Aus der Gruft: die Bautzener Erklärung – aktualisiert

Aus der Gruft: die Bautzener Erklärung – aktualisiert

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16.02.2018

Man soll Dummheiten nicht auch noch ein Podium bieten. Besser überlässt man sie dem Vergessen. Mit dem Vorsatz „Nicht mal ignorieren!“ kann man sich viel unnötigen Ärger ersparen.

Nun hat sich aber in den letzten Monaten gezeigt, dass nichts so dumm sein kann, als dass es ein Politiker nicht aufgreift und als „Argument“ in der politischen Diskussion benutzt. Die Wolfspolitik ist eine perfekte Bühne dafür. Damit niemand behaupten kann, er habe es ja nicht besser wissen können, muss man gelegentlich Unsinn aufgreifen und als solchen entlarven. Und die Hintermänner.

Deshalb hier ein paar Anmerkungen zur „Bautzener Erklärung“ vom November 2017:

Die Unterzeichner, die da in einem Anfall von Anmaßung und Arroganz das Wolfsmanagement von Sachsen für „gescheitert“ erklären, sind u. a. Christian Lissina, der schon vor acht Jahren öffentlich erklärt hat, es werde „in spätestens fünf Jahren“ kein Rotwild in Ostsachsen mehr geben (in der Tat haben sich die Wölfe von damals fünf auf derzeit 16 Rudel vermehrt und die Jagdstrecken sind gleich hoch geblieben). Und „weniger als zwei Jahre“ werde es dauern, bis das erste Schulkind getötet würde.

Ferner Frank Conrad – er präsidiert einem Landesjagdverband, der im Wolfsmanagement nur durch Störmanöver des Wolfsmanagements auffällt und vergessen hat, warum seinerzeit der Wolf gegen den Rat aller konsultierten Fachleute ins Jagdrecht übernommen wurde: weil die Jägerschaft zugesagt hatte, sich dann auch aktiv am Wolfsmanagement zu beteiligen. Sie tut das, indem sie zum Monitoring mit weniger als einem (!) Prozent der gemeldeten Beobachtungen beiträgt und trotzdem verkündet, es gebe sechsmal so viele Wölfe wie offiziell angegeben.

Weitere Unterzeichner dieser illustren Runde sind Georg Lebsa und Tilo Sauer. Beide haben im Wolfsmanagement von Sachsen keine Spuren hinterlassen. Georg Lebsa hat die eine oder andere Petition gegen die Wölfe gestartet, ohne erkennbares Ergebnis.

Die vier Unterzeichner führen Klage, dass man nicht auf „international anerkannte Wissenschaftler in der Wolfsforschung“ höre. Als solche führen sie die komplette Riege der Wolfsgegner an, wie den Kanadier Valerius Geist, die Finnen Kaj Granlund und Eirik Grankvist, dazu natürlich Prof. Michael Stubbe und Prof. Pfannenstiel. Ungefragt nennen sie auch Prof. Bibikow, längst verstorben, und Norman Stier, der umgehend klargestellt hat, dass er niemals „vor Wölfen gewarnt“ habe und dass er „keine Ahnung“ habe, wie die Unterzeichner auf die Idee kommen, ihn in ihrer Erklärung zu nennen.

Zum Inhaltlichen: Alter Wein aus neuen Schläuchen. Man fordert wolfsfreie Zonen, Entnahme der Hybriden, von denen es im Land zu wimmeln scheint, die Übernahme des Wolfes bundesweit ins Jagdrecht (obwohl gerade das Bespiel Sachsen zeigt, was das bringt, nämlich nichts außer einer Verdoppelung der Bürokratie), und natürlich die Einführung einer Bejagung. Ich sehe davon ab, diese ganze Unsäglichkeit auf Wolfsite zu veröffentlichen. In ähnlichem Wortlaut und mit gleichem Inhalt kennen wir sie schon seit zehn Jahren. uw

Am Sonntag 18.02. abends erreicht mich folgende Nachricht:

Der Landesjagdverband Sachsen kommt nicht zur Ruhe. Nach den Querelen um den langjährigen Präsident Giese und seinen Nachfolger Falkenberg sind am 14. Februar der Präsident Frank Conrad, Vizepräsient Norman Härter und Schatzmeister Kurt Reichel überraschend zurückgetreten. Sie waren erst seit 2016 im Amt. Vorausgegangen war dem Sammelrücktritt ein offener Brief von 20 der 36 Kreisjagdverbände, in dem schwere Vorwürfe gegen das Präsidium erhoben wurden. Die Vorsitzenden der Kreisverbände kritisierten fehlende Kommunikation, Ziellosigkeit, Geldverschwendung und schlechte Mitarbeiterführung. Den letzten Ausschlag für den Brief gab, nach Aussagen des noch amtierenden Vizepräsidenten Thomas Markert, die Unterzeichnung der Bautzener Erklärung. Darin hatte sich der LJV zusammen mit Wolfsgegnern emotional gegen die Wolfspolitik des Landes gewendet. Conrad habe diese Erklärung im Alleingang verabschiedet, heißt es in dem offenen Brief der Kreisverbände, an dessen Ende diese den Rücktritt des Präsidiums fordern. Vize Markert hat die Präsidiumsaufgaben kommissarisch übernommen. Am 28. April sollen auf dem Landesjägertag bereits Neuwahlen stattfinden. Der LJV hatte zuletzt nur noch knapp 6 000 Mitglieder.