache einlässt. Und einen Wolf in einer Siedlung zu erschießen geht schon gleich gar nicht – eine verirrte Kugel ist gefährlicher als jeder Wolf.

Alle, die mit diesem Fall befasst sind, stehen vor einer Herausforderung, um die man sie nicht beneiden kann. Das hat nicht unmittelbar mit dem Wolf an sich zu tun, sondern mit all der Bürokratie und einem manchmal nicht mehr nachvollziehbaren Rechtsverständnis und Sicherheitsbedürfnis. Der Wolf stößt uns mit der Nase drauf.

Ihr

Unterschrift UW

 

 

 

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