Ein zweites Rudel in Bayern

Ein zweites Rudel in Bayern

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09.08.2018

Jetzt ist es amtlich: In Bayern gibt es ein zweites Wolfsrudel. Im Veldensteiner Forst, einem großen Waldgebiet bei Pegnitz, sind zwei Welpen von einer Fotofalle erfasst worden. Es sollen aber mindestens drei sein. Anscheinend entsteht gerade in der Oberpfalz eine Keimzelle für ein bayerisches Wolfsvorkommen; denn nur etwa einen wölfischen Tagesausflug nördlich davon ist in dem militärischen Übungsplatz Grafenwöhr bereits seit 2016 ein weiteres Wolfspaar nachgewiesen. Der im Vorjahr erwartete Nachwuchs ist jedoch ausgeblieben, und auch in diesem Sommer haben sich noch keine Welpen gezeigt.

Mit Grafenwöhr und Veldensteiner Forst haben sich die Wölfe ein Schlaraffenland ausgesucht. Es beherbergt die höchsten Rotwildbestände des Freistaates. Und südlich davon, wiederum nur einen Tagesausflug entfernt, liegt mit dem Übungsplatz Hohenfels ein weiterer Rotwild hot spot. Einzelbeobachtungen von Wölfen sind von dort bereits berichtet worden.

Auf den Übungsplätzen werden hohe Rotwildbestände geduldet. Besonders Grafenwöhr hat unter Kennern den Ruf eines „bayerischen Yellowstone“ – nicht nur wegen seiner großen Rotwildrudel, die dort am hellen Tag auf den ausgedehnten Freiflächen stehen und sich um den militärischen Betrieb nicht kümmern. Der Platz beherbergt auch ein erstaunliches Spektrum an Flaggschiffarten des Naturschutzes. Hier brüten Seeadler, Fischadler und Kraniche, Schwarzstörche und viele andere seltene Arten. Der kleinere Platz Hohenfels steht ihm kaum nach.

Eine Tagesjagdstrecke im Staatsforst Pegnitz.

Die Ansiedlung der Wölfe sieht man auf den Übungsplätzen mit Gelassenheit. Und im Staatsforst Pegnitz, wo man sich seit Jahren bemüht, den überhöhten Rotwildbestand an die Erfordernisse des Waldbaus anzupassen, müssten Wölfe geradezu willkommen sein. Dass die Wölfe spürbar mithelfen werden, den Wald zu entlasten, bleibt abzuwarten. Aber die Befürchtungen der privaten Jägerschaft schlagen bereits heftige Kapriolen.