Baden-Württemberg: Schluchseewolf kam aus Niedersachsen

Baden-Württemberg: Schluchseewolf kam aus Niedersachsen

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24.07.2017

Wie kommt ein Wolf in den Schwarzwald? Ganz einfach: Er läuft in Schneverdingen (Niedersachsen) los, im Kopf das Ziel „nach Süden! Nach Süden!“ Quert Schnellstraßen und Autobahnen, oben drüber oder drunter weg, dazu noch jede Menge Landstraßen, Auto links, Auto rechts, läuft unbeirrt durch den dichtest besiedelten Teil dieses Deutschlands, das wiederum eins der dichtest besiedelten Länder der ganzen Welt ist – und kommt nach ungefähr 600 km über Land nach Überlingen am Bodensee. Macht einen Umweg über die Baar, einem Teil der Schwäbischen Alb, und wird schließlich tot im Schluchsee gefunden. Ertrunken ist er sicher nicht. Eine Wunde im Brustbereich erzählt eine andere Geschichte.

Welche – das haben wir immer noch nicht erfahren. Meistens ist die forensische Untersuchung toter Wölfe recht rasch erledigt. Sie geschieht am Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZWB). Die genetische Herkunft untersucht das Institut Senckenberg, und die dauert meist länger. Diesmal ist es umgekehrt. Senckenberg hat die Herkunft des Tieres festgestellt: Es stammt aus dem Rudel bei Schneverdingen in Niedersachsen.

Wie also kommt ein toter Wolf mit einer Wunde im Brustbereich in den Schluchsee? Vom Bauernverband sind schon Vermutungen zu vernehmen gewesen: „Im Kofferraum!“ Das ist die gängige Meinung von Leuten, die meinen, Wölfe könnten nicht laufen, sondern würden per KFZ von A nach B transportiert. So erklären sie sich das überraschende Auftauchen dieser Tiere.

Im Fall des Schluchseewolfes könnten sie teilweise Recht haben: Transport post mortem. Irgendwo erschossen, im Schluchsee entsorgt.

Ich wäre froh, wenn ich Unrecht hätte. uw

Nachsatz:

Leider hatte ich nicht Unrecht. Die erste Nachricht heute morgen war der Befund aus Berlin. Offenbar ist der Wolf einer Kugel zum Opfer gefallen. Teile des Projektils wurden in der Leber gefunden. Es ist Wolf Nr. 24, der seit dem Jahr 2000 nachweislich widerrechtlich getötet wurde.

Außer einem Jäger kommt niemand als Täter ernsthaft in Frage, weder für diesen Fall noch für die 23 anderen. Auch nicht für die gar nicht seltenen Schussverletzungen, die manche Wölfe überleben, bevor sie überfahren werden und auf dem Seziertisch des IZWF in Berlin landen. Zusammen mit Tausenden rechtschaffener Jäger schäme ich mich für die Grüne Gilde, der ich mich seit Kindesbeinen zugehörig fühle. uw