Ein Wolf im Allgäu?

Ein Wolf im Allgäu?

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06.08.2018

Große Aufregung im Allgäu: Innerhalb zweier Tage sollen bei Wertach zwei Kälber gerissen worden sein. Landrat Anton Klotz ist sich „zu 100 Prozent sicher:“ Das könne nur ein Wolf gewesen sein, es gebe „keine andere Erklärung,“ und der müsse umgehend abgeschossen werden. Die Allgäuer Zeitung berichtet in großer Aufmachung. Irgendwelche Zweifel an der Geschichte fallen dem Blatt nicht ein. Dabei gibt es davon jede Menge.

Die Fakten: Am 27.07. ein totes Kalb bei Burgberg, am 02.08. ein weiteres bei Wertach. Beide Kälber trugen eine Glocke um den Hals, waren also keine „kleinen Kälbchen.“ Sie wurden im Tal gehalten, nicht auf der Alpe. Bei beiden war der Bauchraum aufgerissen, die Eingeweide ausgeräumt. Aber die wolfstypischen Bissspuren im Kehlbereich fehlten.

Am 07.08. wurden bei Kranzegg zwei weitere tote Kälber gefunden. Die Ersteinschätzung: tot geborene, später angefressene Zwillingskälber. Auch hier keine Kehlbisse.

Von allen vier Kälbern wurden genetische Proben genommen. Die Analyse wird ein paar Wochen auf sich warten lassen. Gegenwärtig sind erhebliche Zweifel angebracht, ob die ersten beiden Kälber Opfer eines Wolfes waren. Bei den Kranzegger Kälbern kann das bereits ausgeschlossen werden.

Der Landrat schießt aus der Hüfte – und die Zeitung hat keine kritischen Fragen.

Es macht einen immer wieder sprachlos, wie schnell manche Leute „hundertprozentig“ wissen, was da geschehen ist. Wenn die Untersuchung hinterher ihrem eigenen (Wunsch-)Bild nicht entspricht, haben sie oft noch die Stirn, die fachliche Qualität der Begutachtung in Zweifel zu ziehen. Ich habe noch nie erlebt, dass sich jemand für sein voreiliges Fehlurteil entschuldigt hat.

Die Fälle im Allgäu bieten aber die willkommene Gelegenheit zu testen, wie gut Bayern auf die Rückkehr der Wölfe vorbereitet ist. Angenommen, es war tatsächlich ein Wolf – welches Angebot von Seiten des Staates steht dann bereit? Gibt es endlich eine Förderrichtlinie? Wer kann Weidetierhalter, die ihre Tiere effizient schützen wollen, gut beraten? Ja – es gibt ein Netzwerk große Beutegreifer. Aber welche Befugnisse haben diese Netzwerker, wie kompetent sind sie, werden sie für ihre Beratertätigkeit entschädigt? uw