Ein paar Fakten zur Hybridisierung

Ein paar Fakten zur Hybridisierung

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15.09.2018

Unter Hybridisierung versteht man die erfolgreiche Paarung von Individuen zweier verschiedener Arten. Dies ist selten; denn das Charakteristikum einer Art ist ja gerade, dass sich die Individuen einer Art nur mit Artgenossen erfolgreich (d.h. mit fruchtbaren Nachkommen) paaren können. Bei der Paarung von Wolf und Hund handelt es sich jedoch um Unterarten ein und derselben Art. Manche Wissenschaftler bevorzugen deshalb für die Nachkommen solcher Paarungen den Begriff „Mischlinge.“

Ein Genaustausch zwischen der Unterart Wolf (Canis lupus lupus) und Hund (C. l. familiaris) ist immer wieder mal vorgekommen, seit sich die beiden Linien vor ungefähr 15.000 Jahren durch die Domestikation (= gezielte Zuchtwahl) trennten. Getreu der Lehre von der Evolution haben sich dabei jene Gene (Eigenschaften) durchgesetzt, die ihren Trägern eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit verschafften. Und umgekehrt – sie sind wieder verschwunden, wenn dem nicht so war.

Ein schwarzer Wolf im Yukon. Ein Hybrid?

Ein Beispiel dafür sind die schwarzen Wölfe in Nordamerika. Sie verdanken ihre Farbe einem Hundegen. Einen Überlebensnachteil haben sie dadurch offenbar nicht – sonst gäbe es keine mehr. Vielleicht sind auch die helldunkel gescheckten Wildschweine, die gelegentlich vorkommen, auf Gene von Hausschweinen zurückzuführen. Aber genau weiß das niemand. Und es ist eigentlich nicht wichtig.

Eine Vermischung von Wolf und Hund ist in der Natur viel seltener als viele meinen. Eine Umfrage der Large Carnivore Initiative of Europe (LCIE) ergab für die Länder Europas lediglich ein paar einzelne Rudel. Eine Ausnahme ist Italien mit einem Mischlingsanteil von etwa 15% in der Toskana. Eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Vermischung Wolf-Hund ist immer dort gegeben, wo es nur wenige Wölfe, aber viele frei laufende Hunde gibt. Dies war in Italien in den 1970er Jahren der Fall. Nicht aber in Rumänien, wo es ebenfalls viele solche Hunde, aber auch reichlich Wölfe gibt. Dort sind Hunde der zweitwichtigste Beuteanteil der Wölfe. Hunde sind dort nicht potentielle Geschlechtspartner, sondern vornehmlich Beute.

In den meisten Fällen sind die Paarungspartner bei einer Vermischung ein Hunderüde und eine Wölfin. Die meisten Mischlinge werden deshalb in freier Wildbahn geboren und von einer Wölfin aufgezogen. Die Welpen lernen ihr Verhalten von der Mutter und sind daher ebenso scheu wie diese (oder nicht – wenn es sich um eine besonders unscheue Wölfin handelt). Im umgekehrten Fall (Mutter eine Hündin) werden die Welpen in menschlicher Nähe geboren. Das ist eine problematische Situation, denn der Wolfsanteil in den Jungtieren macht diese schwer berechenbar. Es sind eben keine reinen Haustiere, sondern zum Teil Wildtiere!