Herr Krewer möchte gebeten werden

Herr Krewer möchte gebeten werden

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15.09.2016 Eine Erwiderung auf Bernd Krewer von Ulrich Wotschikowsky.

Wotsch kEs ist schwer verständlich, was Bernd Krewer mit seiner „Gegenüberstellung“ von Rothirsch und Wolf bezweckt: Sollen wir mit dem Wolf ebenso umgehen wie mit dem Rothirsch? Oder aber ganz anders? Krewer stellt den Umgang mit dem Rothirsch positiv dar, den mit dem Wolf negativ. Das kann man auch ganz anders sehen.

Krewer beklagt die „bevorzugte“ Behandlung des Wolfes. Eine solche wird auch anderen Arten zuteil, etwa Raufußhühnern, Großtrappe und Kranich, den Greifvögeln, Luchs und Wildkatze – zu Recht, weil sie eines besonderen Schutzes bedürfen und / oder weil wegen ihrer geringen Zahl eine Bejagung nicht in Frage kommt. Mit nur ein paar hundert Exemplaren ist der Wolf in genau der gleichen Situation. Er muss anders behandelt werden als der Rothirsch, und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht.

Krewer möchte uns erklären, dass Wölfe ebenso wie Rotwild in festgelegte Gebiete gehören. Solche gibt es in einigen (ich glaube sieben) von 14 Bundesländern. Würde sich, wie Krewer behauptet, die Populationsdichte tatsächlich „an der Schadenssituation im Wald“ orientieren, müssten sich die Waldbesitzer nicht Jahr für Jahr über die Schäden beschweren, die das Rotwild im Wald anrichtet. Eines der „führenden“ Länder dabei ist Rheinland-Pfalz, Krewers Heimat, wo seit Jahrzehnten erbittert über extrem hohe Rotwilddichten und enorme Wildschäden gestritten wird – und auch darüber, welchen Sinn die „Ghettoisierung“ des Rotwildes in behördlich festgelegten Gebieten eigentlich macht. Denn ein großer Teil des Rotwildes befindet sich außerhalb dieser Gebiete und wird keineswegs gleich totgeschossen, sondern „gehegt.“

Hirsche gehören nicht ins Ghetto. Wölfe auch nicht. Foto Meyers.

Hirsche gehören nicht ins Ghetto. Wölfe auch nicht (Foto Meyers).

Wildtiere nur in behördlich festgelegten Gebieten zu dulden und außerhalb derselben totzuschießen ist schon vom Ansatz her höchst fragwürdig. Am Rotwild zeigt sich: Das funktioniert nicht. Denn die Rotwildproblematik ist dadurch nicht gelöst worden, sondern hat viele neue Probleme erst geschaffen. Immer mehr Länder geben deshalb die „Rotwildgebiete“ auf. Das Beispiel taugt nicht für den Umgang mit Wölfen.

Und die, meint Krewer, „verdanken“ wir den Grünen und den Naturschutzverbänden. Diese sollten deshalb dafür zur Kasse gebeten werden. Erstens – von wem, lieber Herr Krewer, sind denn die Schutzbestimmungen erlassen worden, die eine Erholung und Wiederausbreitung der einst vogelfreien, wie Ungeziefer verfolgten Wölfe, Luchse und Bären erst wieder möglich gemacht haben? Von den Grünen? Den Naturschutzverbänden? Nein – sondern von der Europäischen Staatengemeinschaft, dem Bundestag und den Landesparlamenten. Die Grünen spielten damals noch gar keine Rolle, und irgendwelche Naturschutzverbände sitzen meines Wissens nicht in gesetzgebenden Institutionen.

Aber in den Jagdmedien ist es gerade en vogue, „die Grünen“ und „die Naturschützer“ (zu denen sich, dachte ich, gerade auch die Jäger zählen!) in die Pfanne zu hauen, wo immer es geht. Mit diesen Rundumschlägen trifft man aber nicht nur die verhassten Grünen, sondern auch viele Menschen anderer politischer Ausrichtung, die dennoch – Parteipolitik hin oder her – die Rückkehr verloren gegangener Wildtierarten von ganzem Herzen begrüßen.

Ich teile Krewers Ansicht, dass das Rotwild eine andere Betrachtungsweise verdient als die eines „Schädlings“. Aber wer bringt es denn nicht fertig, mit dem Rotwild so umzugehen, dass Konflikte weitgehend vermieden werden? Die Jäger! Krewers Anspielung auf Mutter Theresa ist allerdings geschmacklos, und Wölfe traben auch nicht mit einem Heiligenschein durch Deutschland. Das hat der Fall MT6 bewiesen, ebenso wie der Fall Bruno, der Bär. Den Heiligenschein sehe ich dagegen eher bei den Hirschen, und in Rheinland-Pfalz glänzt er heller als anderswo.

Völlig fremd ist mir Krewers Denkweise, mit der er eine Verbindung von Hartz IV-Empfängerin, Kleinkind und erschossenem Wolf herzustellen versucht. Und wenn Krewer dabei auch noch argwöhnt, man wolle doch bloß einen Jäger einer illegalen Handlung überführen, dann wüsste ich gerne, wer bei einem totgeschossenen Wolf als Täter in Frage kommt.

Mit zwei Schüssen niedergestreckt (Foto Thoralf Schaffer)

Mit zwei Schüssen niedergestreckt. Wer außer einem Jäger kommt dafür in Frage? (Foto Thoralf Schaffer)

„Noch haben Ideologien die Oberhand und Fakten werden einfach ausgeblendet und ignoriert,“ so beschließt Bernd Krewer seine Kritik am gegenwärtigen Umgang mit Wölfen bei uns. Dieser Umgang wird durch Wolfs-Managementpläne geregelt, an deren Entwicklung ich wiederholt beteiligt war. Immer bestand das Plenum dabei aus allen Interessengruppen des Landes, darunter selbstverständlich auch die Jagdverbände, und ebenso selbstverständlich die Naturschutzverbände. So und nicht anders stelle ich mir einen demokratischen Prozess vor. Die „Ideologien“, die dabei im Spiel sein sollen, hat Krewer nicht benannt. Auch nicht die Fakten, die angeblich „ignoriert“ werden.

Herr Krewer, seien Sie unbesorgt: Zwar steht unser Wolfsmanagement noch ganz am Anfang. Aber im Vergleich mit dem, was wir mit dem Rotwild so treiben, und auch im internationalen Vergleich steht dieses Management ziemlich gut da. Wir werden auf Ihre helfende Hand nicht zurückkommen müssen.